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22.10.2004

Microsoft nimmt einen neuen Anlauf im ERP-Geschäft

22.10.2004
Microsoft Business Solutions will mit Navision 4.0 zusätzliche Kunden für seine ERP-Lösungen vor allem unter Kleinunternehmen gewinnen.

Wir werden mit der neuen Version eine Initialzündung bei kleinen und mittelständischen Unternehmen auslösen", gibt sich Frank Hassler, Leiter Produkt-Management bei Microsoft Business Solutions (MBS), zuversichtlich. Neben der neuen, an das Outlook-Design angelehnten Benutzerführung haben die MBS-Entwickler zusätzliche Funktionen in die aktuelle Navision-Lösung integriert (siehe Seite 28). Künftig soll Microsoft zufolge alle zwölf bis 18 Monate ein Navision-Release auf den Markt kommen.

Die Ziele, die sich das Unternehmen im ERP-Segment steckt, sind ehrgeizig. In den kommenden drei Jahren will Robert Helgerth, der neue Direktor Mittelstand & Partner in Deutschland, einen Anteil von 30 Prozent am deutschen ERP-Markt erreichen. Aktuell kommt der Softwareriese auf etwa elf Prozent. MBS sei für Microsoft ein strategisches Wachstumssegment, versichert Helgerth. Schließlich investiere die Firmenzentrale im US-amerikanischen Redmond im laufenden Geschäftsjahr rund 850 Millionen Dollar in die Weiterentwicklung der Sparte. Das sei in einzelnen Bereichen auch notwendig, mahnt der Manager. "So fehlt im Markt vielfach noch die Wahrnehmung, dass Microsoft im Geschäft für Unternehmenslösungen agiert."

Microsofts ERP-Sparte meldet mehr Partner und Kunden

Die von Microsoft vorgelegten Zahlen scheinen die bislang verfolgte Strategie auf den ersten Blick zu bestätigen. Derzeit kann der Anbieter auf etwa 320 Partner im deutschen ERP-Geschäft bauen. Allein im ersten Quartal des Anfang Juli 2004 angelaufenen Geschäftsjahres 2005 seien 38 neue Partner hinzugekommen. Die Kunden könnten mittlerweile aus 80 Branchenlösungen auswählen. Auch die Zahl der Kunden entwickelt sich Hassler zufolge positiv. Im Rahmen einer Preisinitiative konnten zuletzt 300 Kunden für das Paket "Navision für kleine Unternehmen" gewonnen werden.

Allerdings müssten noch Lücken geschlossen werden, räumt Mittelstandsdirektor Helgerth ein. So sei Microsoft bei Branchenlösungen im Dienstleistungs- und Finanzsektor noch schwach bestückt. Um diese Defizite auszuräumen, wolle der Softwareriese gezielt Partner akquirieren und verstärkt in deren Kompetenz investieren, erläutert Helgerth. Es sei sein Ziel, diese Anbieter für die Business-Lösungen zu begeistern. Setzt man jedoch die Zahl der ERP-Partner in Relation zur Gesamtzahl der Microsoft-Verbündeten in Deutschland, wird deutlich, dass sich der Microsoft-Manager hier einiges vorgenommen hat. Bislang reagieren die 25 000 Microsoft-Partner auf die Business-Lösungen eher verhalten.

Zusätzlich für Verunsicherung dürften die wechselnden Signale aus der Firmenzentrale sorgen. Nachdem der weltgrößte Softwareanbieter noch vor wenigen Wochen mit seinen nachträglich bekannt gewordenen Plänen einer SAP-Übernahme den Eindruck erweckt hatte, den Markt für konzernweite Business-Lösungen erobern zu wollen, rücken mit dem jüngsten Navision-Launch wieder die Kleinunternehmen in den Blickpunkt. Auch Microsofts Project Green, mit dem der Softwarekonzern eine eigene ERP-Lösung auf .NET-Basis entwickeln möchte, sorgt weiter für Unruhe. Laut dem offiziellen Zeitplan soll 2008 ein erstes von Microsoft selbst entwickeltes Produkt auf den Markt kommen. Fraglich bleibt angesichts dieser Vorzeichen, ob es sich noch lohnt, Branchenlösungen auf Navision-Basis zu entwickeln.

Hassler räumt ein, dass mit Project Green vieles neu entwickelt werden müsse: "Das ist nicht zu verheimlichen." Derzeit rentiere es sich jedoch noch, in die Navision-Programmierung einzusteigen. Nach Einschätzung des Microsoft-Managers benötigen ein bis zwei Entwickler zwischen einem halben und einem dreiviertel Jahr, um eine neue Branchenlösung aufzusetzen. Außerdem gehe es darum, sich bei Anwendern aus bestimmten Branchen einen Namen zu machen. Wenn das gelungen sei, komme es gar nicht darauf an, ob man mit Navision oder Green arbeite.

