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Kartellverfahren gegen den Softwarekonzern

Microsoft macht minimale Zugeständnisse

12.05.2000
MÜNCHEN (CW/IDG) - Microsoft will eine drohende Zerschlagung mit allen Mitteln verhindern. Als Reaktion auf die von den Klägern im Kartellverfahren vorgebrachten Aufspaltungspläne hat sich der Konzern zu Zugeständnissen hinsichtlich seiner umstrittenen Geschäftspraktiken bereit erklärt.

Wie mehrere US-Medien bereits Anfang dieser Woche berichteten, will Microsoft in der Frage der Koppelung von Browser und Betriebssystem einen Kompromiss anbieten: Diesen Informationen zufolge soll es künftig zumindest eine Windows-Version geben, in der der Browser "Internet Explorer" nicht sofort sichtbar ist. Rechneranbieter erhielten damit die Möglichkeit, auch Internet-Zugangssoftware anderer Hersteller - beispielsweise von der AOL-Tochter Netscape - auf neuen PCs vorzuinstallieren.

Die von den Klägern und Richter Thomas Jackson grundsätzlich kritisierte und als gesetzwidrig angesehene Integration des Windows-Betriebssystems mit dem Internet Explorer ist damit allerdings nicht aufgehoben. Lediglich der Zugriff auf den Browser würde versteckt. Experten sehen in diesem Schritt Microsofts denn auch nur ein kleines Zugeständnis.

Als in der Praxis möglicherweise relevanter könnten sich Vorschläge hinsichtlich der Geschäftspraktiken erweisen. So will Microsoft angeblich künftig auf Knebelverträge mit Hardwareanbietern verzichten. Solche Vereinbarungen hatten es diesen in der Vergangenheit beispielsweise untersagt, konkurrierende Software auf ihren Rechnern vorzuinstallieren oder auch nur für Programme zu werben, die nicht von Microsoft stammten.

Legt Microsoft alle Schnittstellen offen?Unabhängigen Softwareherstellern soll den Berichten zufolge künftig die Integration ihrer Anwendungen mit Microsoft-Produkten erleichtert werden. Dazu ist insbesondere die Offenlegung von Programmier-Schnittstellen (APIs = Application Programming Interfaces) erforderlich.

Ob diese Vorschläge ausreichen, den Richter von der geforderten Aufspaltung abzubringen, ist mehr als fraglich. In ersten Reaktionen sollen Regierungsvertreter die Maßnahmen als rückwärtsgerichtet und lückenhaft bezeichnet haben. Wie die "Washington Post" am vergangenen Wochenende berichtete, hat Microsoft in den außergerichtlichen Verhandlungen unter Leitung des US-Berufungsrichters Richard Posner schon deutlich mehr Zugeständnisse gemacht. Doch selbst diese Vorschläge gingen Posner seinerzeit nicht weit genug.

Neben den genannten Zugeständnissen verfolgt Microsoft nach wie vor das Ziel, die Verhandlung in die Länge zu ziehen und damit Zeit zu gewinnen. Anwälte des Konzerns werden deshalb voraussichtlich eine Fristverlängerung für die Einreichung weiterer Vorschläge als Antwort auf die Aufspaltungspläne beantragen.

Microsoft ist unterdessen bemüht, sein Image aufzupolieren. CEO Steve Ballmer hat dazu Linda Stone zum Vice President of Corporate and Industry Initiatives ernannt. Die ehemalige Apple-Managerin leitete bisher eine Microsoft-Forschungsgruppe. Stone soll insbesondere die Beziehungen zu Geschäftspartnern und Konkurrenten untersuchen und Maßnahmen finden, die das Bild des übermächtigen Softwareriesen in der Öffentlichkeit positiver erscheinen lassen.