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30.06.2000 - 

In Redmond heißt bald alles .Net

Microsoft entwirft Masterplan für das Web

MÜNCHEN (wm) - Lange Zeit hat Microsoft an verschiedenen Internet-Fronten gekämpft - bisher fehlte jedoch eine übergeordnete Strategie. Das ist nun anders: Der Softwaregigant hat mit Microsoft.Net eine neue, alles integrierende Internet-Plattform angekündigt. Allerdings bleiben viele Fragen offen.

Die Net-Initiative von Microsoft ist eine Antwort auf Suns erfolgreiche Werbekampagne "Dot.Com". Bei Microsoft heißt es jedoch mit Bezug auf den Wettbewerber: "Wir sind nicht nur ein Punkt, wir sind das Netz."

Waren bei Microsoft bisher alle Strategien auf Windows ausgerichtet, so soll in Zukunft eine breite Palette von Software und Services auf einer einheitlichen Internet-Plattform basieren. Anlässlich der Präsentation der Initiative am 22. Juni kündigten Bill Gates, Steve Ballmer und weitere Führungskräfte eine ganze Palette neuer Produkte und Dienstleistungen an, die in den nächsten Monaten und Jahren erscheinen sollen. Gates möchte das Internet in eine große Entwicklungs- und Serviceplattform verwandeln, von der aus Dienste für verschiedenste Geräte wie PCs, Smartphones oder persönliche digitale Assistenten (PDAs) bereitgestellt werden können.

Als erstes Dot-Net-Produkt wird die nächste Version des Entwicklerpakets "Visual Studio.Net" erwartet. Darin wird auch das Produkt enhalten sein, das im Rahmen der .Net-Kampagne das meiste Aufsehen erregt hat: Microsofts neue Programmiersprache "C#", gesprochen "C sharp". Die objektorientierte Sprache ist von C und C++ abgeleitet und soll die Entwicklung von Anwendungen und Komponenten für die .Net-Plattform erleichtern.: C# soll für geschäftliche Anwendungen optimiert sein, was unter anderem mit einer durchgängigen XML-Unterstützung unterstrichen wird.

Viele Beobachter hatten erwartet, dass Microsoft seine neue Sprache als Antwort auf Java positioniert. Einige Parallelen sind tatsächlich vorhanden. So sollen Programme beispielsweise in einen Bytecode kompiliert werden, der auf der Zielplattform eine virtuelle Maschine als Ablaufumgebung benötigt. Allerdings dürfte sich Microsoft wie gewohnt auf die Windows-Welt beschränken.

Für das nächste Jahr ist das passende Betriebssystem Windows.Net angekündigt, über das allerdings kaum technische Details bekannt gegeben wurden. Es dürfte sich aber aller Wahrscheinlichkeit nach um ein überarbeitetes System aus der bestehenden Produktpalette mit veränderter Benutzeroberfläche handeln. Immerhin gab Steve Ballmer an, dass Windows.Net kein Service sei, sondern mit Services verknüpft werden wird.

Microsoft zeigt sich weiterhin zögerlich, was neue Software-Geschäftsmodelle betrifft. Den Ankündigungen zufolge wird einzig Office.Net in den nächsten ein bis zwei Jahren als Service über das Web auf der Basis monatlicher Gebühren angeboten. Ballmer beteuerte allerdings, dass die herkömmlichen Office-Pakete auch in den nächsten Jahren wie bisher erworben werden könnten.

Als weitere wichtige Bestandteile der .Net-Plattform hat Microsoft "Building Blocks" angekündigt. Damit sind Web-basierende Services gemeint, die Microsoft hostet und Web-Dienstleistern und Inhalteanbietern zur Verfügung stellt. Der erste, bereits bestehende Dienst dieser Art ist der "Microsoft Passport", der der Authentifizierung von Anwendern dient. Weitere angekündigte Building Blocks sind Arbeitsgruppen-Kalender, Benachrichtigungs-Dienste, ein Software-Upgrade-Dienst und ein Web-Suchdienst auf XML-Basis.

Die Ankündigungen erwecken den Anschein, dass Microsoft zumindest in Ansätzen von seiner monokulturellen Windows-Linie abrückt. Mit der Unterstützung plattformübergreifender Standards wie XML oder Soap erkennt das Unternehmen die Existenz alternativer Systeme an. Selbst Windows wird laut Ballmer nicht mehr eine so dominierende Rolle wie bisher spielen und nur noch Teil eines größeren Puzzles sein: "Windows wird nicht verschwinden, aber angesichts der vor uns liegenden Herausforderungen wird die .Net-Plattform das Programmiermodell der Zukunft, und Windows wird darin ein Bestandteil sein." Gleichzeitig machten aber Gates und seine Mitstreiter unmissvertändlich klar, dass die Anwender den vollen Nutzen der .Net-Plattform nur beim Einsatz von Microsoft-Produkten haben werden.

Die Softwareschmiede trug bei der .Net-Präsentation auch der sich ändernden Hardwarelandschaft Rechnung. Neben einem Pocket PC (ehemals Windows CE) zeigte Gates ein drahtloses Web-Pad und ein Windows-Handy. Das Mobiltelefon von Samsung ist ein weiterer Versuch der Kreuzung von PDA und Handy. Es ist mit dem "Internet Explorer" ausgestattet und verfügt über eine Windows-Taste. Beide Unternehmen wollen das Gerät nächstes Jahr auf den Markt bringen. Das auffallend dünne Web-Pad ist kurioserweise mit Windows 2000 ausgestattet, dank der neuen Darstellungstechnologie Cleartype soll es die visuelle Qualität von Magazinen mit der Handlichkeit von Notebooks kombinieren. Laut Gates werden Microsofts Hardwarepartner solche Lesegeräte im nächsten Jahr ausliefern.