Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.


20.01.1995

Microprocessor Report: RISC-Anbieter im Vergleich (Teil 1) Die Power-PC-Architektur war 1994 der grosse Gewinner

MUENCHEN (CW) - Jahreswechsel bieten sich an, Resuemees zu ziehen. Im dritten Jahr in Folge lassen die Hardwaregurus vom "Microprocessor Report" die vergangenen zwoelf Monate Revue passieren und vergeben ihre - nicht nur beliebten - Auszeichnungen fuer die Leistungen der Hersteller von RISC-Architekturen.

Nicht ganz unerwartet drueckte die Power-PC-Architektur dem Jahr 1994 den Stempel auf. Die IBM konnte im Verein mit Apple und Motorola nicht nur einige Aufmerksamkeit in den Medien erregen, ihre RISC-Chips veraenderten auch die Marktverhaeltnisse. Die mit der "601"-CPU ausgestatteten Power-Macs schafften es, dem von RISC-Herstellern gern proklamierten Begriff des "RISC-PCs" ueberhaupt Sinn zu geben. Denn erstmals machte ein Unternehmen das Versprechen der Workstation-Hersteller vom preisguenstigen RISC- System wahr. Die "6100"-Power-Macs liegen - bei hoeherer Rechenleistung - im Preisgefuege von Pentium-PCs.

Auch bezueglich der Verkaufszahlen katapultierte sich die Power-PC- Architektur innerhalb eines Jahres an die Spitze des RISC-Feldes. Allerdings zeichnete fuer diesen Erfolg vor allem ein Chip verantwortlich, die 601-CPU, und ein Unternehmen - Apple mit den Power-Macs. Die Firma von Apple-Chef Michael Spindler allein verkaufte 1994 nach den Erkenntnissen der "Microprocessor-Report"- Autorin Linley Gwennap ueber 90 Prozent der zirka 800 000 abgesetzten Power-PC-Systeme. Der Preis fuer die erfolgreichste RISC-Architektur ging deshalb an den Power-PC-Chip.

Fuer die Stromsparversion des IBM-Motorola-Bausteins gab es vom "Microprocessor Report" allerdings nur die goldene Zitrone: Als "Phantom der Oper" sei der "603"-Chip einzustufen, denn obwohl die Massenauslieferung angeblich schon im dritten Quartal 1994 anlief, habe es so gut wie keine Abnehmer gegeben. Mit der Auslieferung von Power-Macs mit diesem Prozessor etwa im zweiten Quartal 1995 werde sich an dieser verqueren Logik aber einiges aendern.

Dass Apple sich zur Freigabe des Mac-OS durchringen konnte, duerfte fuer den weiteren Erfolg der Power-PC-Architektur von entscheidender Bedeutung sein. Zwar unterstuetzt diese heute schon die meisten Betriebssysteme. Gwennap glaubt jedoch, dass erst das Mac-OS bei Softwarehaeusern genug Entwicklerengagement entzuenden kann. Nur das Apple-Betriebssystem habe die Chance, sich zur uebergreifenden Plattform fuer die Power-PC-Architektur auszuwachsen. Deren Potentiale koennten dann sogar den PC- Hegemonisten Intel ins Gruebeln bringen.

Die zunehmende Attraktivitaet des IBM-Motorola-Chips hatte bereits Folgen: Bei ihrer unternehmerischen Erfolgsplanung im RISC-Segment setzen mittlerweile auch Canon, Toshiba und Olivetti auf den Power-PC-Prozessor. Samsung und Acer sollen sich nach inoffiziellen Informationen ebenfalls mit der Absicht tragen, ins IBM-Motorola-Lager einzulaufen. Auch wegen dieses regen Industriezuspruchs erntete der Power-PC-Prozessor den Preis fuer die groesste Gefolgschaft.

Der mit einigen Vorschusslorbeeren bedachte "620"-Chip enttaeuschte allerdings: Ungefaehr auf die sechsfache Rechenleistung des 601- Bausteins geschaetzt, uebertrifft etwa die 133-Megahertz-Variante den 80-Megahertz-601-Chip nur um den Faktor drei.

