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26.11.1999 - 

AOL soll sich Hacker-Methoden bedient haben

Microsoft ändert Strategie bei seinem Chat-Dienst

MÜNCHEN (CW) - Im Streit um Instant-Messaging-Software mit America Online hat Microsoft klein beigegeben. Hintergrund ist möglicherweise der Antitrust-Prozeß, dessen Verlauf die Gates-Company zu einem freundlicheren Umgang mit der Konkurrenz zwingt.

Der Ärger begann im Juli dieses Jahres, als Microsoft sein Chat-Tool "MSN Instant Messenger" auf den Markt brachte. Es versetzte Anwender in die Lage, mit Benutzern des "AOL Instant Messaging" (AIM) von America Online zu kommunizieren. Doch AOL wollte dies - angeblich aus Sicherheitsgründen - nicht zulassen und änderte die Konfiguration seines Schwatzprogramms so ab, daß Microsoft-User geblockt wurden. Immer wieder versuchte der Softwarekonzern daraufhin, diese Sperre mit neuen Versionen seines Messenger zu umgehen, allerdings gelang dies jeweils nur so lange, bis AOL seinerseits das eigene System angepaßt hatte.

Mit dem nun vorgestellten "MSN Messenger Service 2.0" ändert der Softwarekonzern nun seine Strategie: Jetzt können die MSN-Messenger-Anwender nur noch untereinander kommunizieren. Der Rückzug wurde von Analysten unisono als strategisches Manöver gewertet. Microsoft kann es sich angesichts der ungünstigen Wende im Kartellprozeß nicht erlauben, weitere Kriegsschauplätze aufzubauen.

Vorwürfe gegen AOL

Allerdings gibt Microsoft nicht klein bei, ohne dem Erzrivalen noch einen Seitenhieb zu verpassen. Laut Microsofts Marketing-Direktor Yusuf Mehdi sah sich der Software-Anbieter zu dem Richtungswechsel gezwungen, da AOL einen Fehler in seine Messaging-Software eingebaut hatte, um MSN-Messenger-Nutzer abzublocken. Dieser Bug solle die User des hauseigenen AIM davon abhalten, mit den Benutzern anderer Chat-Tools in Kontakt zu treten. Technisch habe der Online-Dienst den digitalen Maulkorb mittels eines "Buffer Overrun" realisiert - eine von Hackern verwendete Methode, um Rechner lahmzulegen.

AOL dagegen bestreitet heftig, eine fehlerhafte Software ausgeliefert zu haben. Im Nachklang zu Microsofts Neuausrichtung meinte eine AOL-Sprecherin, ihr Unternehmen werde auch weiterhin Aktionen unterbinden, die die Sicherheit von AIM-Benutzern gefährdeten.

Instant Messaging erfreut sich im Internet großer Beliebtheit. Noch sind es zwar überwiegend private Surfer, die sich mit Freunden online unterhalten oder in moderierten Chat-Rooms mit Prominenten oder Politikern diskutieren, doch zunehmend nutzen auch Firmen diese Kommunikationsform (siehe CW 32/99, Seite 21). Diesen lukrativen Markt möchte sich auch Microsoft nicht entgehen lassen. Andererseits wird AOL alles daransetzen, seine Führungsposition im Instant-Messaging-Markt zu behaupten.