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07.07.1995 - 

Gastkommentar

Microsoft kontrovers (Teil 1)

Howard Anderson, Gruender von The Yankee Group und von Battery Venture Capital, Boston

Mit zwei gegensaetzlichen Beitraegen aus ihrer Schwesterpublikation "Computerworld" geht die CW auf die nicht nur amerikanische Diskussion ueber Microsoft ein: Kann der Markt, wie Howard Anderson glaubt, mit der maechtigen Gates-Company leben, oder sind die staatlichen Kartelljuristen aufgefordert, ein drohendes Monopol zu verhindern? Als Vertreter dieser Meinung kommt in CW Nr. 28 Martin Goetz, President von Goetz Associates in Teaneck, New Jersey, zu Wort.

Die Computerindustrie wird von einem Alptraum gepeinigt: Darin laeuft Microsoft-Software auf Microsoft-Computern in Netzwerken von Microsoft, die ueber Microsoft-Gateways Microsoft-Server miteinander verbinden. In diesem furchtbaren Traum gibt es keine Ueberlebenschance mehr fuer andere als Microsoft-Produkte.

Was viele Leute in der Computerindustrie am meisten aergert, ist nicht einmal, dass Bill Gates ihnen vom technologischen Wissen her ueberlegen ist. Es fuchst sie viel mehr, dass er der bessere Geschaeftsmann ist. Und zwar besser als alle anderen - egal ob es sich da um Andy Grove, John Sculley, John Akers, Scott McNealy oder Jim Manzi handelt.

Darum frage ich mich: Wollen Microsofts Antipoden Gates nur deshalb attackiert wissen, weil er das Spiel des freien Marktes einfach besser beherrscht?

In unseren ersten Oekonomiekursen haben wir gelernt, dass Monopole schlecht sind, Wettbewerb hingegen gut ist. Der freie Markt stellt dieser Auffassung zufolge eine Auspraegung des Darwinismus dar, der dafuer sorgt, dass die schlechtesten Produkte und Unternehmen untergehen. Die Demokraten entschieden dann, Groesse allein sei schon ein Indikator dafuer, dass etwas schlecht ist: Folglich schufen sie die Antitrust-Abteilung des Justizministeriums als Ordnungshueter.

Nun argumentiert aber Bruder Bill zu Recht, Microsoft stehe in puncto Groesse nur an 20. Stelle der Computerindustrie, sei somit von der Groesse her weder ausser Kontrolle geraten noch in der Lage, ein Monopol zu etablieren.

Wenn Microsoft ueberhaupt etwas monopolisiert hat, dann die Intelligenz. Die furchterregendste Vorstellung ist naemlich, dass Hunderte junger Bill-Gates-Clones mit geradezu goettlichen IQs in Redmond herumlaufen und sich in Ueberschallgeschwindigkeit ueber Cyberspace unterhalten. Will meinen, Microsoft baut eine Denk- und Talentschmiede auf, die die Computerindustrie in den kommenden 20 Jahren dominieren wird. Das verstoesst uebrigens gegen kein Wettbewerbsrecht.

Wer der Vorstellung anhaengt, die User und der Rest der Computer- und Software-Industrie koennten sich zum Kampf gegen Microsoft verbuenden, sollte besser noch einmal nachdenken. Anwender duerfte das sowieso nicht interessieren, solange sie bekommen, was sie wollen. Anwender wollen klare Marktverhaeltnisse, deshalb moegen sie Microsoft. Soll das Justizministerium also gegen die Marktverhaeltnisse und glueckliche Anwender ankaempfen?

Auch wenn die Behoerde nicht regulierend gegen Microsoft taetig wird, gibt es genuegend Dinge, mit denen sich Microsoft selbst Stolpersteine in den Weg legen koennte - Dinge, die etwas mit dem kleinen Einmaleins der Oekonomie zu tun haben.

Eine eiserne Regel lautet: Tritt niemals in Konkurrenz zu deinem Kunden! Viele Banken und Finanzdienstleister fragen sich seit neuestem: "Warum etablieren wir eigentlich Microsoft als unseren strategischen Lieferanten, wenn das Softwarehaus gleichzeitig eine auf Consumer ausgerichtete Home-Banking-Software zusammen mit einem Microsoft-Netz- und Online-Produkt anbietet, das in direkter Konkurrenz zu unserem Geschaeft steht?" Folgerichtig wollen sich viele Banken aus der Abhaengigkeit von Microsoft loesen.

Man sollte uebrigens eines nicht ausser acht lassen: Viele Habenichtse der Industrie wollen zwar Microsofts Partner sein, fuerchten aber andererseits, dass die Gates-Company zu machtvoll wird. Diese Haeuser werden sich auf Windows 95 konzentrieren, dabei aber Softwarefelder vermeiden, die der Moloch Microsoft schon belegt hat.

Wer also koennte Microsoft stoppen? Nur Microsoft selbst! Es wird von seiner eigenen Groesse behindert werden, wenn naemlich interne buerokratische Hemmnisse fuer Sand im Getriebe sorgen. Dann wird sich die Industrie an irgendeinen Ansatz anhaengen, der nur nicht ein Microsoft-Ansatz sein darf und dessen technologische Eleganz ausreicht, das Ueberleben zu sichern. Das ist die gute Nachricht! Die schlechte ist, dass Gates diese Gefahr schon erkannt hat.

Das fuehrt mich zu einer grundsaetzlichen Erkenntnis: Unternehmen sollten lernen, mit Microsoft einvernehmlich zu leben - auf dem Markt und nicht vor den Gerichten.