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09.11.2001 - 

Kolumne

"Microsoft hat den Sieg vor Augen"

Martin Ottomeier Redakteur CW

Wenn der Kompromiss zwischen dem US-Justizministerium und Microsoft zustande kommt, gibt es nur einen Verlierer: die Anwender. Das Papier enthält nämlich nichts, was Microsofts Bestreben, sein Monopol auszunutzen und auf andere Bereiche zu übertragen, Einhalt gebieten könnte. Auch künftig darf Microsoft beliebige Programme in sein Betriebssystem integrieren und damit Konkurrenz vom Markt fegen, wie es das Unternehmen im Bereich der Web-Browser mit Netscape erfolgreich praktiziert hat. Real Networks dürfte das nächste Opfer sein: Mit dem in Windows integrierten "Media Player" wird der "Real Player" überflüssig.

Überhaupt zeichnet sich der so genannte Kompromiss eher durch das aus, was er vermissen lässt, als durch die darin enthaltenen Regelungen. Zum Beispiel fehlt ein Schuldeingeständnis, dass Microsoft sein Monopol missbraucht hat - obwohl das Berufungsgericht diese Feststellung von Richter Jackson aus dem erstinstanzlichen Urteil ausdrücklich bestätigt hat. Eine Strafe für diese Verstöße ist dementsprechend ebenfalls nicht vorgesehen. Und das geplante Kontrollgremium wird kaum verhindern können, dass Microsoft gegen die Auflagen verstößt. Die einzige Sanktion, die für diesen Fall vorgesehen ist, besteht darin, dass die drei Möchtegern-Aufpasser zwei Jahre länger hinschauen dürften.

Selbst bei den angeblichen Beschränkungen hat Microsoft sich immer eine Hintertür offen gehalten: PC-Herstellern ist es nun erlaubt, Drittanbietersoftware auf ihren Rechnern vorzuinstallieren - aber nur, wenn keine technischen Gründe dagegen sprechen. Details von Windows müssen offen gelegt werden - aber nur, wenn die Sicherheit des Betriebssystems nicht gefährdet ist. Es ist kaum anzunehmen, dass Bill Gates, der frühere Vereinbarungen mit der US-Regierung über Gebühr ausgereizt, wenn nicht sogar dagegen verstoßen hat, diese Formulierungen nicht nutzen wird, um unliebsame Software von Windows fern zu halten.

Dass dieser Vergleich möglich ist, zeigt nur, dass die Bush-Regierung keineswegs zugunsten ihrer Bürger, sondern ausschließlich im Interesse Microsofts handelt. In einer Zeit wirtschaftlichen Abschwungs will man ein Unternehmen nicht schwächen, das in einem Marktsegment eine weltweit beherrschende Stellung einnimmt. Wirtschaftlicher Erfolg ist in den USA hoch angesehen, und selten wurden amerikanische Helden so sehr gebraucht wie jetzt. Der reichste Mann der Welt muss reich bleiben, um auch zukünftige Wahlkämpfe von Republikanern wie Demokraten großzügig finanzieren zu können. Die Zeche zahlt wie immer der Bürger - mit überhöhten Preisen für Windows und Office, zu denen es dank Microsofts Geschäftsgebaren keine Alternative gibt und nun auch nicht geben wird.