Release-Wechsel: Nein danke!

Ob die Microsoft-Kunden ihre alten Navision-Lösungen gegen das neue Release 4.0 austauschen, bleibt abzuwarten. Offenbar bekommt auch Microsoft verstärkt zu spüren, dass die Kunden nicht gewillt sind, schnell aufeinander folgende Release-Wechsel mitzumachen. Derzeit befänden sich noch rund 1500 bis 2000 der etwa 10000 bis 11000 Navision-Kunden auf dem Release-Stand 2.60, berichtet Hassler. Auf Drängen der Anwender und Partner habe Microsoft deshalb beschlossen, den Support, der ursprünglich Ende dieses Jahres auslaufen sollte, bis Ende 2005 zu verlängern. Der Wechsel von den Versionen 3.60 oder 3.70 auf 4.0 ist Hassler zufolge weniger aufwändig als der Schritt von 2.60 auf 3.0. Je nach dem Umfang der nötigen Anpassungen sei eine Migration innerhalb von drei bis acht Tagen zu bewältigen.

Um sein ERP-Geschäft ins Laufen zu bekommen, wird Microsoft versuchen müssen, das Neukundengeschäft anzukurbeln. Mögliche Abnehmer gibt es Helgerth zufolge genug. Neben rund zwei Millionen Kleinunternehmen wolle Microsoft etwa 55 000 größere Mittelständler erreichen. Ambitionen, das Spektrum in das obere ERP-Segment auszuweiten, gebe es dagegen nicht. Großkonzerne wie Daimler-Chrysler oder BMW ständen nicht im Fokus. Interessant seien dagegen Niederlassungen oder Zulieferer dieser Konzerne.

Dort trifft Microsoft jedoch auf harte Konkurrenz. Auch die SAP-Verantwortlichen, deren Lösungen vornehmlich in den Konzernzentralen laufen, wollen ihre Mittelstandslösungen "Business One" und "All-in-One" in den Filialen und angeschlossenen Betrieben unterbringen. Davor ist Hassler aber nicht bange. Er verweist auf die geringe Zahl der Business-One-Installationen. Rund 500 Implementierungen in drei Jahren ständen 1500 Navision-Einführungen jährlich gegenüber. SAPs All-in-One will Hassler nicht als Produkt einordnen, "sondern eher als eine Methodik, wie die Business Suite einzuführen ist".

Im Segment der Kleinunternehmen trifft Microsoft auf Anbieter wie Sage. Die Briten, die in Deutschland auf eine Kundenbasis von über 250 000 Unternehmen bauen können, geben sich gelassen. Zwar versuche Microsoft, mit einer aggressiven Preispolitik Kunden zu gewinnen, erläuterte ein Firmensprecher. 92 Prozent der Sage-Kunden hätten jedoch weniger als 25 Mitarbeiter. Damit seien sie kleiner als die von Microsoft umgarnten Betriebe. (ba)

Nachfolger gesucht

Microsoft sucht noch immer einen Nachfolger für Jürgen Baier. Der Chef von Microsoft Business Solutions in Deutschland hatte im August 2004 angekündigt, seinen Posten zum Jahresende zu räumen. Der Stabwechsel funktioniere nicht ganz unproblematisch, räumt Baier ein. Er hätte sich mehr Zeit für die Übergabe gewünscht. Trotz des Zeitdrucks geben sich die Microsoft-Verantwortlichen gelassen. Die externe Suche laufe, verlautete aus Management-Kreisen.

Microsoft, SAP, Sage - Kennzahlen für das deutsche Mittelstandsgeschäft

Microsoft Business Solutions

Lösungen: Navision/Axapta;

Partner: 320;

Branchenlösungen: 80;

Kunden: 12 000;

Umsatz: 667 Millionen Dollar (2003/2004).

SAP

Lösungen: Business One/All-in-One;

Partner: 80 (Business One)/150 (All-in-One);

Branchenlösungen: 30 (Business One)/80 (All-in-One);

Kunden: 600 (Business One)/2100 (All-in-One);

Umsatz: keine Angaben.

Sage

Lösungen: Office Line/Classic Line;

Partner: 100;

Branchenlösungen: 80 bis 90;

Kunden: 250 000;

Umsatz: 48 Millionen Euro (2003).