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31.10.2005

Microsoft kämpft um Zukunftsmärkte

Der Softwareriese will sich von Newcomern wie Google und Yahoo nicht unterkriegen lassen. Die dafür notwendigen Innovationen lassen aber auf sich warten.
() = Umsatz 01/05;Angaben in Millionen Dollar; Quelle: Microsoft Windows und Office bringen das Geld.
() = Umsatz 01/05;Angaben in Millionen Dollar; Quelle: Microsoft Windows und Office bringen das Geld.

Was mussten sich die Microsoft-Verantwortlichen in den vergangenen Monaten nicht alles an Kritik gefallen lassen. Der weltgrößte Softwarehersteller habe sich zu einem unbeweglichen Konzern entwickelt, Innovationen seien von der schwerfälligen Organisation kaum noch zu erwarten, und die verschiedenen Abteilungen wüssten nicht, an welchen Projekten die anderen arbeiteten.

Eine Legende wird 50

1955 William Henry Gates III wird am 28. Oktober in Seattle geboren.

1968 Auf der Lakeside School lernt er den späteren Microsoft-Mitbegründer Paul Allen kennen und kommt erstmals mit einem Computer in Kontakt.

1972-75 In Harvard entwickeln Gates und Allen eine Basic-Version für den Altair 8800, einen der ersten PCs.

1975 Gates verlässt Harvard und gründet mit Allen Microsoft, um Basic-Systeme für Computerfirmen zu entwickeln.

1981 Microsoft entwickelt auf Basis des zugekauften Q-DOS das Betriebssystem MS-DOS für IBM-Rechner.

1986 Microsoft geht an die Börse.

1987 Mit 31 Jahren wird Gates der jüngste Selfmade-Milliardär der US-Geschichte.

1988 Microsoft bringt seine erste Office-Suite heraus.

1994 Gates heiratet Melinda French, der heutige Microsoft-CEO Steve Ballmer ist Trauzeuge.

2002 Nach 25 Jahren als CEO zieht sich Gates von der Microsoft-Spitze zurück und überlässt Ballmer das Ruder. Als Chief Software Architect will er sich stärker um die Entwicklung kümmern.

2005 Die britische Königin Elizabeth II. schlägt Gates zum Ritter (Knight Commander of the Most excellent Order of the British Empire). Als Amerikaner bleibt ihm jedoch der Titel "Sir" verwehrt.

Bill Gates lebt heute mit seiner Frau und den drei Kindern Jennifer Katharine (1996), Rory John (1999) und Phoebe Adele (2002) in der Nähe von Seattle. Das "Forbes Magazine" schätzt das Vermögen des reichsten Mannes der Welt aktuell auf rund 46,5 Milliarden Dollar. In den Hochzeiten des Dotcom-Booms taxierten Experten den Microsoft-Gründer sogar auf 90 Milliarden Dollar. Ein erklecklicher Teil davon kommt der Bill & Melinda Gates Foundation zugute. Mit einem Budget von 28,8 Milliarden Dollar kümmert sie sich um kranke und benachteiligte Menschen. Ziel ist etwa die Entwicklung von Impfstoffen gegen Malaria, Tuberkulose und Aids.

Hier lesen Sie …

• wo Microsoft trotz glänzender Zahlen nicht vorankommt;

• welche Produktstrategie der Softwarekonzern verfolgt;

• wie sich das Unternehmen neu organisieren will.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/go/

*83161: Microsoft-Bilanz für Q1/06;

*83174: Bill Gates wird 50;

*81431: Microsoft baut Konzernstruktur um.

Doch die aktuellen Bilanzzahlen zeigen ein anderes Bild. Für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2006 meldete der Konzern einen Umsatz von 9,74 Milliarden Dollar, sechs Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Der Gewinn verbesserte sich sogar um 24 Prozent von 2,53 auf 3,14 Milliarden Dollar. Damit setzt sich die Reihe der erfolgreichen Quartale ungebrochen fort.

Für die Konzernzentrale in Redmond sind die Milliardengewinne allerdings längst Routine. Steve Ballmer und Bill Gates beobachten mit Sorge, wie einige Unternehmensbereiche - insbesondere die Internet-Sparte und das Geschäft mit Business-Software - nicht vom Fleck kommen. Einmal mehr sorgten die Segmente Client mit den Windows-Systemen, Server & Tools sowie Information Worker mit den Office-Produkten für den gesamten operativen Gewinn.

Hoffnungsträger Office 12 und Vista

Besagte Sparten bescherten dem Konzern im vergangenen Quartal mit 8,11 Milliarden Dollar 83 Prozent vom Gesamtumsatz. Auf absehbare Zeit wird sich daran nichts ändern: Mit dem Office-Release 12 und der Windows-Version "Vista", die beide im kommenden Jahr herauskommen sollen, sowie der für den 7. November 2005 angekündigten neuen Datenbankversion des SQL Server stärkt Microsoft seine klassischen Umsatzträger.

