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11.09.1998 - 

IT in der Automobilindustrie/Windows CE auf Rädern

Microsoft macht sich stark für den künftigen Auto-PC

Der Autofahrer sagt "Adreßbuch" und "Wähle Ida", schon läutet es bei der Freundin. Auf Zuruf erledigt ein kleiner Computer viele Befehle: Er schließt und öffnet die Fenster, wählt den gewünschten Radiosender, liest E-Mails vor, sucht die kürzeste Route von A nach B, und er merkt sich Diktate. Ganz nebenbei hält er den von Informationen und Unterhaltung abgelenkten Fahrer automatisch auf Abstand zum vorausfahrenden Wagen.

"Handy-caped" Fahrer bauen noch nicht genug Unfälle

An dieser Vision vom komfortablen Autofahren mit Sprachbefehlen arbeiten heute viele KFZ- und Gerätehersteller. Sie tüfteln verschiedene Versionen des Auto-PC aus. Dieses Gerät könnte sowohl Autoradios als auch Navigationsgeräte und sonstige Steuerungseinheiten im Fahrzeug ablösen. Auf der Liste der Firmen, die Auto-PCs oder einzelne Komponenten entwickeln, stehen Citroen, Clarion, Daewoo, Hyundai, NavTech, Nissan, Peugeot, Samsung und Volkswagen.

Die treibende Kraft ist jedoch Microsoft. Bill Gates will den Massenmarkt der Autokäufer mit dem Mini-Betriebssystem Windows CE erobern, das heute schon Rechenzwerge wie den Handheld PC belebt und nun auch einen Kleinstrechner im Fahrzeug steuern soll. Windows CE ist nicht als Softwareprodukt erhältlich wie Windows NT, sondern kann nur vorinstalliert als integraler Bestandteil eines Geräts erworben werden. Das Betriebssystem verwaltet maximal acht Megabyte, davon stehen rund zwei für Software und sechs für Daten zur Verfügung.

Außer der Geschäftsidee "Auto-PC" und dem Betriebssystem Windows CE liefert Microsoft den interessierten Geräte- und Automobilherstellern ein Software Development Kit und einen Hardware Design Guide. Für die einzelnen Anwendungsbereiche wie Radio oder Navigation gibt es Application Programming Interfaces. Microsoft hat auch Marktstudien betrieben und dabei herausgefunden, daß der Auto-PC - zumindest in einer einfachen Version - unter 1000 Dollar kosten muß, wenn er sich auf dem US-Markt durchsetzen soll.

Systemberater Manfred Aumann von der deutschen Microsoft-Zentrale meint, es sei für Windows-Software-Entwickler leicht, künftig für den Auto-PC Programme zu schreiben. Wenige Zusatzqualifikationen reichten aus. Neue Software lasse sich von einem größeren Windows-Bruder über eine Infrarotschnittstelle auf das Windows-Baby CE überspielen.

In den USA wurden die ersten verkaufbaren Geräte bereits für den Herbst dieses Jahres angekündigt. Deutschland scheint von der Markteinführung noch etwa zwei bis drei Jahre entfernt. Erst zur Mitte 1999 wird das spezifisch deutsche Software Development Kit erscheinen, das die hiesigen Standards unterstützt.

Laut Aumann hat der Auto-PC nur dann in Deutschland eine Chance, wenn der bisherige Minibildschirm durch ein etwas größeres Display abgelöst wird. Das wird jedoch erst mit Windows CE 3.0 möglich sein, einer Version, die noch nicht verfügbar ist. Mindestens ein bis zwei Jahre dauert die Entwicklung verkaufbarer Auto-PC-Produkte für den Massenmarkt.

Keineswegs alle propagierten Anwendungen für den Auto-PC sind in der Praxis bislang erprobt. Zwar wurden mittlerweile mehrere brauchbare und lernfähige Spracherkenner entwickelt, doch hat noch kein Hersteller die Zusage gemacht, sein System auf Windows CE zu portieren. So scheiterte kürzlich der Versuch von Microsoft-Mitarbeiter Aumann, einem Alukoffer mit einem Auto-PC-Demonstrationsobjekt der Firma Clarion durch den Ausruf "Adreßbook" das Öffnen dieses Verzeichnisses abzutrotzen. Neben Microsoft arbeiten noch mehr Firmen an der Entwicklung eines Computers für das Auto. So wollen Sun und IBM mit dem gemeinsamen Projekt "Java-Car" verhindern, daß es den Redmondern gelingt, die Monopolstellung bei PC-Betriebssystemen auf den Auto-PC auszudehnen.

Johannes Kelch ist freier Autor in München.