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19.05.1995

Microsoft-Intuit-Uebernahme wird am 26. Juni verhandelt Legte Gates dem Richter einen rauchenden Colt auf den Tisch?

MUENCHEN (CW) - Im Rechtsstreit US-Justizministerium contra Microsoft um die Zulaessigkeit der Uebernahme der Intuit Inc. hat US-District-Richter William Orrick den ersten Verhandlungstag auf den 26. Juni 1995 angesetzt.

Die rasche Abwicklung des Verfahrens sei, so Orrick, von oeffentlichem Interesse. Deshalb verfuegte der Richter, beide Parteien haetten hoechstens 45 Stunden Zeit, um ihre Argumentationen durch Belege, Zeugenaussagen etc. darzulegen. Experten rechnen, dass das Verfahren insgesamt etwa fuenf Wochen dauern wird.

Intuit bietet "Quicken" an, der mit 75 Prozent Anteil marktdominierenden Bankensoftware fuer den Privatbereich. "Money", Microsofts Konkurrenzprodukt, besitzt ein Marktsegment von sieben Prozent, rechnet man nach Umsatzanteilen, nach Stueckzahlen kommt die Gates-Software auf 22 Prozent. Nach Aussagen des US-Justiz- ministeriums belegen demgegenueber die Konkurrenzprodukte "Managing your Money" von H&R Block Financial und "Simply Money" von der Computer Associates (CA) weniger als zehn Prozent des Marktes.

Microsoft bestreitet offiziell vehement, dass es durch die Akquisition von Intuit bei Bankapplikationen eine marktdominierende Position gewinnen wuerde. Allerdings sind mittlerweile diverse Memos aus dem Hause des Softwareriesen aufgetaucht, die belegen, dass selbst Microsoft-Mitarbeiter dieser Version nicht zuneigen. Aus den Dokumenten geht auch hervor, dass man in Redmond nicht daran glaubt, durch den Verkauf von Money an Novell koenne man einen halbwegs ernstzunehmenden Wettbewerber aufbauen. Die Aufzeichnungen liegen offensichtlich dem Justizministerium vor. Das inspirierte prompt Spoetter zu dem Vergleich, Gates habe dem Gericht praktisch den noch rauchenden Revolver auf den Richtertisch gelegt und auch noch vergessen, seine Fingerabdruecke abzuwischen. Zitierte die Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal" den Antitrust-Rechtsanwalt Ray Jacobsen aus der Kanzlei Howrey & Simon in Washington, D.C.: "Wir beten unseren Klienten ein ums andere Mal vor: Schreibt um Gottes willen niemals irgendwo etwas auf, mit dem ihr zugebt, dass ihr Marktpreise diktiert oder eine dominante Position halten wuerdet."

Offensichtlich hat sich diese Maurertaktik in Redmond noch nicht herumgesprochen. Damit beweist Microsoft entgegen anderslautenden Vorwuerfen allerdings auch, dass sie eine Firma ist, die Offenheit durchaus zum Standard erhebt.