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26.09.2005

Microsoft gibt bei Testversionen Gas

Eric Tierling, Master in Information Systems Security Management (Professional), blickt auf über 25 Jahre Erfahrung im IT-Bereich zurück. Neben Hunderten an Fachbeiträgen hat er über 50 Bücher veröffentlicht. Er ist Spezialist für Themen rund um die Informationssicherheit sowie einer der bekanntesten Experten Deutschland für Windows Server und Microsoft-basierte Infrastrukturen.
Selten genoss Microsofts Professional Developers Conference (PDC) so viel Aufmerksamkeit. Mit Office 12, Windows Vista und Longhorn-Server stehen bedeutende technische Neuheiten vor der Tür.

Von Eric Tierling*

Mehr zum Thema,www.computerwoche.de/go/

*81325: Entwicklungs-Tools für Ajax;

*81307: Ausblick auf Sicherheits-Features für Longhorn;

*81186: Microsoft präsentiert Workflow-Engine;

*81154: Gates verspricht gute Geschäfte.

Weiterführende Links:

- Windows Vista-Produktinformationen:

www.microsoft.com/germany/windowsvista;

- Windows-Vista-Informationen für Entwickler:

msdn.microsoft.com/windowsvista;

- Microsofts Gadget-Website: www.microsoftgadgets.com;

- Office "12":

www.microsoft.com/office/preview;

- Expression-Produktfamilie:

www.microsoft.com/products/expression;

- Windows Server 2003 R2:

www.microsoft.com/WindowsServer2003/R2;

- Windows Server Compute Cluster Edition:

www.microsoft.com/windowsserver2003/hpc.

Exchange E12 ist nicht abwärtskompatibel

Das Exchange-Team von Microsoft gibt auf seinem Weblog einen Ausblick auf die Schnittstellen des Messaging-Systems in den nächsten Versionen. Beginnend mit der Ausführung, die unter dem Codenamen E12 für nächstes Jahr angekündigt ist, soll der Schwerpunkt auf Web-Service-Interfaces liegen. Dies betrifft vor allem den Zugriff auf Informationen in Exchange-Datenbanken. Für die Verarbeitung von Mails, die in den Server gelangen oder von dort hinausgehen, sieht Microsoft .NET-Code ("Managed Agents") vor. Die Verwaltung des Systems sollen primär Scripts ("cmdlets") für die neue Windows-Shell namens "Monad" übernehmen.

Im Zuge dieser Neuausrichtung gibt Microsoft eine Reihe bisher angebotener Interfaces auf. Einige davon sollen in E12 noch unterstützt und im Rahmen des üblichen "Support Lifecycle" zehn Jahre lang verfügbar sein. Diese Programmierschnittstellen (APIs) werden in der Sprachregelung von Microsoft "weniger betont" ("de-emphasized"). Dazu zählen die Funktionen das Collaborative Data Object (CDO), einer mit Exchange ausgelieferten COM-Komponente, der Zugriff via OleDB und WebDAV.

Daneben kündigte das Exchange-Team aber auch an, dass es mehrere der bisher vorhandenen APIs bereits in E12 nicht mehr unterstützt. Dazu zählt etwa die mit Exchange 2000 eingeführte Möglichkeit, Ordner der Mail-Datenbank als Windows-Laufwerk freizugeben. Auf der Strecke bleiben zudem die "Windows Management Instrumentation Provider" (WMI) für das System-Management sowie Web-Forms, die auf ASP.NET beruhen. Anwendungen, die auf diese oder weitere aufgelassene Schnittstellen zugreifen, werden nach Auskunft von Microsoft unter Exchange E12 nicht mehr funktionieren. (ws)

Wie für den Windows XP-Nachfolger selbst hat Microsoft auch für die tragenden Subsysteme von Windows Vista mittlerweile endgültige Bezeichnungen gefunden. "Windows Presentation Foundation", das einstige "Avalon", bildet dabei das Fundament zur Anzeige von Informationen, während "Windows Communication Foundation" (Codename "Indigo") die Grundlage für Service-orientierte Kommunikationsanwendungen legt. Beide werden ebenso wie das Managed-Code-Programmiermodell "WinFX" als Weiterentwicklung des .NET-Frameworks sowie der Win32-Programmierschnittstelle in Windows Vista enthalten sein. Das relationale Dateisystem "WinFS" hingegen hat zwar das Beta-Stadium erreicht, wird es jedoch nicht mehr in die finale Version von Windows Vista schaffen und zu einem späteren Zeitpunkt von Microsoft nachgereicht.

