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04.01.2005 - 

Kolumne

Microsoft: Ein Urteil mit Folgen

Wieder einmal hat Microsoft eine juristische Schlappe erlitten. Das europäische Gericht erster Instanz schmetterte den Antrag ab, die von der EU-Kommission verhängten Auflagen vorerst auszusetzen (siehe Seite 1). Und wie so oft in den vergangenen Jahren, wenn es um kartellrechtliche Fragen ging, melden sich Kritiker zu Wort: An der Marktmacht des Softwaremultis, an den umstrittenen Geschäftspraktiken, die seine dominierende Marktstellung erst ermöglichten, werde sich dadurch wenig bis nichts ändern.

Beispiel Media Player: Zwar muss Microsoft in Europa eine Windows-Version ohne die Medienabspielsoftware auf den Markt bringen. Doch das Gericht schreibt dem Hersteller nicht vor, dafür einen niedrigeren Preis zu verlangen. Welcher Kunde aber würde ein abgespecktes Windows kaufen, wenn er für das gleiche Geld eine voll ausgestattete Version erhält, fragen die Skeptiker zu Recht.

Trotzdem könnte der Beschluss von Gerichtspräsident Bo Vesterdorf Präzedenzwirkung entfalten: Die Auflage, eine Anwendungssoftware vom Betriebssystem zu trennen, rüttelt an einem Grundpfeiler von Microsofts Geschäftsstrategie. Mit Hilfe des berüchtigten Bundling von Windows mit diversen anderen Programmen und Funktionen hält der US-amerikanische Konzern die Konkurrenz seit Jahren in Schach. Das prominenteste Beispiel lieferte Netscape mit seinem Browser Navigator. Dessen Marktanteil stürzte von 80 auf weniger als zehn Prozent, nachdem Microsoft den Internet Explorer mit Windows gekoppelt hatte.

Im spektakulären US-Kartellprozess kam Microsoft mit diesem Vorgehen davon. Nach einem außergerichtlichen Vergleich ließen die Kläger den Vorwurf der illegalen Kopplung von Produkten ("Tying") fallen. Stattdessen wurden dem Konzern vegleichsweise milde Sanktionen auferlegt - ein nahezu vollständiger Sieg der Gates-Company, wie etliche Kritiker seinerzeit kommentierten. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass Microsoft auch in Europa auf eine gütliche Einigung setzt.

Die EU-Wettbewerbshüter zeigen sich entschlossen, einen anderen Weg zu gehen. Das Urteil des Gerichts erster Instanz unterstützt ihre Linie: Mögen die unmittelbaren Folgen der Sanktionen auch minimal sein, so muss Microsoft doch damit rechnen, dass die europäische Justiz bei künftigen Betriebssystem-Erweiterungen genau hinschaut. Das gilt auch für Geschäftsfelder, in die der Konzern derzeit fieberhaft investiert. Wenn etwa Antivirus-Programme oder Suchfunktionen eines Tages als integrale Bestandteile von Windows daherkommen, dürften die Kartellwächter erneut intervenieren.