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12.07.2005

Microsoft bläst zur Großoffensive

Händler sollen mehr verkaufen und dabei in den Revieren von IBM und Novell wildern.

Steve Ballmer, CEO von Microsoft, ist wieder einmal in die Rolle des Einpeitschers geschlüpft. Auf der "Microsoft Worldwide Partner Conference 2005" in Minneapolis spornte der temperamentvolle Topmanager die versammelten Händler und Partner an: "Auch für den Fall, dass es irgendjemanden überrascht: Es gibt noch genügend Netware- und Windows-NT-Installationen da draußen. Schnappt euch auch den letzten Kunden und überzeugt ihn von unserer neuen Technologie."

Ins gleiche Horn stieß Chris Capossela, Vice President der Information Worker Product Management Group, die für das Office-Geschäft zuständig ist. "Wir sind Opfer unseres Erfolges mit Office 97 und Office XP", sagte Ballmers Vorstandskollege und forderte die Vertriebspartner auf, die Kunden verstärkt zum Upgrade ihrer Office-Versionen zu animieren. "Unsere Mission ist es, den Leuten klar zu machen, dass sich ihr Arbeitsplatz verändert hat und die alten Tools den heutigen Anforderungen nicht mehr genügen", schärfte Capossela den Microsoft-Partnern ein. Um die Migration zu Office 2003 zu forcieren, wird der Konzern die Zahl der Wiederverkäufer vervierfachen.

Mit der Vermarktung von Office 2003 muss sich die Company beeilen, denn mit "Office 12" steht bereits der Nachfolger an, der in der zweiten Jahreshälfte 2006 offiziell angekündigt werden soll. Auf der Konferenz demonstrierte der Softwarekonzern schon die neuen Funktionen von Office 12. Wichtigstes Merkmal ist das neue XML-Format mit dem künftig alle Office-Applikationen arbeiten sollen. Microsoft entwickelt dazu mit "Office Open XML" einen eigenen Quasi-Standard.

Das Microsoft-Management kehrte in Minneapolis jedoch nicht nur vor der eigenen Tür. Ballmer wäre nicht Ballmer, hätte er in seiner Rede nicht über Konkurrenten und deren Produkte gelästert. Dabei zog er IBMs Strategie, auf die drei Säulen Software, Hardware und Services zu bauen, kräftig durch den Kakao. "IBMs Produktlinie ist die schwächste aller Zeiten", spottete Ballmer.

Der Microsoft-Chef rief Zuhörer und Partner auf, im Groupware- und Collaboration- Terrain von IBM zu wildern. Die Gelegenheit sei günstig, weil bei Lotus- beziehungsweise Domino-Anwendern der Plattformwechsel zu IBMs Collaboration-Suite "Workplace" anstehe. "Ich habe nie eine Kundenbasis gesehen, die so reif zum Pflücken ist. Sie wartet nur darauf, von uns und unseren Partnern zum Wechsel bewegt zu werden", stachelte Ballmer die Vertriebsorganisationen gegen Big Blue an.

Ganz so einfach wird es für Microsoft aber nicht werden, IBM-Anwender und -Partner zur Migration auf die eigene Collaboration-Software zu bewegen.

"IBM hat mehr in die Partnerbeziehungen investiert als Microsoft", gibt Jim Murphy, zertifizierter IBM Solution Advisor bei Principal Software, zu bedenken, und weist ferner darauf hin, dass die Resonanz der Kunden auf Workplace sehr gut sei. Außerdem sei es eine Fehlinterpretation von Microsoft, dass die Migration von Notes auf Workplace eine große Hürde darstelle.

Microsoft nutzte die Konferenz aber nicht nur, um das Bewusstsein der Partner für die eigenen Produkte und gegen IBM zu schärfen. In Minneapolis wurde auch deutlich, dass sich der Konzern in seiner Produkt- und Vermarktungsstrategie kompromisslos gegen Wettbewerber positioniert. Eine bittere Pille musste beispielsweise CRM-Spezialist Siebel schlucken. Microsoft wird die bisher konzernweit eingesetzten Produkte des Partners ausmustern und durch die eigene Software "CRM 3.0" ersetzen. "Ich weiß bis heute nicht, wie ich meine Siebel-Software benutzen kann", stichelte Ballmer.

Kampfansage an Intuit und Sage

Warm anziehen müssen sich auch Hersteller wie Intuit, Sage oder Lexware. Microsoft will sein Augenmerk im Bereich Geschäftsanwendungen nämlich nicht mehr nur auf den gehobenen Mittelstand richten, sondern auch auf Kleinanwender. Dazu hat das Unternehmen für Herbst ein Programm angekündigt, das den Namen "Small Business Accounting" trägt und mit Produkten wie "Quickbooks" von Intuit oder dem "PC-Kaufmann" von Sage konkurrieren soll. "Microsoft will die Marktführerschaft in diesem Segment erreichen", lässt Douglas Burgum, Chef des Geschäftsbereichs Business Solutions, keinen Zweifel an den ehrgeizigen Plänen der Com- pany (siehe Interview Seite 7: "Microsoft will Intuit und Sage Beine machen"). Um dieses Ziel zu erreichen, will Microsoft die Software Small Business Accounting an die Bedürfnisse spezieller Branchen anpassen und mit der aktuellen Office-Software ergänzen. (pg)