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27.01.1995

Microprocessor Report: RISC-Anbieter im Vergleich (Teil 2 und Schluss) Die Zukunft der Architekturen von Sun und HP ist noch unklar

MUENCHEN (CW) - 1994 war das Jahr der Power-PC-Architektur. In ihrem alljaehrlichen Bericht ueber die aktuellen Entwicklungen auf dem RISC-Markt bilanzieren die Spezialisten vom US-Newsletter "Microprocessor Report", der IBM-Motorola-Chip sei der meistverkaufte RISC-Prozessor gewesen. DEC stellte einmal mehr die schnellste CPU, Mips heimste die Auszeichnung fuer das beste Design eines RISC-Prozessors ein.

Sun duerfte der Bewertung der Autorin Linley Gwennap mit gemischten Gefuehlen begegnen: Einerseits stellt die Fachfrau fest, das Unternehmen habe eine ganze Reihe von Produktankuendigungen vom Stapel gelassen. In Sachen Prozessorweiterentwicklung andererseits habe sich bei den Kaliforniern im wesentlichen nichts getan.

Der Fujitsu-Tochter Ross Technology hingegen sei mit dem Hypersparc-Design sehr wohl ein bemerkenswerter Wurf gelungen. Fuer das "elegante" Multichip-Layout auf Basis der 0,5-Submikron- Technologie von Fujitsu vergab Gwennap den Preis fuer die beste Integrationsloesung: Auf dem Modul vereinte Ross zwei Prozessorchips sowie 256 KB Cache-Speicher. Damit reduziert der Hersteller nicht nur die Produktionskosten, auch die Rechenleistung konnte gegenueber dem 60-Megahertz-Supersparc-Chip erheblich gesteigert werden.

Sun dagegen will mit dem "Supersparc-2"-Konzept noch im ersten Quartal 1995 wieder etwas Boden gutmachen; im Herbst dieses Jahres sollen dann erste Modelle des noch leistungsfaehigeren "Ultrasparc"-Chips praesentiert werden. Dieser mit 167 Megahertz getaktete Prozessor ist allerdings wie die Supersparc-2-CPU bereits sechs Monate hinter dem Zeitplan. Wesentlich weniger vorteilhaft ist zudem eine andere Eigenschaft des zukuenftigen Sun- Hoffnungstraegers: Mit 315 Quadratmillimetern weist er die groesste Flaeche aller RISC-CPUs auf.

Fuer seine Mittelklasse-Systeme setzt Sun weiterhin auf die "Microsparc-2"-Chips. Gwennap schaetzt, dass der Workstation-Primus noch im Fruehjahr 1995 neue Chips dieser Linie mit 100 oder mehr Megahertz Taktrate anbieten wird.

Moeglicherweise zum Rohrkrepierer geraten zwei andere Sparc- Prozessoren: der "PM-1" von Hal Computer und Metaflows "Thunder"- Baustein. Beide, schreibt Gwennap, bleiben leistungsmaessig hinter dem grossflaechigen Ultrasparc zurueck, werden ihn aber beim Preis uebertreffen. Zuwenig, zu spaet, urteilt die Autorin des "Microprocessor Report" denn auch knapp.

Prinzipiell sieht Gwennap fuer die ganze Sparc-Gemeinde dunkle Wolken aufziehen. Zwar stehe die Sun-Architektur immer noch besser da als die Alpha-, Mips- und die HP-PA-Plattformen. Trotzdem duerfe die Frage nach dem Ueberleben von Sparc gestellt werden. Wuerden doch mittlerweile Sparc-Anbieter wie Toshiba und Tatung zur eigenen Absicherung schon den kleinen Seitensprung wagen und neben Sparc- auch Power-PC-Systeme anbieten.

Darueber hinaus offeriert Sun selbst sein Solaris-Betriebssystem auch fuer die x86- und Power-PC-Umgebungen. Ausserdem haelt sich die McNealy-Company nach wie vor bedeckt, geht es darum, sich deutlich fuer Standards aus der PC-Welt wie PCI oder Windows NT auszusprechen. Schreibt Gwennap: "Vor einem Jahr bezeichnete der "Microprocessor Report" Suns Marktstrategie als konfus. Bis heute sehen wir diesbezueglich keine Veraenderung."

Nicht viel besser urteilt Gwennap ueber Hewlett-Packard (HP). Zwar erntete die Nummer zwei der US-Computeranbieter den Preis fuer die mutigste strategische Entscheidung: HP plant, 1998 in Kooperation mit Intel eine ganz neue Prozessorarchitektur aus der Taufe zu heben. Diese soll auf der VLIW-Technologie (Very Long Instruction Word) basieren und kompatibel zu den x86- und PA-RISC-Plattformen sein. Einige Fachleute bestreiten allerdings, dass solch ein Vorhaben machbar sei. So sich das Konzept tatsaechlich realisieren laesst, koennte HP seine PC- und RISC-Produktlinien in einer Plattform zusammenfuehren.

Bis es soweit ist, muss HP allerdings die Zeit mit "traditioneller" PA-Technologie ueberbruecken - und da sieht es weniger rosig aus. Gwennap kuerte den "PA-7200"-Chip, der noch im ersten Quartal 1995 auf den Markt kommen soll, wegen seines kreativen Cache- Speicherkonzepts zwar zum innovativsten CPU-Design des vergangenen Jahres. Danach ist aber nur noch der "PA-8000" geplant, der 1996 auf den Markt kommen soll.

Der HP-Intel-Deal wird aber nicht nur fuer Anwender Auswirkungen haben. Auch bisherige HP-Partner wie Samsung und Hitachi sehen sich mit dem Ende der PA-RISC-Plattform gezwungen, neue Wege zu gehen. Zwar, so Gwennap, sei es durchaus denkbar, die HP- Prozessoren fuer sogenannte Embedded-Anwendungen weiter zu nutzen - HP selbst aber wird die Entwicklung fuer diese Chip-Plattform einstellen. Hitachi hat sich konsequenterweise schon eine Power- PC-Lizenz gesichert. Samsung ueberlegt ebenfalls, ob es auf die IBM-Motorola-Chips wechseln soll.

Allen RISC-Anbietern ist eins jedoch gemein: Fuer einen Erfolg dieser Architekturen auf breiterer Basis ist es von entscheidender Bedeutung, x86-basierte Software zu portieren. Ohne Unterstuetzung der Intel-Software huelfe es den RISC-Anbietern ueberhaupt nichts, so Gwennap, die ueberlegene Rechenleistung ihrer Prozessoren gegenueber den CISC-Chips anzupreisen. Nur mit einem vielfaeltigen, attraktiven Software-Angebot haetten RISC-Adepten eine, wenn auch nur kleine Chance, in den PC-Markt einzudringen. Zumindest muessten die Unternehmen Emulationsofferten anbieten, wie sie IBM und Motorola noch dieses Jahr mit der 615-Power-PC-CPU auf den Markt bringen. Auf diesem Chip integrieren die beiden Unternehmen neben dem Power-PC-Kern den Intel-Befehlssatz. Mips soll eine aehnliche Loesung vorbereiten, die allerdings wohl noch bis 1996 auf sich warten lassen wird.