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07.12.2001 - 

Linux im Bundestag soll verhindert werden

Microsoft legt Quellcode für Behörden offen

MÜNCHEN (fn) - Der Softwarekonzern Microsoft hat angekündigt, dem Bundestag sowie dem Bundesinnenministerium Zugriff auf den Windows-Quellcode zu gewähren. Durch diese öffentlichkeitswirksame Aktion versucht der Hersteller zu verhindern, dass der Prestigekunde seine PCs mit Linux ausstattet. Aus der Betriebssystem-Entscheidung ist inzwischen ein Politikum geworden.

Durch das Offenlegen des Quellcodes könnten sich Experten selbst davon überzeugen, dass das Betriebssystem über keine versteckten Funktionen, etwa für Spionagezwecke, verfüge, so der Hersteller. Neben dem Sourcecode will Microsoft eigene Tools zur Verfügung stellen, mit denen sich der interne Ablauf von einzelnen Programmteilen nachvollziehen lasse. Somit werde auch ersichtlich, ob und in welchem Umfang Windows Daten übermittelt.

Der Bundestag steht vor der Entscheidung, das zurzeit auf etwa 5000 Rechnern installierte Windows NT 4.0 entweder durch Windows XP oder durch das Open-Source-Betriebssystem Suse Linux zu ersetzen. Microsoft unternimmt seit einiger Zeit viel, um den Zuschlag für das prestigeträchtige Geschäft mit Signalwirkung zu bekommen, und verkauft nun die bei Großkunden ohnehin gängige Praxis der Offenlegung als Entgegenkommen.

Um die Microsoft-Offerte bewerten zu können, vermissen Verantwortliche jedoch Details über den Umfang der möglichen Einsichtnahme. So hat beispielsweise die IuK-Kommission, eine Untergruppierung des Ältestenrats des Deutschen Bundestages, noch nicht erfahren, ab welchem Datum der Quellcode zur Verfügung stehen soll. Darüber hinaus steht noch nicht fest, ob nur das Basis-Betriebssystem oder auch darin eingebettete Software wie etwa der Web-Server "Internet Information Server" zur Begutachtung freigegeben werden. Der Ältestenrat trifft die Entscheidung, welches Betriebssystem zum Zuge kommt.

Laut Microsoft-Sprecher Thomas Baumgärtner erhalten Firmen, die mehr als 1500 Desktop-Lizenzen ordern, auf Wunsch über den kostenlosen Online-Service "Code Center Premium" die Liste der Quellcodes sowie eine Art Debugging-Tool. Auch der "Internet Explorer" könne begutachtet werden. Ob dies auch für den Internet Information Server möglich ist, vermag Baumgärtner nicht zu sagen. Bei Code Center Premium handelt es sich um ein standardisiertes Angebot. Den deutschen Behörden will Microsoft indes mehr bieten. Sie erhalten nach Angaben Baumgärtners beispielsweise auch Einblick in das "Crypto API", eine Windows-Schnittstelle für die Datenverschlüsselung. Die Einsichtnahme finde im Rahmen eines gemeinsamen Projekts statt, da die Mitarbeiter des Bundestags geschult werden müssten.

Auch nach der Ankündigung Microsofts liegt Linux nach wie vor gut im Rennen, meint ein Sprecher des Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss, Vorsitzender des Unterausschusses "Neue Medien". "Die Frage ist, ob es ein Gutachten geben wird, etwa eines vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)." Nach Ansicht von Insidern rumort es in der Bundestagsverwaltung, die mehr und mehr erkennt, dass die Frage des Betriebssystems zur Entscheidung mit politischer Tragweite wird. Während Jörg Tauss den Bundestag gern zur Microsoft-freien Zone erklären möchte, lehnt sein Bundestags- und Parteikollege Ulrich Kelber aus Bonn ideologische Entscheidungen ab.