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11.01.2005

Microsoft attackiert Security-Hersteller

Mit kostenlosen Software-Tools bereitet Microsoft den Einstieg in den lukrativen Sicherheitsmarkt vor.

Als Microsoft kurz vor Weihnachten die Übernahme des Security-Spezialisten Giant meldete, dämmerte es auch den weniger technik-affinen Finanzanalysten: Der weltgrößte Softwarehersteller drängt mit Macht in den 13 Milliarden Dollar schweren Markt für Computer- und Netzsicherheit. Die Aktienkurse der wichtigsten Anbieter von Antivirusprodukten sanken prompt.

Vergangene Woche wiederholte sich diese Entwicklung. Der Softwaremulti ließ seiner Ankündigung vom Dezember Taten folgen und veröffentlichte die Betaversion einer Antispy-Software, die auf Giants Produkten basiert. Erneut gingen die Kurse von Symantec und McAfee in die Knie. Am 7. Januar legte Microsoft-Chef Steve Ballmer nach: Per Windows Update ließ er erstmals ein Programm zum Entfernen von Viren an Kunden verteilen. Das "Malicious Software Removal Tool" nutzt Code, den die Windows-Company bereits Mitte 2003 mit dem Kauf der rumänischen Softwareschmiede Gecad erworben hat.

Bedrohung für Symantec und McAfee

Für sich genommen muten diese Schritte eher unspektakulär an. So ist der Virenreiniger zwar in der Lage, bereits infizierte Rechner von Schadprogrammen zu befreien. Im Gegensatz zu vollwertigen Antivirus-Tools bietet er jedoch keinen Schutz vor neuen Angriffen. Dennoch nimmt die lange kolportierte Bedrohung für die Platzhirsche Symantec, McAfee oder Trend Micro mit den Ankündigungen konkrete Formen an. Beide Gratis-Tools sind nur Vorstufen zu einem umfassenden Set von Sicherheitsprodukten, daran lässt Microsoft keinen Zweifel. Spätestens im Sommer rechnen Branchenexperten mit einem kompletten Antiviruspaket, das der Hersteller mit seinen ebenso berüchtigten wie erfolgreichen Methoden in den Markt drücken werde.

Die Hauptbetroffenen geben sich offiziell unbeeindruckt. So erklärte Symantec-Chef John Thompson, er erwarte von Microsofts Antivirussoftware keine nennenswerten Auswirkungen auf das Consumer-Geschäft seines Unternehmens. Auch Bill Kerrigan, Senior Vice President für Endkundenprodukte bei McAfee, spielt das Thema herunter: "Es geht bei Virenschutz auch um Prozesse", so der Manager, "und die müssen fehlerlos auf globaler Ebene durchgezogen werden."

Das sehen auch neutrale Beobachter so. Doch ein Bestandsschutz für die alteingesessenen Security-Spezialisten lässt sich daraus nicht ableiten. "Microsoft ist auf Kollisionskurs zu McAfee und Symantec gegangen", urteilt etwa Katherine Egbert, Analystin bei der New Yorker Investmentbank Jefferies and Co. "McAfees wichtigste Umsatzströme kommen aus dem Consumer-Geschäft und aus kleinen und mittleren Unternehmen. Das sind zwei der Märkte, die Microsoft angreifen wird."

Etwas optimistischer bewertet Peter Wirnsperger vom Beratungsunternehmen Deloitte & Touche die Marktsituation. "Die etablierten Antivirenhersteller waren nicht untätig, sondern haben sich ebenfalls durch Akquisitionen verstärkt." Zudem agierten sie längst nicht mehr als reine Antiviren-Companies. Symantec etwa decke auch Themen wie Security-Management in Unternehmen ab. Carsten Casper, Senior Analyst bei der Meta Group, teilt diese Einschätzung: "Das war kein Überraschungsangriff. Symantec und McAfee wissen um die langfristige Bedrohung und haben sich breiter aufgestellt."

Mit der Übernahme von Veritas gelang es Symantec in der Tat, die Abhängigkeit vom Consumer-Markt weiter zu verringern und sich neue Geschäftsfelder zu erschließen. Zumindest kurzfristig werde der Hersteller in seinem Stammgeschäft keine größeren Anteile verlieren, kommentiert denn auch Ken Kiarash, Analyst bei der Buckingham Research Group.

Vermarktung noch offen

Auf lange Sicht jedoch erwartet er weitreichende Veränderungen im Markt: "Wenn man sieht, wie Microsoft in der Vergangenheit neue Segmente im Softwaremarkt angegangen ist, ist es gut vorstellbar, dass das Unternehmen in drei bis fünf Jahren einen bedeutenden Anteil im Security-Bereich besitzen wird."

Einmal mehr, so fürchten nicht wenige in der Branche, könnte Microsoft dabei auf die Kopplung von Anwendungen mit dem Betriebssystem setzen. Obwohl der Hersteller dazu kaum Offizielles verlautbart, gibt es Hinweise darauf, wie eine Vermarktungsstrategie aussehen könnte. Nach dem Vorbild des bereits verfügbaren Virenreinigers könnten etwa neue Virusdefinitionen automatisch über die in Windows integrierten Update-Funktionen geladen werden - kostenfrei oder gegen eine Gebühr. Die eigentliche Antivirus-Engine ließe sich ähnlich wie der Internet Explorer in Windows integrieren, mit den bekannten Folgen für die Marktdurchdringung im PC-Geschäft.

Gegen diese These sprechen mögliche juristische Probleme. Vor allem die europäischen Kartellwächter beobachten das Geschäftsgebaren der Gates-Company mit Argusaugen. (wh)