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13.12.1996 - 

Interview

Microsoft macht derzeit zu viele Fehler

CW: Corel engagiert sich neuerdings in sehr unterschiedlichen Produktkategorien. Neben Ihrer klassischen Domäne, den Grafikapplikationen, macht Corel nun auch mit der erworbenen Textverarbeitung Wordperfect und der Datenbank Paradox, Java und sogar mit Personal Ditigal Assistants (PDAs) sowie Netzcomputern (NCs) von sich reden. Tanzt Ihre Company nicht auf zu vielen Hochzeiten?

COWPLAND: Nein, es handelt sich bei alledem schlichtweg um interessante Bereiche für die Zukunft. Die Übernahme von Wordperfect und Paradox hat uns hervorragende Synergieeffekte beschert. Beispielsweise können wir nun unser "Draw" oder "Ventura" direkt mit den Funktionen von Wordperfect versehen. Das PDA-Projekt wurde allerdings zugunsten des Video-Network-Computers auf Eis gelegt.

CW: Weshalb?

COWPLAND: Wir setzen statt dessen lieber auf Microsofts Betriebssystem Windows CE, das auf der Comdex mit Furore angekündigt wurde.

CW: Wie sehen Ihre Pläne mit der Datenbank Paradox aus?

COWPLAND: Wir planen eine enge Integration in die Wordperfect-Suite, die im März 1997 auf den Markt kommt. Außerdem soll eine Version 8 der Stand-alone-Datenbank in Kürze erscheinen.

CW: Weshalb engagiert sich ein Hersteller, der jahrelang fast ausschließlich in einem relativ kleinen Marktsegment, nämlich mit Grafikprodukten, sein Geld verdient hat, nun plötzlich im Internet?

COWPLAND: Ganz einfach, die Entwicklung mit Java ist einfacher als mit anderen Sprachen. Beispiel OS/2: Normalerweise würde heute kein Hersteller mehr für das IBM-Betriebssystem entwickeln, weil der Aufwand zu groß ist. Eine Entwicklung für Java bedeutet aber gleichzeitig auch ein Engagement für OS/2, weil der Entwicklungsaufwand, für mehrere Plattformen zu arbeiten, sich verringert.

CW: Corel hatte sich früher hauptsächlich am End-User orientiert und dabei außer Micrografx keinen ernstzunehmenden Konkurrenten. Nun drängt Ihr Unternehmen zunehmend in den Bereich der Corporate User und macht somit Firmen wie Microsoft oder IBM konkurrenz. Ist das nicht sehr riskant?

COWPLAND: Mag sein, aber Sie müssen zugeben, daß wir einen guten Start hingelegt haben. Unser Kernprodukt, Draw, ist in den USA innerhalb kürzester Zeit mit 52 Prozent Anteil zum bestverkauften Retail-Produkt geworden. Microsofts Office hat 44 Prozent der Verkäufe, Smartsuite von Lotus kaum vier Prozent. Mit Office for Java werden wir Microsoft in die Defensive drängen. Das Unternehmen in Redmond macht derzeit zu viele kapitale Fehler.

CW: Aber Microsoft kontert mit Active X.

COWPLAND: Ich nenne es Captive X. Es läuft doch beispielsweise gar nicht unter Windows 3.x Weltweit existieren allerdings noch rund 80 Millionen Anwender des 16-Bit-Betriebssystems. Active X hat einfach keine Chance gegen Java. Java läuft schließlich auf 28 Plattformen, Active X nur auf einer oder vielleicht zwei. Außerdem lassen sich Java-Programme innerhalb von sechs Wochen auf einen neuen Chip portieren. Versuchen Sie das mal mit Active X. Microsoft beschreitet mit Active X und Exchange wieder einmal einen sehr proprietären Weg, während sich die gesamte Welt nach offenen Internet-Standards richtet.

CW: Corel hat die durchaus populäre CD-Brennersoftware "CD-Creator" vor kurzem an den SCSI-Experten Adaptec verkauft. Mußte Corel nach all den Produktübernahmen Kapital beschaffen?

COWPLAND: Nein, wir haben es verkauft, weil Adaptec es wollte.

CW: Das ist aber eine äußerst unglaubwürdige Begründung. Ich kann mir kaum vorstellen, daß Sie nach derartigen Geschäftsprinzipien vorgehen?

COWPLAND: Na ja, wir dachten, es paßt eigentlich nicht in unser Produktsortiment. Wie Sie schon bemerkten, haben wir ohnehin inzwischen ein sehr breites Angebotsspektrum. Deshalb haben wir CD-Creator abgestoßen. Es war ja auch ein recht passabler Deal. Wir haben immerhin zwölf Millionen Dollar dafür bekommen und stecken das Geld lieber in Java als in ein CD-Schreibpaket.

CW: Corel wird vorgeworfen, aufgrund der sehr kurzen Produktzyklen unausgereifte Programme auf den Markt zu bringen?

COWPLAND: Zugegeben, wir haben einen schnellen Produktzyklus - diesen aber perfektioniert. Zweifelsohne hatten wir Probleme in einigen früheren Versionen von Draw. Aber das hing hauptsächlich mit Microsofts OLE zusammen.