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16.09.1994

"Microprocessor-Report"-Analyst glaubt: DECs Alpha-Technologie kam zu spaet und leistet zu wenig

MUENCHEN (CW) - Wenig erfreulich duerfte die Zukunft fuer die Digital Equipment Corp. werden. Nachdem das Unternehmen seit Februar 1992 seine ganzen Hoffnungen auf die Alpha-RISC-Technologie setzt, sei nach nunmehr zwei Jahren zu konstatieren, dass DEC mit diesem Joker moeglicherweise aufs falsche Pferd gesetzt und damit seine Zukunft verspielt hat.

Zu dieser Schlussfolgerung kommt die Chefredakteurin des US- Newsletters "Microprocessor Report" des Branchengurus Michael Slater in ihrer aktuellen Kolumne. Linley Gwennap bezieht sich bei ihrer Analyse unter anderem auf Zahlenmaterial der Finanzagentur Dean Witter, die die Anteile am Umsatz der drei von DEC vermarkteten Rechnerplattformen auf Basis von Alpha-, Mips- sowie VAX-Prozessoren aufsplittete. Zusaetzlich verglich Dean Witter die Entwicklung dieser drei Architekturen in den Fiskaljahren 1993 und 1994.

Das Resuemee von Dean Witter: DECs Mips- und VAX-Anwender wechseln nicht in genuegend grosser Zahl auf Alpha-Systeme ueber. 1993 verkaufte der ehemalige Midrange-Meister fuer 1,2 Milliarden Dollar Mips-basierte Rechner, fuer 2,5 Milliarden Dollar VAX-Systeme und fuer 200000 Millionen Dollar Alpha-Maschinen (Wert der verkauften Hardware insgesamt: 3,9 Milliarden Dollar).

Im Fiskaljahr 1994 (Stichtag: 30. Juni) sanken die Verkaeufe von Mips-Rechnern auf weniger als die Haelfte (550 000 Millionen Dollar). Erhebliche Rueckgaenge musste DEC auch bei VAX-Maschinen (1,35 Milliarden Dollar) verzeichnen bei einer vergleichsweise geringen Zunahme des Umsatzes mit Alpha-Systemen (900000 Millionen Dollar). Insgesamt ging der Umsatz mit reinen Rechnersystemen um 27 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar zurueck.

Ausserdem, so Gwennap, setzte DEC im Jahr 1994 mit Service- Dienstleistungen gegenueber dem Vorjahr sieben Prozent weniger um. Bei weiter abbroeckelnden Installationszahlen werde aber auch diese Einnahmequelle von DEC in groesserem Massstab in Mitleidenschaft gezogen. Da das Unternehmen fast die Haelfte seiner Einnahmen aus dem Dienstleistungsgeschaeft zieht, duerften sich auch in der Supportabteilung zunehmend Probleme einstellen.

Gwennap schliesst daraus, dass die Alpha-Technologie zu spaet auf den Markt kam. Zwar sei der Alphaprozessor unter allen RISC- Architekturen die leistungsstaerkste. Um aber das Interesse von Systemherstellern zu gewinnen, sei ihr Leistungsvorteil gegenueber anderen RISC-Architekturen nicht gross genug. Ausserdem mangele es der DEC-Plattform immer noch an Software und unterschiedlichen Rechnersystemen.

Bei der Finanzierung der Weiterentwicklung des Alpha-Prozessors sei DEC zudem praktisch

auf sich alleine gestellt. Sogar Hewlett-Packard, das mit seinen diversen Rechnern auf Basis der PA-RISC-Architektur immerhin rund zehn Milliarden Dollar einfahren wuerde, bediene sich bezueglich zukuenftiger CPU-Entwicklungen mittlerweile der Hilfe von Prozessorkroesus Intel. Fuer Gwennap stellt sich deshalb die Frage, wie DEC zukuenftige Entwicklungskosten fuer Alpha-Prozessoren aufbringen wolle.

Schon bei der Entwicklung des Low-end-Chips 21066 habe DEC Einschraenkungen machen muessen. Gwennap: "Es sieht so aus, als ob sich DEC die parallele Entwicklung von wettbewerbsfaehigen Low-end- und High-end-Prozessoren nicht mehr leisten kann."

Von besonderer Ironie sei, dass DEC bei der Markteinfuehrung der Alpha-CPU eigentlich alles richtig gemacht habe: Prozessor- und zugehoerige Chipsaetze seien verfuegbar gewesen, Standards wie Windows NT beziehungsweise den PCI-Bus habe DEC unterstuetzt, zudem haette DEC extra eine eigene Geschaeftseinheit fuer den Verkauf von Alpha-CPUs hochgezogen.

Nach insgesamt 5,8 Milliarden Dollar Verlusten ueber die vergangenen vier Jahre muesse man nun fuerchten, dass DEC zur Finanzierung der Alpha-Technologie auch weiterhin Geschaeftsteile wie schon die Speichersysteme-Einheit oder die Datenbank-Division verkaufen muesse.

Es bestehe die Gefahr, dass DEC spaetestens dann nicht mehr genuegend Geld fuer eine wettbewerbsfaehige Alpha-Technologie aufbringen koenne, wenn es nichts mehr zu verkaufen gebe.

Wenn es DEC zudem nicht gelingt, bald einen PC-Hersteller als Alpha-Systempartner zu gewinnen, dann werde das Unternehmen wie "Eis in der Hitze wegschmelzen" und die Kundenbasis dazu, meint Gwennap.