"Sidebar" wieder da

Zu einer anderen viel beachteten Neuerung zählte die Ankündigung von Bill Gates, Windows Vista doch mit der "Sidebar" auszustatten, die ihren Platz im rechten Bereich des Desktops findet. Sie wurde erstmals auf der letzten PDC im Jahr 2003 gezeigt und hat seitdem etliche Nachahmer zu entsprechenden Windows XP-Add-ons inspiriert. Im April dieses Jahres war die Sidebar-Leiste aus dem Longhorn-Build verschwunden. Doch jetzt hat Microsoft das Konzept kräftig erweitert: In der Sidebar von Windows Vista lassen sich Mini-Programme platzieren, die den Anwender in Echtzeit über Ereignisse auf dem Laufenden halten oder den Direktzugriff auf Funktionen und Anwendungen erlauben. Diese Mini-Programme - Microsoft spricht von "Gadgets" - sind keineswegs in der Sidebar-Leiste gefangen, sondern können auf Wunsch vom Anwender auf den Desktop gezogen und dort abgelegt werden.

Erfüllen die Gadgets bestimmte Kriterien, lassen sich diese mit dem zugehörigen Applet aus der Vista-Systemsteuerung sogar auf kleine, intelligente Zusatzdisplays beziehungsweise "Auxiliary-Displays" übertragen, wie es zum Beispiel die Firma Asus für einen Notebook-Prototyp gezeigt hat. Sogar bei zugeklapptem Bildschirm kann der Anwender wichtige Informationen (etwa: In welchem Raum findet das nächste Meeting statt?) schnell abrufen, ohne dafür das Notebook aufklappen und starten zu müssen. Je nach Gadget lassen sich die Mini-Programme auf dem kleinen Zusatzdisplay auch dann nutzen, wenn das Notebook ausgeschaltet ist.

Vorabversionen im Monatstakt

In der Pre-Beta 2 von Windows Vista mit der Build-Nummer 5219, die alle PDC-Teilnehmer erhielten, war die Sidebar-Funktionalität jedoch noch nicht freigeschaltet. Bis zur Beta 2 des Windows XP-Nachfolgers, die Insider noch für dieses Jahr erwarten, will Microsoft dies aber nachholen. Vista Beta 2 wird zudem auch mit deutscher Oberfläche verfügbar sein.

Microsoft legt jetzt generell Tempo zu: Künftig sollen aktualisierte Vista-Vorabversionen nahezu im Monatsrhythmus in Form von so genannten Community Technology Previews (CTPs) erscheinen, um Einblicke in die fortlaufende Entwicklung des Produkts zu gewähren. Demnach soll Ende Oktober die nächste Vista-CTP-Version veröffentlicht werden. Zugriff auf die CTPs von Windows Vista erhalten neben den technischen Betatestern auch alle Abonnenten von MSDN (Microsoft Developers Network) sowie von Microsoft Technet. Allerdings entspricht ein CTP immer nur einem Zwischenstatus, der nicht die Qualität eines ausgewachsenen Beta-Release erreicht.

Office 12: Leichtere Bedienung

Ferner nutzte Microsoft die PDC für erste Präsentationen des neuen Büropakets, das noch den Codenamen "Office 12" trägt. Eine der wichtigsten Veränderungen stellt die vereinfachte Handhabung dar, denn die meisten von Microsoft befragten Kunden seien zwar mit den Funktionen von Office 2003 zufrieden, wünschten sich aber, diese leichter bedienen zu können. Die klassischen Menü- und Symbolleisten werden daher in Office 12 so genannten Tab-Reitern weichen, die bei ihrer Anwahl weitere, aufgabenorientierte Tab-Reiter dynamisch einblenden.

Kleine Verbesserungen mit großer Wirkung scheint auch das Motto für andere Office-12-Entwicklungen zu sein. Mit dem Dokumenten-Inspektor beispielsweise lassen sich alle Anmerkungen, Kommentare etc. in einem Word-Dokument per Mausklick binnen Sekunden entfernen. In Excel 12 ist es möglich, die Spitzen-, Mittel- und niedrigsten Werte einer Tabelle mit wenigen Mausklicks farblich zu kennzeichnen. In gleicher Manier gestattet es Powerpoint, aus einer simplen Liste von Einträgen eine anschauliche Foliengrafik zu kreieren.

