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19.06.2006

Microsoft nach Bill Gates

Der Rückzug von Bill Gates ist beschlossene Sache. Im Jahr 2008 soll die Führungsriege des Software-Krösus ohne den Gründer agieren. Analysten zweifeln jedoch, ob Microsoft richtig für die Zukunft aufgestellt ist.

Von Wolfgang Leierseder

Nachdem Microsoft seinen Software-Architekten Bill Gates verlieren wird und Ray Ozzie, ehemals Lotus-Chefentwickler, jetzt CEO (Chief Executive Officer) bei Microsoft, sich ab sofort den Gates-Titel an die Brust heften darf, fragt sich die IT-Branche, in welche Richtung der Software-Riese gehen wird.

Ozzie hat angekündigt, er werde sich mit Gates zusammensetzen und so bis Juli 2008 für einen "sanften Übergang" sorgen. Dabei soll ihn auch Craig Mundie, bislang CTO (Chief Technical Officer), jetzt auch "Chief Research and Strategy Officer", unterstützen. "Wir haben eine klare Vorstellung, wie wir neue Herausforderungen angehen werden", erklärte Gates auf der Pressekonferenz. Vulgo: "Wir werden jeden Monat eine Milliarde Dollar Gewinn machen."

Diese Vorgabe mag die neuen Chefdenker des Dektop-Monopolisten vielleicht nicht erschrecken. Doch es wird sie schlaflose Nächte kosten, legt man die Analysen von Branchen-Spezialisten zugrunde.

So sagte Charles King, Analyst bei dem kalifornischen IT-Berater Pund-IT Research, Gates‘ Rücktritt erfolge genau zu dem Zeitpunkt, da das Unternehmen zwei "klassische, dem alten Stil verpflichtete" Softwareprodukte, Office und Vista, auf den Markt bringen will. "Aber meiner Meinung nach bewegt sich der Markt gerade von dieser Desktop-Zentrierung weg." Dem Analysten zufolge geht der Markt in Richtung Applikationen, die bei Bedarf von Benutzern geräteunabhängig abgerufen werden können. Und solche, gehandelt unter dem Stichwort Web 2.0, sind aktuell eher von Google oder Yahoo zu haben respektive werden leihweise von Firmen wie Salesforce offeriert.

Gartner-Analyst David Smith fordert deshalb, Microsoft müsse sich "neu erfinden", um den sich ändernden Software- und Softwareverteilungs-Anforderungen zu folgen. Er setzt auf Ray Ozzie, wundert sich aber, warum Gates gerade jetzt seinen Rücktritt bekannt geben musste. Microsofts künftige Strategie sei unweigerlich mit dem Web 2.0 verknüpft, und das sei eine wirkliche Herausforderung für den Software-Riesen.

In dasselbe Horn stößt George Colony vom amerikanischen Marktforscher Forrester Research: "Bill Gates war ein hervorragender Spieler in einer Welt, als Software noch in einer Schachtel steckte und man riesige Gewinne erzielen konnte."

Von Microsoft Deutschland war zu erfahren: "Bill Gates sieht das Unternehmen auch für die Zukunft strategisch hervorragend aufgestellt. Auch nach dem Juli 2008 wird er eine aktive Rolle als Chairman und Berater bei Microsoft übernehmen. So ist über das Jahr 2008 hinaus gewährleistet, dass Bill Gates in wesentliche, die strate- gische Ausrichtung des Unternehmens betreffende Entwicklungen und Entscheidungen eingebunden ist."

Womit sich nur mehr die Frage stellt, ob Microsoft mit oder ohne Gates "eine Strategie für eine Welt entwickeln" kann, "in der alles kostenlos angeboten wird" (Colony).