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16.05.2003 - 

Wegen drohender Abwanderung zu Linux

Microsoft buhlt um die Gunst der NT-User

Bei der Freigabe von Windows Server 2003 warb Microsoft-Boss Steve Ballmer besonders um die zahlreichen NT-Anwender. Sie müssen sich entscheiden, ob sie zukünftig NT-Features auf Basis freier Software nutzen oder die reichhaltigen Funktionen von Windows Server 2003 in Anspruch nehmen. Von Thomas Nitsche*

Mit dem kürzlich erschienenen Windows Server 2003 möchte Microsoft neben einer technischen Weiterentwicklung vor allem eines erreichen: die Ablösung der immer noch weit verbreiteten NT-4-Server-Installationen. Über die Anzahl der tatsächlich in Einsatz befindlichen NT-Server reichen die Schätzungen weit auseinander. Während Microsoft davon ausgeht, dass kaum mehr als 35 Prozent aller Windows-Server unter NT laufen, kommen die Analysten von Gartner zu ganz anderen Ergebnissen. Nach ihren Untersuchungen beträgt der Anteil der NT-Installationen auf dem Server zwischen 60 und 70 Prozent.

Wie ernst man in Redmond die NT-Anwender nimmt, war auf dem Launch Event für den Windows Server 2003 in San Francisco offensichtlich. Zahlreiche Workshops drehten sich ausschließlich um die Migrationsthematik. Microsoft Chef Steve Ballmer betonte in seiner Keynote mehrmals die vielfältigen Vorteile des neuen Servers gegenüber Windows NT 4, beispielsweise die höhere Performance und die bessere Wartbarkeit.

Microsoft tut gut daran, sich speziell um diesen Bereich zu kümmern. Da die Firma Ende dieses Jahres den Support für Windows NT 4 einstellt, müssen viele Unternehmen entscheiden, welches System sie zukünftig einsetzen wollen. Ein Umstieg auf Windows Server 2000 oder 2003 wird dabei sicher in Erwägung gezogen. Doch auch der Einsatz des freien Betriebssystems Linux stellt eine ernst zu nehmende Alternative dar.

Die Dienste eines File-, Print- oder Mail-Servers, für die NT überwiegend eingesetzt wird, kann Linux mit einer Reihe von weiteren quelloffenen Tools problemlos erbringen. Bei Datei- und Druckdiensten kommt in der Regel "Samba" zum Zug, Mail-Server-Funktionen bieten etwa die Pakete "Postfix" oder "Sendmail".

Der Herausforderung durch Linux tritt Microsoft mit dem Windows Server 2003 auf mehreren Ebenen entgegen. Die erwähnten Standarddienste sollen durch höhere Performance, größere Sicherheit und einfachere Administration glänzen. Wenn man in Redmond betont, dass die Ausfallzeiten durch das Einspielen von Updates oder durch Konfigurationsänderungen gegenüber NT um die Hälfte geschrumpft seien, möchte man auch mit Linux und den kommerziellen Unix-Derivaten gleichziehen. Dort muss das System weitaus seltener neu gestartet werden. Ebenfalls in Richtung Linux zielt die Ankündigung, dass sich das neue Server-Betriebssystem noch umfassender entfernt administrieren und überwachen lässt. Als Unix-Clone bringt Linux viele dieser Features schon von Haus aus mit.

Natürlich stellt sich für viele Anwender die Frage, ob sie für eine bloß verbesserte Implementierung von Commodity-Funktionen Geld ausgeben wollen. Deshalb möchte Microsoft bei diesen Basisdiensten mit neuen Features einen Innovationsvorsprung gegenüber dem freien Konkurrenten erringen. Dazu zählen die integrierten "Windows Rights Management Services" (RMS) zum digitalen Rechte-Management, eine überarbeitete Fassung der Collaboration-Werkzeuge "Windows Sharepoint Services" (erscheint im Sommer) und die "Media Services" für Audio- und Media-Streaming. Für diese Aufgabe existieren in der Welt der quelloffenen Software bisher keine Standardlösungen, die auf eine nennenswerte Anzahl von Installationen verweisen können.

Der Anwenderrealität voraus

Es muss sich allerdings erst zeigen, ob die Funktionsvielfalt, mit der sich Microsoft von freier Software absetzen will, bei den potenziellen Kunden Anklang findet. Immerhin steigt damit der Lernaufwand für Administratoren und Entwickler. Vor allem stellt sich die Frage, ob Microsoft der Anwenderrealität nicht zu sehr vorauseilt. Dies gilt etwa für die digitale Rechteverwaltung. Derzeit tragen viele "Microsoft-Office"-Benutzer nicht einmal ihren Namen in die Einstellungen der Software ein. Daher scheint derjenige, der die Anwendung installiert hat, als Autor ihrer Dokumente auf. Unter diesen Bedingungen dürfte kaum ein Bewusstsein für eine fein granulare Rechteverwaltung digitaler Inhalte vorhanden sein.

Auch im Markt für Web-Server versucht sich Microsoft mit der Überarbeitung bestehender Basisfunktionen zu behaupten. Im Gegensatz zu den Datei- und Druckdiensten trifft der Hersteller dort auf eine Marktführerschaft freier Software. Ihr Einsatz für unternehmenskritische Applikationen ist hier längst Alltag, entweder als "Lamp"-System (Linux, Apache, MySQL und PHP/Perl) oder auf Basis von Java (etwa mit "Tomcat" und "Jboss" unter Linux). Microsoft setzt dem eine eigene "Web Server Edition" entgegen. Sie enthält weder das Active Directory noch Druckfunktionen, aber den komplett überarbeiteten "Internet Information Server 6.0" (IIS). Um die häufig aufgetretenen Sicherheitsprobleme rund um den IIS zu verringern, legte Microsoft besonderes Augenmerk auf potenzielle Schwachstellen.

Geschwindigkeitssteigerungen erzielten die Ingenieure in Redmond unter anderem dadurch, dass Teile der http-Kommunikation wie die Request Queue oder das Verbindungs-Caching ins Innere des Betriebssystem-Kerns verlagert wurde. Ähnliche Optionen existieren allerdings schon länger auch in der Linux-Welt.

Web-Services als Bindeglied

In Sachen Applikationsentwicklung setzt Microsoft den Weg der hochintegrierten Lösungen fort. Auf diese Weise möchte man sich von den eher lose gekoppelten Lamp-Systemen abheben und gleichzeitig der J2EE-Plattform Paroli bieten. Hier spielt naturgemäß das .NET Framework eine Hauptrolle. Da Web-Services in .NET den offiziellen Mechanismus zur Kommunikation zwischen verteilten Anwendungen bilden, hofft Microsoft darauf, vom Hype um diese Technik zu profitieren. Ihr kommt immer mehr die Aufgabe zu, Lösungen unter Windows mit jenen auf anderen Plattformen zu integrieren - was nicht zuletzt wegen des Linux-Erfolgs immer wichtiger wird. (ws)

*Thomas Nitsche ist freier Autor in München.