Daneben haelt Big Blue mit Motorola jedoch noch ein As im Aermel, das jenseits reiner Technologieaspekte stechen koennte: Noch dieses Jahr soll der "615"-Chip das Licht der DV-Welt erblicken. Er kombiniert den Power-PC-Kern mit dem in Hardware gegossenen x86- Befehlssatz. Damit spricht er also das Millionenheer der DOS- Windows-Benutzer an. Vorteil gegenueber einer Software-Emulation des Intel-PC-Instruktionensatzes, wie ihn beispielsweise Insignia anbietet: Der 615-Baustein wird erheblich leistungsstaerker sein.

Den schnellsten nicht nur auf dem Reissbrett, sondern am Markt verfuegbaren Mikroprozessor stellt im dritten Jahr in Folge die Digital Equipment Corp.

(DEC). Der "Alpha 21064A" liegt mit einem Specint92-Resultat von 200,1 weit vor der RISC-Konkurrenz. Der Fliesskommawert Specfp92 von 291,1 wird nur von dem Mips-Chip "R8000" mit 310,8 ueberboten. Allerdings faellt der vor einigen Wochen vorgestellte Prozessor der Silicon-Graphics-Tochter mit einem Integer-Wert von 111,7 erheblich gegenueber der Rechenleistung des DEC-Chips ab.

Wie schon in den Vorjahren ueberzeugt die Rechenleistung alleine aber nicht: DEC vermag, einmal abgesehen von Cray Research, keinen namhaften Partner zu nennen, der der Alpha-Architektur auf breiter Flur zum Erfolg verhelfen koennte. So konzentriert sich der bisherige Weggefaehrte Olivetti nicht mehr nur auf Alpha. Dafuer zumindest spricht das Engagement der Italiener beim Branchenneuling Power Computing, der Power-PC-Systeme entwirft. Grafikspezialist Kubota ist wegen der geringen Verkaufserfolge der Alpha-Systeme bereits abgesprungen.

Mips bekommt Preis fuer bestes RISC-Design

Das Mips-Lager heimste bei den Fachleuten des "Microprocessor Report" den "Oscar" fuer das beste RISC-CPU-Design ein. Der "R4700"-Chip - ein Abkoemmling des "Orion" genannten "R4600" - verbindet kleine Flaeche mit hoher Leistungsfaehigkeit (Specint92: 130/Specfp92: 100): Wegen seiner geringen Ausmasse von 73 Quadratmillimetern - damit ist er nicht einmal halb so gross wie HP-, Sparc-, Alpha- und Pentium-Prozessoren - ist er auch billig zu fertigen. Autorin Gwennap rechnet mit 35 Dollar Fertigungskosten. Entwickelt hat die CPU allerdings nicht die Mips Technologies Inc., sondern Quantum Effect Design (QED). Produziert und vertrieben wird der Chip von IDT, Toshiba und NKK.

Leistungsmaessig will sich Mips mit dem "T5"- beziehungsweise

"R10000"-Prozessor wieder an die Spitze des RISC-Feldes setzen. Allerdings schlaeft die Konkurrenz nicht: Nur HP (Anfang 1996) wird nach Einschaetzung von Gwennap noch spaeter als Mips seine naechste PA-Variante, den "8000"-Prozessor, in grossen Stueckzahlen auf den Markt bringen koennen. Sowohl IBM (Power-PC 620), als auch Sun ("Ultrasparc") und DEC ("Alpha 21164") ziehen noch vor Mips mit neuen CPUs ins Feld (vgl. Grafik). Die Silicon-Graphics-Tochter wird nach Schaetzungen des "Microprocessor Reports" den T5 erst im letzten Vierteljahr 1995 - also drei bis sechs Monate nach der Konkurrenz - in Mengen anbieten koennen.

Zudem, so Gwennap, teile Mips das Schicksal von Digital, kaum Anhaenger fuer ihre Architektur um sich scharen zu koennen. Dem ist allerdings entgegenzuhalten, dass Mips mit Tandem, Concurrent, Sony und Pyramid doch recht hochkaraetige Partner vorweisen kann. Akkumuliert man deren Umsaetze mit RISC-Systemen, so besitzt die Mips-Architektur in der RISC-Gemeinde sehr wohl Gewicht.

(wird fortgesetzt)