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19.12.1997 - 

Kolumne

"Microsoft hat ein Imageproblem"

Auf dem Microsoft-Campus in Redmond dürfte am vergangenen Freitag gedrückte Stimmung geherrscht haben. Mit einer so eindeutig gegen das eigene Lager gerichteten Entscheidung - auch wenn Richter Thomas Penfield Jackson nur ein vorläufiges Urteil gesprochen hat - haben sicher nur wenige Microsoft-Manager gerechnet. Dafür ist das Unternehmen bei früheren, ähnlich gelagerten gerichtlichen Auseinandersetzungen zu gut weggekommen.

Bill Gates wird sich nicht nur an der Tatsache stören, daß er Windows-Lizenznehmern den "Internet Explorer" künftig nicht mehr gleich mit unterjubeln kann. Um diesen Nachteil auszugleichen, werden seine Marketing- und Lizenzspezialisten sicher andere Wege finden. Die möglichen Konsequenzen für Windows 98 schmerzen da schon stärker. Schließlich droht bei Bestand des Urteils dem 95-Nachfolger das wichtigste Verkaufsargument abhanden zu kommen, falls Betriebssystem- und BrowserFunktionen entkoppelt werden müssen.

Doch abgesehen von den möglichen rechtlichen Konsequenzen ist im Moment für Gates der Image-Schaden das größte Problem. Jackson macht in seiner Urteilsbegründung zwei Dinge unmißverständlich klar: Erstens verfügt Microsoft über eine Monopolstellung im Betriebssystem-Sektor und könnte diese zweitens ausnutzen, um auch den Browser-Markt zu dominieren. Diese Gefahr scheint dem Richter zu groß, um sie auf Dauer zu tolerieren. Daß die Beherrschung des Browser-Marktes für Microsoft nur ein Vehikel ist, um das lukrative Internet-Zugriffs- und Transaktions-Business mit dem gleichen Geschäftsmodell anzugehen wie den Desktop-Sektor, steht zwar nicht in Jacksons Urteilsbegründung, läßt sich aber für Eingeweihte zum Beispiel am Java-Streit mit Sun ablesen.

Erschwerend kommt für Gates hinzu, daß Monopole bei allem Glauben an die Kraft des freien Marktes auch in den USA einen Hautgout haben, der hier genausowenig akzeptiert wird wie beim Thanksgiving-Truthahn. Dieser Negativ-Stempel - die Konkurrenten werden ihn weidlich nutzen - kann dazu führen, daß sich die Verbraucher beim Kauf von Microsoft-Produkten zurückhalten. Das gilt zumindest für solche, zu denen es noch Alternativen gibt, also nicht bei Desktop-Betriebssystemen, wohl aber im Internet-, Spiele- und eventuell auch im Enterprise-Sektor.