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Middleware: COM versus Corba


13.03.1998 - 

Microsoft drängt in die Unternehmens-DV

Von CW-Redakteur Hermann Gfaller

Gates hat erkannt, daß der Schlüssel zur Welt der großen Server Middleware heißt. Daher versucht Microsoft fieberhaft, mit entsprechenden hauseigenen Techniken alle Bereiche abzudecken, die bislang den Mainframe- und Unix-Umgebungen vorbehalten waren. Für den Datenbankzugriff, der bislang vor allem über direkte Gateways oder über Zugriffssprachen wie SQL geschieht, bietet Microsoft nun OLE DB an.

Selbst die aus dem Mainframe-Bereich stammenden Transaktionsmonitore gibt es inzwischen von Microsoft - wenn auch längst nicht für so viele Benutzer. Generell ist hier anzumerken, daß weder Corba noch Active X den Transaktionssystemen in Sachen Skalierbarkeit das Wasser reichen können. Zur Kommunikation von Windows-Anwendungen über das Netz hat Microsoft die Broker-Technik Distributed Component Object Model (DCOM) eingeführt, die inzwischen von der Software AG auf andere Plattformen portiert wurde.

Diese Microsoft-Produkte sind die Ergebnisse einer rasanten Aufholjagd gegenüber Corba. Laut Gartner Group wird der Softwareriese etwa im Jahr 2002 den technischen Stand der Konkurrenten von heute erreicht haben. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß Microsoft mit seiner Middleware andere Ziele verfolgt als die Mitbewerber. Der DCOM-Vorgänger Object Linking and Embedding (OLE) diente ursprünglich lediglich der Kommunikation zwischen Windows-Anwendungen auf einem Rechner. Mit DCOM wurde diese Aufgabe auf Windows-Netze ausgeweitet. Selbst mit der Portierung von DCOM auf Unix-Systeme wagt sich Microsoft keineswegs in die heterogene DV-Welt der Anwender, sondern bietet mit Hilfe der eigenen Middleware lediglich Fremdsystemen Zugriff auf Windows-Umgebungen.

Dieser Windows-zentrische Blickwinkel hat durchaus praktische Vorteile. So liegt der Reiz der Microsoft-Lösungen darin, daß sie alle auf der gleichen technischen Basis und auf demselben Programmierkonzept beruhen. Auf diese Weise ist es für Entwickler, die bislang zum Beispiel Access-Funktionen mit Visual Basic programmiert haben, vergleichsweise einfach, Microsofts "Transaction Server" durch Active-X-Module um Funktionalität zu erweitern. Aufgrund dieser Eigenschaften kann Microsoft mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Active-X-Controls lassen sich nämlich nicht für nur als Middleware verwenden.

Microsoft setzt den Fokus auf Komponenten

Das Unternehmen bereitet sich auf diese Weise auf den sukzessiven Umbau von fetten Anwendungsmonolithen wie der Textverarbeitung "Word" in ein Paket aus schlanken Komponenten vor. Außerdem bindet diese fest in Windows und NT verankerte Technik die Entwickler an die hauseigenen Systeme und stützt so die Monopolstellung von Microsoft. Dahinter steht die Hoffnung, daß solche Komponenten dem Internet-Trend entgegenwirken, Client-Anwendungen zunehmend auf den Server zu verlagern (siehe Abbildung).

Während Microsoft aus diesen Gründen bei DCOM die Entwicklung von Softwarekomponenten in den Vordergrund rückt, steht bei Corba die Integration von heterogenen Software-Umgebungen im Zentrum des Interesses. Die Microsoft-Technik hilft dem Anwender, möglichst rasch zu neuen Anwendungen kommen, die Corba-Architektur reagiert auf ein anderes Bedürfnis der Anwender: Sie erleichtert den Umgang mit einer nahezu unüberschaubaren Vielfalt von Client-Server-Anwendungen und hilft zudem, wertvolle Altanwendungen einzubinden.

Corba ist ein Ausfluß der Erkenntnis, daß homogene DV zwar erstrebenswert, aber nur in Ausnahmefällen realisierbar ist. Es ist aufwendig, mehr als ein Betriebssystem, ein Netzwerk, eine Datenbank und eine Entwicklungsumgebung am Laufen zu halten.

Es ist durchaus vorstellbar, daß in einem Unternehmen fast alle Fachtabteilungen mit Windows arbeiten - zumal sich auf dieser Stufe Fehlentscheidungen ohne allzu dramatische Kosteneffekte revidieren lassen. Eine unternehmsweite Windows-Umgebung ist in größeren Unternehmen jedoch kaum vorstellbar.

Das Scheitern der IBM an dem Ziel, die Anwender rundum mit eigenen Produkten zu beglücken, hat viele Anwender gelehrt, daß Heterogenität nicht nur Mühe bedeutet, sondern auch Herstellerunabhängigkeit. Viele True-Blue-Shops hatten vor fünf Jah-ren heftig damit zu ringen, daß ihr Lieferant den Unix- und Client-Server-Trend verschlafen hatte.

Das bedeutet nicht, daß die Verfechter von Corba uneigennützigere Ziele verfolgen als Microsoft, nur weil sie realistischerweise die Integration heterogener DV-Techniken anstreben. Die Technik wird auch benutzt, um den Konkurrenten Microsoft von der Unternehmens-DV fernzuhalten. Eine Zeitlang haben Anbieter wie die IBM sogar versucht, in die Microsoft-Domäne einzudringen, indem sie ihre Corba-Implementierung System Object Model (SOM) auf alle Desktop-Plattformen portiert haben. Auf Macintosh-Rechnern gehört die 184 KB kleine Erweiterung nach wie vor zum Funktionsumfang des Betriebssystems.

Erfolgversprechender erscheint jedoch die Verschmelzung von Corba mit Java, einer Technik, die sich zugleich als Programmiersprache, als Ablaufumgebung für Anwendungen und als plattformunabhängiges Miniprogramm (Applet) einsetzen läßt. Technisch hat Java an sich nichts mit Corba zu tun - auch wenn immer mehr Corba-Implementierungen damit programmiert werden.

Die Konzepte ergänzen sich jedoch hervorragend, da beide für die Integration heterogener Umgebungen konzipiert sind. Die Sprache zieht zudem die Aufmerksamkeit der Entwickler auf sich, so daß sich der Vorteil des einheitlichen Microsoft-Programmierkonzepts für Active-X-Komponenten und DCOM-Middleware gegenüber Corba in dem Maße verringert, als Visual-Basic-Programmierer auch Java einsetzen.