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12.11.1998 - 

Vertrauliches Papier diskutiert Gegenmaßnahmen

Microsoft hat Angst vor Linux

MÜNCHEN (CW) - In einer internen Studie, die nun an die Öffentlichkeit gelangte, analysieren Microsoft-Manager Open-Source-Produkte. Sie sehen darin besonders für ihr Server-Geschäft eine ernsthafte Konkurrenz und diskutieren Maßnahmen, um die Freeware-Bewegung zu neutralisieren.

Nachdem sich Microsoft trotz der anhaltenden Freeware-Euphorie bisher nicht öffentlich zu diesem Phänomen geäußert hatte, belegt das Strategiepapier, daß sich der Softwareriese intern sehr wohl mit der von dem Trend ausgehenden Bedrohung beschäftigt. Es gelangte Anfang November an die Öffentlichkeit, kurz darauf wurde dem prominenten Open-Source-Vertreter Eric Reymond ein weiteres, auf Linux bezogenes Memo zugespielt. Microsoft bestätigte mittlerweile die Urheberschaft beider Studien, die unter www.opensource.org abrufbar sind.

Der Verantwortliche für das Dokument, Produkt-Manager Vinod Valloppillil, bezeichnet Linux als ein Betriebssystem, das die besten Unix-Features auf sich vereinige. Im Gegensatz zu Vorurteilen einiger Analysten sieht er darin kein Hacker-Spielzeug, sondern eine Software, die ihre Qualität bei kritischen Einsätzen bewiesen habe.

Das Papier ortet in dem freien Operating System "eine direkte, kurzfristige Bedrohung für Microsofts Umsätze und Plattform". Allerdings könne der Unix-Clone vorerst die Desktop-Dominanz von Windows nicht in Frage stellen. Sorgen bereitet den Autoren des Dokuments vielmehr die wachsende Popularität von Linux auf dem Server und die zunehmende Unterstützung durch kommerzielle Software-Anbieter. Am Back-end müssen Computersysteme nicht gleichzeitig einer Vielzahl unterschiedlicher Aufgaben gerecht werden wie am Client.

Im wachsenden Markt für "Thin Server", die spezifische Aufgaben wie Datei- und Druckdienste, Mail-Weiterleitung oder Verschicken von Web-Seiten wahrnehmen, habe Linux gute Wachstumschancen - vor allem auch deshalb, weil viele dieser Server-Dienste unentgeltlich mit dem System ausgeliefert werden. Die Verfasser befürchten, daß sich Konkurrenten wie Oracle dieses Modell zu eigen machen und Linux als kostenlose Laufzeitumgebung für ihre Server-Produkte nutzen könnten.

Zur Abwehr der Open-Source-Bedrohungen empfehlen die Autoren zum Teil drastische Maßnahmen. Dieser Abschnitt der Analyse widerspricht Vermutungen, die Gates-Company habe die beiden Papiere absichtlich in Umlauf gebracht, um Linux gegenüber dem Justizministerium zum starken Konkurrenten zu stilisieren. Die harmloseren Vorschläge beschränken sich darauf, Teile des Windows-Codes - beispielsweise den TCP/IP-Stack - freizugeben und so die Aufmerksamkeit von Freeware-Programmierern darauf zu lenken. Die Vorschläge gipfeln in dem Planspiel, Standardprotokolle des Internet wie den Domain Name Service (DNS) proprietär zu erweitern, so daß Freeware-Entwickler keinen Zugang mehr zu deren Spezifikationen haben.