Um diese Abhängigkeit vom Stammgeschäft zu vermindern und neue Geschäftsfelder zu erschließen, muss Microsoft beweglicher agieren. Ende September dieses Jahres kündigten die Verantwortlichen an, die Organisation komplett umzukrempeln. Künftig soll es nur noch drei Geschäftsbereiche geben. Microsoft-Chef Steve Ballmer hofft, damit das Unternehmen flexibler aufzustellen und Entscheidungen zu beschleunigen. "Microsoft muss ständig innovativ sein", hatte der langjährige Weggefährte von Firmengründer Bill Gates erst kürzlich gefordert. Intensivere Forschung und Entwicklung seien der beste Weg, um der künftigen Konkurrenz wie Google oder Yahoo entgegenzutreten. Für die kommenden Monate kündigte Ballmer ein wahres Feuerwerk an neuen Produkten an.

Doch nicht nur den neuen Geschäftsbereichen soll Dampf gemacht werden, auch bei den traditionellen Gewinnbringern Windows und Office ist Sand im Getriebe. Allem Anschein nach tun sich die Microsoft-Entwickler schwer, die bereits heute mit einer Unzahl von Funktionen überfrachteten Softwareprodukte weiterzuentwickeln. Nie zuvor in seiner Firmengeschichte hatte sich Microsoft mehr Zeit für neue Releases seiner wichtigsten Produktlinien gelassen. Kommt Vista nächsten Sommer auf den Markt, steht der Vorgänger Windows XP bereits seit fünf Jahren in den Regalen. Microsofts Windows-Verantwortlicher Jim Allchin soll im vergangenen Jahr beinahe das Handtuch geworfen haben. "So wird das nicht funktionieren", zog er schon einen Schlussstrich unter die Vista-Entwicklung. Die Komplexität sei so groß, dass die Programmierer nie einen brauchbaren Windows-XP-Nachfolger stricken könnten. Erst auf gutes Zureden von Bill Gates machte Allchin weiter. Mit dem Marktauftritt von Vista im nächsten Jahr beendet der Microsoft-Manager allerdings seine Karriere.

Viele Anwender, die in Erwartung neuer Versionen einen Software-Assurance-Vertrag mit Microsoft geschlossen hatten, der ein kostenloses Upgrade auf die jeweils aktuelle Version erlaubt, fühlten sich über den Tisch gezogen. Paul DeGroot, Analyst bei Directions on Microsoft, rechnet aufgrund der schlechten Erfahrungen vieler Kunden, die keinen Gegenwert für ihre jährlichen Maintenance-Gebühren erhalten hatten, bereits mit dem Ende dieses Lizenzprogramms.

"Wir dürfen unsere Kunden nicht mehr so lange warten lassen", räumte auch Ballmer ein. Künftig werde es mehr Versionen in kürzeren Zeitabständen geben. Offenbar versuche Microsoft, die Anwender an ein regelmäßiges Wechselspiel von "Minor"- und "Major"-Releases zu gewöhnen, mutmaßt DeGroot. Die Kunst dabei sei es jedoch, auch genug neue Funktionen zu implementieren, die ein neues Release rechtfertigen.

Ballmer will von einem Mangel an Innovationsfähigkeit indes nichts wissen. Der Microsoft-Chef hat bereits die künftigen Herausforderungen ausgemacht. Aus seiner Sicht gilt es, gegen Internet-Stars wie Google und Yahoo anzutreten. "In den nächsten Jahren erobern wir das Internet", kündigte er großspurig an. Microsoft versucht seit geraumer Zeit, mit seiner Sparte MSN ein eigenes Portal- und Suchmaschinenangebot zu etablieren - bis dato mit überschaubarem Erfolg. Das Segment verbuchte im abgelaufenen Quartal einen Umsatz von 564 Millionen Dollar, gerade einmal fünf Millionen Dollar mehr als vor Jahresfrist. Der operative Gewinn von MSN verbesserte sich von 80 auf 83 Millionen Dollar.

Geht’s Google wie Netscape?

Auch wenn viele Ankündigungen der Shooting-Stars aus der Internet-Branche weniger von konkreten Produkten und Angeboten, sondern vielmehr von den Phantasien der Analysten getragen werden, steigt die Nervosität in Redmond. Als ein hochrangiger Microsoft-Mitarbeiter Ballmer informierte, er werde zu Google wechseln, soll dieser in einem Wutanfall Google-CEO Eric Schmidt wüst beschimpft und Stühle durch das Zimmer geschleudert haben.

Dabei zeigen die Erfahrungen aus der Microsoft-Geschichte, dass der Konzern, auch wenn er neue Entwicklungen verschläft und der Konkurrenz hinterherhecheln muss, dank seiner Hartnäckigkeit und seiner großen Finanzreserven am Ende doch das Rennen gewinnt. Der eigene Browser "Internet Explorer" und das Schicksal des Konkurrenten Netscape sind das beste Beispiel.

Firmengründer Gates zieht als Chairman und Chefentwickler im Hintergrund die Fäden. Durch neue Techniken und Märkte wie Indien und China ständen große Veränderungen bevor, kündigte der Pionier an, der vor wenigen Tagen seinen 50. Geburtstag feierte. Er selbst denke auch nach mittlerweile 30 Jahren Microsoft nicht ans Aufhören. Mindestens weitere zehn Jahre will er noch mitmischen.