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16.02.2001 - 

Scott McNealy: Weiter auf die harte Tour

Microsoft macht Front gegen Richter Jackson

MÜNCHEN (CW) - Kurz vor der mündlichen Verhandlung schürt Microsoft die Stimmung gegen den Antitrust-Richter Thomas Jackson. Dieser hatte mehrmals während des laufenden Prozesses Stellung gegen den Konzern bezogen, dessen Zerschlagung er dann am Ende angeordnet hatte. Scott McNealy von Sun versucht, das US-Justizministerium auf eine harte Linie gegen die Gates-Firma einzuschwören.

Rund zwei Wochen vor den neuen Verhandlungen in der Sache Microsoft gegen das US-Justizministerium führt der Softwarekonzern aus Redmond ein aktuelles Urteil des Berufungsgerichts von New England ins Feld. Das Verfahren hatte zwar inhaltlich nichts mit dem Antitrust-Prozess gegen die Gates-Company zu tun, allerdings entdeckte Microsoft-Anwalt John Warden Parallelen zum eigenen Fall. Im Mittelpunkt stand das Verhalten einer Richterin, die sich während eines von ihr geführten Prozesses in der Zeitung "Boston Herald" zu dem Verfahren geäußert hatte. Nach dem Urteil des Berufungsgerichts in New England ist dies nicht korrekt gewesen, denn derartige Äußerungen könnten als Voreingenommenheit interpretiert werden.

Microsoft-Anwalt Warden nutzte die Gelegenheit, um kurz vor Beginn der nächsten Runde gegen den Konzern auf das angebliche Fehlverhalten von Richter Jackson hinzuweisen. Dieser hatte ebenfalls Journalisten während des laufenden Verfahrens Rede und Antwort gestanden - und dabei Microsoft-kritischen Überlegungen Ausdruck verliehen. Die Strategie des Konzerns ist nicht neu, denn seit Beginn des Prozesses versuchen die Redmonder, den Richter zu diskreditieren und ihn ablösen zu lassen.

Mitte letzten Jahres hatte Jackson entschieden, dass Microsoft in zwei Teile gespalten werden muss, da die Softwarefirma gegen Antitrust-Gesetze verstoßen hat. Am 26. Februar sollen die mündlichen Verhandlungen vor einem Berufungsgericht beginnen. Im amerikanischen Rechtssystem können die Parteien auf ähnlich gelagerte Präzedenzfälle verweisen, um ihre eigene Argumentation zu stützen. Rund 30 Minuten nimmt sich das Berufungsgericht nun Zeit, das Verhalten von Richter Jackson zu überprüfen.

Derweil hat Microsoft-Gegner Scott McNealy, Firmenchef von Sun Microsystems, das amerikanische Justizministerium aufgefordert, den eingeschlagenen Kurs weiterzuverfolgen. Die Gates-Company sei für schuldig befunden worden, nun müsse sie den Preis für ihr Verhalten zahlen: "Der Prozess ist gelaufen, und wenn es in die Berufungsverhandlung geht, sollte sich das Justizministerium weiter gegen Microsoft einsetzen", so McNealy vergangene Woche im amerikanischen National Press Club.

Seiner Meinung nach sei er überhaupt der einzige CEO im Silicon Valley, der es sich noch leisten könne, offen Partei gegen den Softwarekonzern zu ergreifen: "Hewlett-Packard, Compaq, Dell und IBM sind große Kunden von Microsoft." Selbst Apple gehöre inzwischen anteilig zum Gates-Imperium, und wenn Microsofts "Office"-Paket nicht mehr auf dem Mac laufe, sei die Plattform am Ende. McNealy hatte sich in der Vergangenheit stets für den Monopolprozess eingesetzt und Microsoft-Gegner finanziell unterstützt.