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12.11.1998 - 

Unmutsäußerungen auf der Siemens-Anwendertagung

Microsoft erregt den Zorn professioneller Anwender

BONN (hv) - Eigentlich sollte auf der diesjährigen Anwenderkonferenz des Save Siemens Informationstechnik Anwenderverein e.V in Bonn primär vom vielbeschworenen Rezentralisierungstrend die Rede sein. Tatsächlich gerieten andere Themen in den Vordergrund - allen voran die unrühmliche Rolle von Microsoft im professionellen IT-Betrieb.

Zunächst lief die Podiumsdiskussion nach Plan. Angeregt unterhielten sich die Diskutanten über die nicht vorhandenen übergreifenden IT-Architekturen in den Unternehmen, den Wildwuchs in den Abteilungen und die ausufernden Kosten. Da zerstörte eine Frage aus dem Publikum die Idylle, gestellt von Winfried Hahn, Hochschullehrer an der Universität Passau und Save-Vorstandsmitglied.

Hauptverursacher der meisten IT-Probleme, so Hahn, sei das Betriebssystem. Siemens erziele derzeit wie die meisten anderen Hersteller enorme Zuwächse beim Verkauf von Rechnern mit Windows NT. Dabei wisse jeder, daß Microsoft in puncto Qualität ein "erbärmlicher Partner" sei.

An Robert Hoog, bei Siemens Leiter des Geschäftsgebiets Computersysteme im IuK-Bereich Produkte, richtete Hahn die Fragen: "Warum kalkuliert Siemens mit einem hohen Wachstum für NT, obwohl es sich um kein hochwertiges Produkt handelt? Läge es nicht in Ihrer Verantwortung uns Kunden gegenüber, Microsoft zu mehr Qualität zu zwingen? Sie könnten Microsoft damit drohen, kein NT-System mehr auszuliefern, weil Sie es ihren Kunden gegenüber nicht verantworten können!"

Hoog versicherte in seiner Replik, die Münchner brächten Microsoft gegenüber schlechte Erfahrungen mit Produkten "sehr deutlich zur Sprache". Allerdings sei Siemens nur "ein Unternehmen von vielen, die mit Microsoft reden". Wolle man in puncto Qualität Fortschritte erzielen, müßten sich die Hardware-Anbieter einig sein und gemeinsam vorgehen. Hoog forderte die anwesenden Anwender auf, ihre Sorgen mit Microsoft-Produkten Siemens mitzuteilen, man werde das Gespräch mit der Softwareschmiede suchen.

Klaus Stöcker, Vertriebs- und Marketing-Leiter der Compass Deutschland GmbH in Wiesbaden, wollte dem Siemens-Manager zur Seite springen; mit seiner Argumentation erwies er Hoog jedoch einen Bärendienst: "Siemens allein ist nicht stark genug, um Microsoft auf die Finger zu klopfen." In Europa seien die Münchner nur die Nummer sechs unter den PC-Lieferanten.

"Es wäre für Siemens schlecht, zu meckern, wenn sich die anderen nicht ebenfalls wehren." Stöcker forderte Hoog auf, eine Allianz mit den führenden PC-Lieferanten zu schließen, um Microsoft eine höhere Produktqualität abzuringen - ein Vorschlag, den der Siemensianer mit dem Hinweis ablehnte, das seien ja Wettbewerber.

Luis Praxmarer, Geschäftsführer der deutschen Filiale der Meta Group, sieht die Ursache für Microsofts allseits kritisierte unterdurchschnittliche Produktqualität im Geschäftsmodell begründet. Der Softwaregigant bediene traditionell den Massenmarkt und sei nur über seine Akzeptanz bei Endanwendern in das professionelle Marktsegment eingedrungen.

Die Gates-Company habe es geschickt vermieden, Großkonzerne mit einer Einkaufsmacht in Milliardenhöhe gezielt anzusprechen, so daß von solchen Firmen kaum Anforderungen gestellt und Druck gemacht werden könne.

"Am liebsten hätte Microsoft eine Milliarde Kunden, von denen jeder ein paar Dollar ausgibt", so Praxmarer. "Damit kann man gutes Geld machen, ohne sich wirklich um seine Kunden kümmern zu müssen." Praxmarer betonte aber auch, daß Microsoft sich wandle und nun gemeinsam mit Partnern das Thema Qualität im NT-Umfeld angehe.

Nach Abschluß der Podiumsdiskussion unterhielten sich die anwesenden Anwender eifrig weiter. Schuld treffe auch die Softwarehäuser, allen voran die SAP AG, so der Tenor. Die Walldorfer empfählen die Installation der betriebswirtschaftlichen Standardsoftware R/3 fahrlässigerweise auf völlig instabilen Microsoft-Produkten.

"Was nützt mir eine R/3-Installation auf einem NT-Rechner mit einer produktiven Verfügbarkeit von 70 bis 80 Prozent", erregte sich ein Teilnehmer. Er forderte die Softwerker auf, sich weniger daran zu orientieren, wo Ressourcen aufgebaut wurden. Statt dessen sollten die Interessen der Kunden im Vordergrund stehen.