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25.08.2000 - 

Studie soll positive Auswirkungen der Marktmacht belegen

Microsoft kauft sich erneut Expertenmeinung

MÜNCHEN (CW) - Mit einer gekauften Studie versucht Microsoft die angeblich positiven Auswirkungen seiner Marktmacht auf die deutsche Wirtschaft zu belegen. Der Mannheimer Linux-Verband Live bezeichnet die Untersuchung als absurd.

Einmal mehr spannt Microsoft vermeintlich neutrale Experten vor seinen Karren. Diesmal geht es um eine im Auftrag des Konzerns erstellte Studie der Unternehmensberatung m2c Prof. Perlitz & Partner in Zusammenarbeit mit der Universität Mannheim. Derzufolge wünschen sich die IT-Manager großer Unternehmen zwar mehr Wettbewerb, aber auch nicht zu viel.

Was das heißen soll, erläutern die Autoren in der Auswertung von Interviews und schriftlichen Befragungen von mehreren tausend Microsoft-Kunden sowie von "Experten und IT-Verantwortlichen". Danach bevorzugen die meisten der Befragten Standards, die von nur wenigen Anbietern kontrolliert werden. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse schätzten die Wissenschaftler in einem Simulationsmodell Microsofts Bedeutung für die deutsche Wirtschaft ein. Ergebnis: Ohne den Konzern mit seinen produktivitätssteigernden standardisierten Plattformen würde das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland um 30 Milliarden Mark niedriger liegen.

Die Stückkosten von Unternehmen würden anfangs um 2,7 Prozent steigen, dadurch sänken die Gewinne. Selbst der Preisindex, so die Studie, läge ohne Microsoft um bis zu 1,5 Prozent höher.

Thomas Uhl, zweiter Vorsitzender des Linux-Verbands Live, bezeichnete die Behauptung, ohne die breite Anwendung von Microsoft-Produkten würde das Bruttosozialprodukt um 30 Milliarden Mark sinken, als absurd. "Die Studie belegt lediglich, dass einheitliche Standards wichtig für die Produktivität in der IT sind", so Uhl in einer Stellungnahme.

Nur aus der Tatsache, dass Microsoft aufgrund seiner Dominanz derzeit in vielen Bereichen Standards vorgibt, zu folgern, ohne dieses Quasimonopol gebe es keine einheitlichen Standards, sei nicht sehr wissenschaftlich. Perlitz gebe mit dieser Schlussfolgerung ein trauriges Beispiel, wie leicht man mit einer irreführenden Fragestellung aus richtigen Daten falsche Schlussfolgerungen ableiten könne. Nach Meinung Uhls hätte die Frage lauten müssen: Welche Steigerung des Bruttosozialprodukts kann man erreichen, wenn man proprietäre Microsoft-Schnittstellen durch offene Standards ersetzt?

Die Gates-Company war bereits vergangenes Jahr durch vermeintlich neutrale Expertenmeinungen in die Kritik geraten. Im Juni 1999 erschien eine Anzeigenserie in der "New York Times" und in der "Washington Post". Darin bezogen 240 Wirtschaftsexperten, organisiert über die Vereinigung Independent Institute, in einem offenen Brief für die Position des Softwarekonzerns Stellung. Der Monopolprozess gegen den Hersteller schade dem Verbraucher, so der Tenor. Später stellte sich heraus, dass Microsoft die Kampagne mit rund 150000 Dollar finanziert hatte.