Office-12-Server geplant?

Ein anderer Schwerpunkt von Office 12 ist die enge Zusammenarbeit mit dem neuen "Sharepoint v3", der auf der PDC immer wieder als "Dokumenten-Management-Server" bezeichnet wurde. Noch stärker als die heutigen Windows Sharepoint Services von Windows Server 2003 dürften Office 12 und Sharepoint v3 damit als Dreh- und Angelpunkt für das Document-Lifecycle- und Enterprise-Content-Management dienen.

Rund um Sharepoint scheint der Hersteller noch weitere Office-12-Server scharen zu wollen: Während einer PDC-Vorführung zeigte Microsoft zum Beispiel, wie Infopath-Fomulare am Arbeitsplatz-PC von einem Dokumenten-Management-Server direkt per Webbrowser abgerufen werden. Einen weiteren Hinweis auf eventuelle Office-12-Server lieferte eine Demonstration der für das nächste Jahr vorgesehenen "Compute Cluster Edition" von Windows Server: Hierbei führte ein Server-Cluster Berechnungen in einer Excel-Tabelle durch, deren Ergebnis ein Webbrowser auf dem Client anzeigte. Auf konkrete Aussagen in Bezug auf Office-12-Server-Produkte wollte sich Microsoft allerdings nicht einlassen.

Gestaltung der Oberflächen

Relativ klar ist dagegen: Frontpage wird zum Sharepoint-Designer-Tool umgebaut, während der "Quartz Web Designer" dessen Nachfolge als Gestaltungs-Tool für Web-Seiten antritt. Quartz gehört zur ebenfalls auf der PDC vorgestellten "Expressions"-Produktfamilie, die zudem das Bitmap- und Vektorgrafik-Programm "Acrylic Graphic Designer" sowie den "Sparkle Interactive Designer" umfasst. Letzterer gestattet die einheitliche Gestaltung von Benutzeroberflächen für Anwendungen, die das Windows-Presentation Foundation-Subsystem verwenden und für unterschiedliche Endgeräte (Desktop-PC, Smartphone etc.) vorgesehen sind.

Neues von der Server-Front

In Sachen Windows-Server hatten die Redmonder den "Windows Server 2003 R2" im Gepäck, der noch kurz vor Jahresende auf den Markt kommen soll. Er offeriert Verbesserungen unter anderem bei der Administration mehrerer Außenstellen und verfügt mit MMC 3.0 über eine erweiterte Fassung der Microsoft Management Console, die jetzt auch .NET-Applikationen unterstützt.

Nach der bereits angesprochenen Compute Cluster Edition, die auf den technisch-wissenschaftlichen Einsatz zielt und Rechencluster mit bis zu 256 Systeme (jeweils zwei oder vier CPUs pro System) unterstützt, soll 2007 "Longhorn Server" fertig gestellt sein. Er besitzt einen wesentlich modulareren Aufbau als der heutige Windows Server 2003. Das Basis-Set von Longhorn (als "Core" bezeichnet) besteht nur aus grundlegenden Diensten für Networking, Sicherheit, Active Directory und zur Verwaltung, es beinhaltet keine grafische Benutzeroberfläche. Diese ist vielmehr zusammen mit anderen Funktionen wie etwa den Terminaldiensten erst in der erweiterten Konfigurationsstufe von Longhorn Server zu finden, die Microsoft "Core Plus" nennt.

Das gleiche Prinzip legt der Hersteller auch dem Web-Server IIS 7 (Internet Information Services) von Longhorn zugrunde. Die bislang auf das lokale System zugeschnittene Metabase-Konfiguration von IIS wird dann durch eine Web-Konfigurationsdatei abgelöst, auf die die Server einer Web-Farm gemeinsam zugreifen können. Jeder Web-Server verwendet nur die Dienste, die für die jeweilige Site benötigt werden, was höhere Performance, leichtere Wartung und mehr Sicherheit zur Folge hat. (ue)

*Eric Tierling ist IT-Fachjournalist und Buchautor in Leichlingen.