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14.06.1985 - 

Unwägbarkeiten im US-Geschäft berücksichtigt:

Micro Focus setzt auf langfristige Stabilität

MÜNCHEN (CW) - Die britische Micro-Focus-Gruppe, nach eigener Einschätzung international führender Anbieter anspruchsvoller Entwicklungswerkzeuge auf Mikrocomputern unter Einsatz der Programmiersprache Cobol und der dazugehörigen Compiler, setzt auf langfristiges gesundes Wachstum. Im Zeichen dieser Politik habe, so eine Mitteilung der Micro Focus GmbH, München, der jüngste Jahresabschluß der britischen Muttergesellschaft des Unternehmens gestanden.

In der Bundesrepublik ist Micro Focus seit Mitte 1984 mit einer eigenen Tochtergesellschaft in München vertreten, die auch für das Geschäft in Österreich und der Schweiz zuständig ist. Deutschland-Geschäftsführer Erik Tonnesen sieht das Unternehmen derzeit in einer starken Wachstumsphase, nachdem man die mitteleuropäischen Märkte erst seit Mitte des vergangenen Jahres konzentriert angehe. Dieses Wachstum spiegele die hohe Nachfrage nach Cobol-Programmierwerkzeugen wider, wie sie Micro Focus anbiete. Da der größte Teil aller kommerziellen Computerprogramme in Cobol programmiert sei, habe der Wunsch, diese auch auf oder zusammen mit Mikrocomputern einzusetzen, eine besonders lebhafte Nachfrage entstehen lassen.

Für das Gesamtunternehmen sei der Umsatz in den - durch eine Verschiebung des Geschäftsjahresendes - 60 Wochen zum 31. Januar 1985 um 125 Prozent auf 21,4 (9,5) Millionen Pfund gestiegen. Daß die Bilanz des an der Londoner Börse notierten Unternehmens dennoch einen Verlust von 467 000 Pfund ausweise, habe geschäftspolitische und sicher auch steuerliche Gründe. Der Erfolg werde dadurch "in keiner Weise geschmälert". "Angespornt durch die so überaus günstige Geschäftsentwicklung hat man den Mut aufgebracht, schon jetzt für Rückstellungen und Berichtigungen zu sorgen, die sich die gesamte Mikrocomputerindustrie noch einmal wünschen könnte, dann aber in vielleicht viel schwieriger gesamtwirtschaftlicher Situation."

Der nach solch umfangreichen Rückstellungen ausgewiesene Verlust sei amGeschäft leicht meßbar: Er entspreche dem Gewinn aus einem einzigen mittleren Auftrag. Hauptgrund für diese Maßnahmen seien vor allem Unwägbarkeiten im US-Geschäf t gewesen, die neben hohen Wechselkursverlusten auch Unsicherheiten bezüglich der Bonität mancher Mikrocomputerhersteller mit sich brächten. Hinzu komme, daß sich die Zahlungsmodalitäten für Softwareprodukte inzwischen über immer längere Zeiträume erstrecken würden und deshalb bilanztechnisch sehr vorsichtig behandelt werden müßten.

Auch die durchschnittliche Umsatzhöhe pro Auftrag sei erheblich

gestiegen, was bei eventuellen Insolvenzen von Geschäftspartnern sehr nachteilig zu Buche schlagen könne. Bei Micro Focus hätten diese Überlegungen zu auf den ersten Blick sehr unpopulären Maßnahmen geführt, durch die den Aktionären aber eine langfristig gesunde Anlage gesichert werde.

Die richtige Einschätzung des realen Umsatzes habe in der Bilanz zu Rückstellungen von 6 Millionen Pfund für US-Geschäfte sowie von 833 000 Pfund für sogenannte zweifelhafte Forderungen geführt. Weil es die Ertragslage erlaubt habe, sei gleichzeitig noch eine Rücklage für in den nächsten Jahren zu erwartende Steuern von 480 000 Pfund geschaffen worden. Diese Bilanzmaßnahme sei in England seit Anfang 1984 möglich.

Wie gut das Jahresergebnis gewesen sei, zeige die Tatsache, daß die für Forschung und Entwicklung verfügbaren Mittel um das 4,6fache auf 2,5 Millionen Pfund stiegen.

Die wichtigsten Märkte für Micro Focus seien zur Zeit die USA, Japan und Europa, wobei sich besonders Japan und Europa als sehr stabile und geschäftlich zuverlässige Partner erwiesen hätten. Das US-Geschäft weise zwar das höchste Volumen auf, sei aber mit einigen (bereits erwähnten) Risiken behaftet, die das schnelle und unorthodoxe Wachstum der Mikrocomputerbranche in den USA mit sich bringe.