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Michael Spindler und Bill Gates schieben sich gegenseitig die Schuld zu Disput zwischen Microsoft und Apple kann Branche erschuettern

03.03.1995

MUENCHEN (jm) - Offene Fehde zwischen Apple und Microsoft: Die Macintosh-Company beschuldigt das weltweit groesste Softwarehaus, es habe Apple unter Ausnutzung seiner Marktmacht zwingen wollen, die Entwicklung an "Opendoc" einzustellen und eine Copyright-Klage gegen die Gates-Company fallenzulassen. Auch Deutschlands PC- Primus Vobis bekommt zu spueren, was es heisst, den Hut des Bill Gates nicht zu gruessen.

Etikettenverstoesse ahndet die Gates-Company umgehend: Vobis-Chef Theo Lieven hatte sich oeffentlich ueber Microsofts nicht immer unproblematische Beziehungskisten mit Geschaeftspartnern geaeussert. Ausserdem installierte Lieven ab Dezember '94 statt Windows IBMs OS/2 Warp auf seinen Vobis-PCs. Wegen dieses Verstosses gegen "Gatesiketten" strich der Microsoft-Boss Vobis aus dem Inner circle offizieller Betatester fuer Windows 95.

Vobis habe "nicht mit der gebotenen Diskretion gehandelt", dies stelle einen Vertrauensbruch dar. Die Strafaktion hat fuer Vobis moeglicherweise boese Folgen: Ohne fruehzeitiges Know-how ueber die Betriebssystem-Spezifika kann der PC-Haendler keine - oder zumindest nicht rechtzeitig - auf Windows 95 angepasste Systeme an den Markt bringen.

In einem Brief an den US-Distriktrichter Stanley Sporkin warf Apple-Anwalt Edward Stead Microsoft vor, Bill Gates persoenlich habe anlaesslich eines Treffens mit Apple-CEO Michael Spindler Anfang 1995 damit gedroht, moeglicherweise die Entwicklung von Anwendungssoftware fuer die Macintosh-Plattform einzustellen, falls Apple nicht von Opendoc lasse.

Gemeinsam mit der IBM und Novell/Wordperfect entwickelte Apple eine Technologie, mit der sogenannte Compound Documents in heterogenen Rechnerwelten genutzt werden koennen. Es handelt sich dabei um Dokumente, die Informationen aus unterschiedlichen Software-Anwendungen und damit verschiedenen Dateiformaten zusammenfassen. Opendoc steht in Konkurrenz zu Microsofts Technik Object Linking and Embedding (OLE), es ist im Gegensatz zu OLE netzfaehig und soll im Sommer 1995 an Software-Entwickler ausgeliefert werden. Ende dieses Jahres wird mit ersten Opendoc- konformen Anwendungen gerechnet.

Rechtsanwalt Stead legte seinem Brief an Sporkin eine Erklaerung von fuenf Apple-Mitarbeitern bei. Darin sagt das Quintett aus, Microsoft habe wiederholt versucht, seine Monopolstellung bei PC- Betriebssystemen zu nutzen, um sich auch eine starke Position auf dem Markt der Entwicklungswerkzeuge und bei Applikationssoftware aufzubauen.

Bei Sporkin sind die Apple-Mitarbeiter an der richtigen Adresse: Der Richter hatte erst vor wenigen Tagen den zwischen Microsoft und dem US-Justizministerium im Juli 1994 geschlossenen Consent Decree vom Tisch gewischt. Er vertritt die Meinung, die Rechtsbehoerde sei "unfaehig und unwillig, gewisse von Microsoft praktizierte wettbewerbsverhindernde Praktiken in der gebotenen Form" zu unterbinden.

Strafaktion von Gates persoenlich angeordnet

Rechtsanwalt Stead behauptet, Microsoft habe Apple zu zwingen versucht, eine Klage zurueckzunehmen, mit der die Mac-Company gewisse Technologien ihres Betriebssystems vor dem Zugriff von Microsoft (und von Hewlett-Packard) schuetzen wollte. Die Klage ist allerdings vom Supreme Court der Vereinigten Staaten mittlerweile hoechstinstanzlich abgewiesen worden.

Bereits vor einem Jahr sei Apples Leiter der Cross Platform Product Group, David Daetz, an Microsoft mit der Bitte herangetreten, Apple-Entwicklern Betaversionen von Windows 95 zur Verfuegung zu stellen. Seinerzeit haetten zwei Mitarbeiter der Gates-Company diese Bitte mit Verweis auf das schwebende Verfahren abschlaegig beschieden.

Glaubt man Stead, so muss Bill Gates besonders die Klage geaergert haben, mit der Spindler im Dezember 1994 die kleine kalifornische Softwareschmiede Canyon Company beschuldigt hatte, Softwarecode aus Apples "Quicktime"-Entwicklungsumgebung gestohlen zu haben. Im Januar dehnte das Mac-Unternehmen diesen Vorwurf - allerdings nur indirekt - auch auf die Gates-Company aus, weil Microsofts "Video- for-Windows"-Software Quicktime-Code enthalte.

Gates, so Stead weiter, habe Spindler gesagt, er habe wegen der Canyon-Klage persoenlich angeordnet, keine weiteren Betaversionen von Windows 95 an Apple auszuliefern. Auch die Bitte eines weiteren Apple-Justitiars, Oscar Rosenbloom, eine zum bestehenden Stillschweigeabkommen ergaenzende Vereinbarung ueber Windows-95- Betaversionen abzuschliessen, stiess auf taube Ohren. Rosenbloom sei per Voice-Mail vielmehr bedeutet worden, Microsoft ueberdenke sogar die Option, auch bisherige Non-Disclosure-Agreements aufzukuendigen.

Erst nach einem Telefonat von Stead mit Anne Bingaman, Assistant Attorney General des US-Justizministeriums und Verhandlungsfuehrerin beim Abschluss des Consent Decree, habe diese Microsoft zum Einlenken bewegen koennen.

Bill Gates bestritt saemtliche Vorwuerfe in einem oeffentlich gewordenen Brief an Apple-CEO Spindler. Darin drueckte er seine Enttaeuschung aus ueber den "Mangel an Offenheit und Aufrichtigkeit, den Apple im Umgang mit Microsoft in den vergangenen Monaten gezeigt" habe.