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03.05.2002 - 

Unklare Perspektive für Biztalk-Initiative

Microsoft öffnet EDI für kleine Firmen

MÜNCHEN (CW) - Microsoft bietet den "Biztalk Server 2002" in eingeschränkten Versionen an, die vornehmlich kleine und mittlere Unternehmen ansprechen sollen. Während der Softwareriese damit für EDI und EAI einen neuen Markt erschließen will, scheint die Biztalk-Initiative mit ihren weitreichenden Ambitionen ins Stocken zu geraten.

Wie schon die Vorgängerversion besteht der Biztalk-Server 2002 aus zwei Hauptkomponenten, einer Messaging- und der so genannten Orchestration-Engine. Erstere ist in der Lage, Geschäftsdokumente über unterschiedliche Protokolle zu empfangen und zu versenden. Die Software erwartet Business-Informationen standardmäßig als XML, sie kann aber auch gängige binäre EDI-Formate wie Edifact oder X.12 verarbeiten. Der Biztalk Server (BTS) ist dabei in der Lage, Daten zwischen allen unterstützten Formaten zu konvertieren.

Beschränkung auf zehn VerbindungenDer BTS kennt nicht nur die Funktionen zum Datenaustausch, sondern kann bei der Verarbeitung eingehender Dokumente (Bestellungen, Rechnungen) externe Anwendungen aufrufen. Zu diesem Zweck legen Anwender mit einem mitgelieferten Designwerkzeug die Verarbeitungsschritte für alle möglichen Vorgänge fest. Die Prozessdefinitionen dienen der Orchestration Engine als Anweisung für ihre Tätigkeit. Aufgrund dieser zweiten Hauptkomponente positioniert Microsoft den BTS nicht bloß als Werkzeug zum Datenaustausch, sondern auch als eines für Enterprise Application Integration (EAI). Die Anbindung externer Anwendungen erfolgte bisher primär über COM und die asynchrone Middleware "MS MQ". In der aktuellen Ausführung erhalten auch Web-Services ihren Platz.

Die nun für kleine und mittlere Firmen angebotenen Versionen unterscheiden sich von der unbeschränkten "Enterprise Editon" dadurch, dass sie in der Zahl der möglichen Verbindungen limitiert sind. So lässt die "Standard Edition", die rund 6000 Euro kostet, nur zehn externe Verbindungen zu und unterstützt nur eine CPU. Die etwa 1000 Euro teure Partner Edition kann nur Connections mit zwei Geschäftspartnern aufbauen.

Mit diesen beiden limitierten Ausführungen des BTS will Microsoft EDI und EAI für eine Zielgruppe erschließen, die solche Anwendungen aus Kostengründen bisher kaum nutzt. Der Windows-Hersteller vertraut aber darauf, dass Wizards und grafische Werkzeuge den Aufwand gering halten, wenn etwa ein Zulieferer Geschäftsbeziehungen zu wenigen Partnern automatisieren will.

Auch wenn Microsoft große Firmen als Referenzkunden für den BTS nennt, so deutet der Vorstoß in Richtung Mittelstand darauf hin, dass die Company in Großprojekten noch nicht den gewünschten Erfolg verbuchen konnte. Gegenüber Konkurrenten wie IBM könnte sich das Fehlen einer eigenen Serviceabteilung als Nachteil bemerkbar machen.

Biztalk-Framework dümpelt vor sich hinMicrosofts Marktposition im EAI-Geschäft scheint jedenfalls nicht auszureichen, um dem ehrgeizigen Vorhaben der Biztalk-Initiative den nötigen Rückhalt zu geben. Diese umfasst neben der Server-Software das Schema-Repository "Biztalk.org" und das "Biztalk Framework". Ersteres sollte dazu dienen, mit Hilfe einer Community industrie- und branchenübergreifende Dokumenttypen zu definieren und dort zu hinterlegen. Das Framework definiert Mechanismen für den Transport, das Verpacken und Versenden von XML-Dokumenten oder auch solche zur Gewährleistung einer sicheren Zustellung der Daten. Ein typisches Wunschszenario à la Redmond sieht vor, dass Firmen oder Marktplätze elektronische Geschäfte tätigen, indem sie Biztalk-konforme Dokumente versenden, die von einer dafür geeigneten Software - bevorzugt dem Biztalk-Server - verarbeitet werden, wobei diese zur Validierung des Datenformats auf biztalk.org zugreift.

In der Praxis geht die typische Konfiguration eines Biztalk-Servers allerdings davon aus, dass benötigte Schemata hinter der Firewall zu finden sind. Dies ist nur ein Indiz dafür, dass Biztalk.org kaum noch Bedeutung hat. Der Besuch auf der Site zeigt, dass dort praktisch keine Aktivitäten mehr stattfinden. So stammt der letzte Eintrag unter "News" vom Mai letzten Jahres. Ähnlich dümpelt auch das Framework vor sich hin, das immerhin als großer Rivale für den herstellerübergreifenden Standard ebXML (http://www.ebxml.org) angetreten ist. Die aktuelle Version 2.0 ist über ein Jahr alt und basiert noch auf Soap 1.1. Von Microsoft gibt es indes keine Ankündigung, dass Biztalk.org oder das Framework aufgegeben werden sollen. Laut offizieller Sprachregelung soll zukünftig aber das vom Biztalk-Server praktizierte Messaging zugunsten von Web-Services in den Hintergrund treten. Damit würden einige Teile des Frameworks zunehmend obsolet. (ws)

Bescheidenes UpdateDer Biztalk-Server 2002 gilt gegenüber der Vorgängerversion als kleines Update. Zu den wesentlichen Neuerungen zählen die Integration mit hauseigener Software wie dem "Operations Manager", dem "Application Center" sowie "Visual Studio .NET". Die beiden erstgenannten sollen vornehmlich bei großen Installationen von Nutzen sein. Der Operations Manager bietet System-Management-Funktionen wie Monitoring, Benachrichtigung des Systemverwalters im Fehlerfall sowie die Behandlung definierter Ereignisse. Das Application Center vereinfacht die Verwaltung von Server-Farmen. Die Integration mit Visual Studio beschränkt sich im Wesentlichen darauf, dass für die Nutzung von Web-Services für den Biztalk-Server entsprechende Anwendungsgerüste (Client Stubs) erzeugt werden können. Zu den Verbesserungen zählen zudem erweiterte Installations-Wizards. Zwar propagiert Microsoft den Biztalk-Server als wesentlichen Bestandteil der .NET-Strategie, die Interaktion mit Anwendungen auf Basis des .NET-Frameworks erfolgt derzeit aber noch im COM-Kompatibilitätsmodus. Eine bessere Unterstützung der neuen Anwendungsplattform soll Anfang 2003 erfolgen.