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24.01.2003 - 

Regierungen können Windows-Sourcecode einsehen

Microsoft hat 120 Tage für die Java-Integration

MÜNCHEN (CW) - Microsoft wird Suns Java Virtual Machine spätestens in 120 Tagen zusammen mit Windows ausliefern. Außerdem hat der Softwareriese bekannt gegeben, Regierungen könnten Einblick in den Windows-Code erhalten.

Bereits Ende Dezember hatte US-Bezirksrichter Frederick Motz während einer Anhörung Sun gute Chancen eingeräumt, den Rechtsstreit mit Microsoft über die Java-Intergration in Windows zu gewinnen. Er forderte beide Parteien auf, sich auf einen Modus zu einigen, wie die Bündelung einer von Sun autorisierten Version der Java Virtual Machine (JVM) mit Windows und dem "Internet Explorer" umgesetzt werden könnte. Doch eine Einigung kam nicht zustande. Microsofts Rechtsbeistand Steven Holley wollte einen 180 Tage umfassenden Fahrplan aushandeln. Im ersten Schritt hätte Microsoft dann binnen 30 Tagen die JVM zum Download via Web anbieten können. Nach weiteren 30 Tagen sollte das Programm an PC-Hersteller ausgeliefert werden, und nach insgesamt 180 Tagen hätte ein entsprechendes Windows XP Service Pack zur Verfügung stehen können. Sun dagegen forderte einen Zeitrahmen von nur 90 Tagen. Microsoft wolle die Java-Integration verschleppen, um die Marktposition seiner Konkurrenztechnologie .NET zu stärken.

"Ich kann meine Zeit nicht mit ständigen Anhörungen verbringen", erklärte Richter Motz am Mittwoch vergangener Woche und setzte seine "Must-carry"-Direktive auf 120 Tage fest. Für Microsoft gab es allerdings noch offene Fragen in dem sehr allgemein gehaltenen Wortlaut der Anweisung.

Ein Problem sei zum Beispiel, dass Sun Java in neun Sprachen herausgibt, Windows aber in 34 Sprachversionen vertrieben wird. Folglich müsse Sun dazu verpflichtet werden, seine Virtual Machine in die fehlenden Sprachversionen zu übersetzen.

Trotz dieser Differenzen scheint nun eine Einigung in Sicht. Vertreter beider Parteien verständigten sich in den vergangenen Tagen auf ein Vorgehen, wie Microsoft der richterlichen Verfügung nachkommen kann. Details dazu wollen Sun und Microsoft jedoch erst bekannt geben, sobald das bei Gericht eingereichte Papier von Motz abgesegnet ist.

Eine andere Front, an der Microsoft derzeit seine Dominanz gefährdet sieht, ist das Umfeld von Regierungen und internationalen Institutionen. Dort treffen die Redmonder in jüngster Zeit auf eine wachsende Akzeptanz von Open-Source-Software, was sich in einigen Staaten als öffentlich angekündigte Linux-Unterstützung widerspiegelt.

Windows: Einblick für Behörden

Um dem entgegenzuwirken, hat Microsoft jetzt das Government Security Program (GSP) vorgestellt. Damit sollen Regierungsbehörden und Institutionen künftig einen permanenten Einblick in den Quellcode und die Entwicklung von Windows erhalten, um eigene Sicherheitslösungen etwa im Bereich Kryptografie zu implementieren. Betroffen sind die Windows-Versionen 2000, XP, Server 2003 und CE. Die Nato und Russland seien dem Programm bereits beigetreten, weitere 20 Regierungen und Organisationen haben Interesse bekundet.

Die Initiative hat allerdings klare Grenzen: Der Code darf schon aus Gründen der Produkthaftung weder modifiziert noch kompiliert werden. Hier setzen die Kritiker an und verweisen auf die Möglichkeiten, die zum Beispiel Sicherheitslösungen für Linux oder quelloffenes BSD-Unix bieten. Bereits im Jahr 2001 hatte Microsoft unter der Bezeichnung "Shared Source" eine ähnliche, aber deutlich eingeschränktere Initiative für Universitäten und Unternehmenskunden ins Leben gerufen. (ue)