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21.11.1997 - 

Großauftrag von KPMG erkauft

Microsoft definiert den Begriff Peanuts neu und bootet Netscape aus

So zumindest beschreibt das "Wall Street Journal" in Länge die Verhandlungsschlacht, die sich Microsoft und Netscape um den begehrten Kunden lieferten. Der Artikel wirft ein Licht auf die schwierige Lage, in der sich all jene befinden, die über das wettbewerbsrechtliche Verhalten von Bill Gates ein Urteil treffen wollen und müssen.

Der Deal zeige, über welche finanziellen Möglichkeiten die Gates-Company verfüge, um, ausgreifend von ihren angestammten Geschäftsfeldern, andere Märkte zu erobern.

Hartnäckiges Liebeswerben

Hintergrund der Geschichte: Netscape hatte mit KPMG eine Vereinbarung getroffen, nach der die "Navigator"-Browser-Software firmenweit auf Tausenden von Clients eingesetzt werden sollte, um ein Intranet-Netzwerk für KPMGs US-Dependancen zu entwerfen. Im Herbst 1996 hatte KPMGs verantwortlicher Technikerstab die konkurrierenden Produkte auf ihre Leistungsfähigkeiten verglichen und sich für Netscapes Browser entschieden. KPMG und Netscape unterzeichneten einen Vertrag, die Unternehmensberater zahlten an die Andreessen-Company einen nicht genannten Betrag. Noch im Januar 1997 machte Netscape den illustren Geschäftsabschluß publik - ein Kardinalfehler, wie sich zeigen sollte.

Von nun an bombardierte Microsofts Marketing-Maschinerie KPMG mit neuen Angeboten dermaßen, daß die Unternehmensberater noch einmal in eine Evaluierungsphase eintraten. Hiervon wurde auch Netscape informiert. Doch auch die nochmalige Abwägung der Argumente fiel zugunsten Netscapes aus. Dessen Chef Barksdale konnte sich des "wiedergewonnenen" KPMG-Auftrags sicher sein - glaubte er.

Innerhalb der folgenden zwei Wochen nach der scheinbar endgültigen Entscheidung für Net- scape zeigte Microsoft jedoch, was es unter Liebeswerben versteht: Gates öffnete seine Kriegskasse und offerierte, zehn Prozent der Aktien der KPMG-Division Enterprise Integration Systems zu erwerben, einem Unternehmen, das Netztechnologie an Großfirmen verkauft. Microsoft erklärte sich zudem bereit, eine neue KPMG-Service-Organisation mit zehn Millionen Dollar zu alimentieren. KPMG, so die Planung, sollte einen Teil dieser als Darlehen gedachten Zahlung aus Umsätzen zurückzahlen, die aus dieser Partnerschaft fließen würden. Einen verbleibenden Rest durfte KPMG quasi als finanzielle Aufmerksamkeit von seiten Microsofts betrachten, mit dem Werbe- und Marketing-Aufwendungen abgedeckt werden konnten - eine Rückzahlung war nicht erwünscht.

Microsoft kann die Anschubinvestitionen bei KPMG locker verschmerzen, wird Microsofts für Geschäftskunden zuständiger Manager Ian Rogoff zitiert. In Anbetracht der lukrativen Möglichkeit, künftig mit KPMGs Großkunden ins Geschäft zu kommen, sei die jetzige Finanzierung für Microsoft schlicht Peanuts.