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Haltet den Dieb!


01.03.1996 - 

Microsoft moechte die Politiker gegen Raubkopierer mobilisieren

Der Einladung von Microsoft folgten Sabine Leutheusser- Schnarrenberger (MdB), Volker Hauff (jetzt bei der KPMG und der Deutschen Treuhand AG) und Heinz Riesenhuber (MdB). Michel Friedmann, Vorstand des Zentralrats der Juden, hielt ein flammendes Plaedoyer fuer den Schutz des geistigen Eigentums an Softwarecode, das er als "kulturelle Errungenschaft" der letzten Jahrzehnte bezeichnete. Hauff befuerchtet die "Vernichtung von Innovationspotential", wenn der Urheberschutz nicht durchgesetzt und dadurch die Finanzierung fuer neue Entwicklungen nicht gesichert sei.

Rudolf Gallist, Geschaeftsfuehrer der Microsoft GmbH, lenkte das Gespraech staerker auf die Problematik der Softwarepiraterie, die von zu vielen Menschen noch "mit einer gewissen Sympathie und als eine Art Sport" betrachtet werde. Dabei entstehe der deutschen Software-Industrie Schaden in Milliardenhoehe durch Raubkopien, das heisst durch die Einnahmenverluste fuer nicht regulaer erstandene Softwarepakete oder "Produktivitaets-Tools".

Gallist plaediert fuer eine klare Unterscheidung zwischen privaten und gewerblichen Nutzern gestohlener Software. So sei die Verfolgung privater Einzeltaeter aus Gruenden der Finanzierbarkeit, aber auch wegen des Schutzes der Privatsphaere praktisch unmoeglich. Ausserdem sei der Schaden durch massenhaft gewerblich eingesetzte Raubkopien weit dramatischer. Er forderte daher eine "Internationale Konvention fuer das geistige Eigentum", obwohl deutsche und europaeische Urheberrechts-Gesetze von der Industrie als ausreichend angesehen wuerden. So wuerden derzeit grosse Mengen Raubkopien aus China nach Deutschland importiert.

Ex-Forschungsminister Riesenhuber schlaegt vor, das Urheberrecht im internationalen Umfeld nicht separat zu behandeln, sondern zur Voraussetzung fuer Wirtschaftsbeziehungen zu machen. Rechtsexpertin Leutheusser-Schnarrenberger wies dagegen darauf hin, dass es mit rechtlichen Regelungen nicht getan sei: "Die Grundakzeptanz fuer ein Gesetz muss in der Gesellschaft bestehen." Daher muesse man das Bewusstsein fuer die Urheberschaftsproblematik schon von Kindesbeinen an einueben.

Friedmann fordert aber auch "mehr Realitaetssinn in der Software- Industrie". Die Preispolitik sei fuer den Konsumenten oft nicht nachvollziehbar, vor allem, wenn das gleiche Softwarepaket als OEM-Produkt deutlich guenstiger oder sogar kostenlos mit dem PC ausgeliefert werde.

*Andreas Gillhuber ist freier Autor in Muenchen.