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09.08.2002 - 

Urteil im Kartellprozess rückt näher

Microsoft öffnet Windows - einen Finger breit

MÜNCHEN (CW) - Microsoft hat angekündigt, insgesamt 385 Programmier-Schnittstellen und Protokolle offen zu legen. Das Entgegenkommen nicht lange vor dem Urteil im Kartellprozess halten viele Beobachter für eine PR-Aktion.

Am 28. August 2002 wird Microsoft 272 interne Programmier-Schnittstellen (Windows-APIs) zwischen dem Windows-Betriebssystem und seiner "Middleware" dokumentieren und im Microsoft Developers Network (MSDN) veröffentlichen. Als Middleware werden im Prozess die fünf mit Windows gebündelten Zusatzprogramme "Internet Explorer", "Windows Media Player", "Outlook Express", "Windows Messenger" und Microsofts Version der "Java Virtual Machine" (JVM) bezeichnet, die auch künftig Teil des Betriebssystems sein werden. Die Veröffentlichung der Schnittstellen soll Anwendern und PC-Herstellern ermöglichen, Microsofts Middleware leichter durch Alternativprodukte wie etwa den "Real Player" oder den "AOL Instant Messenger" zu ersetzen.

Schon am 6. August hat der Softwarekonzern außerdem im Rahmen des "Communications Protocol Licensing Program" 113 proprietäre Softwareprotokolle veröffentlicht. Diese werden in der Kommunikation zwischen Windows Desktop und Server verwendet. Die Protokolle waren zuvor teilweise noch nicht einmal als Shared Source zugänglich. Sie sind auf rund 5000 Seiten dokumentiert.

Dritte können diese Protokolle in Lizenz erwerben - ein Umstand, der Kritiker zu der Einschätzung verleitete, Microsoft gehe es nur darum, neue Geldquellen zu erschließen.

Brad Smith, Justiziar der Softwareschmiede, konterte jedoch, in diesen Protokollen stecke "substanzielles intellektuelles Eigentum und wertvolle Technologie", es handele sich um einen elementaren Bestandteil der Windows-Server-Technik. Preise und Details können interessierte Unternehmen nach Unterzeichnung eines Stillschweigeabkommens einsehen.

Microsoft wird ferner bis spätestens Mitte September 2002 ein Service Pack 1 für Windows XP herausbringen, mit dem Anwender und PC-Hersteller den Zugriff auf die Middleware-Produkte ausblenden können. Stattdessen können sie alternativ andere Software installieren. Dieses Zugeständnis ist nicht ganz neu: Für Windows 2000 besteht die Möglichkeit bereits seit Veröffentlichung des Service Pack 3, das vor einigen Tagen freigegeben wurde.

Das Unternehmen kündigte ferner an, die OEM-Windows-Lizenzen für die 20 größten PC-Hersteller zu vereinheitlichen und zu flexibilisieren. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte das Unternehmen solche Maßnahmen eingeführt, allerdings bis dato nur mit vorläufigem Charakter. Unter PC-Herstellern sind die einheitlichen Lizenzbedingungen umstritten, weil sie nach Meinung etwa von Gateway, HP oder Sony restriktiver ausgefallen sind als die alten.

Mit den jetzt veröffentlichten "August Milestones" legt Microsoft insgesamt 385 Protokolle und APIs offen. Eine wichtige Schnittstelle aus dem Bereich Desktop-Server-Kommunikation will der Softwareriese aus Sicherheitsgründen weiterhin geheim halten - die für "Windows File Protection". Zunächst nicht publiziert wird außerdem die Spec für Secure RPC (Remote Procedure Calls) - allerdings nur deswegen, weil diese ein Sicherheitsloch enthält; die korrigierte Version wird später öffentlich.

Mit diesen Zugeständnissen entspricht Microsoft weitgehend den Vereinbarungen, die im vergangenen November im Rahmen eines Vergleichs mit dem weniger hartnäckigen Teil der Klägerseite getroffen worden waren. Damals hatten sich neun der 18 klagenden US-Bundesstaaten sowie das US-Justizministerium mit Microsoft auf einen Kompromiss verständigt, den die zuständige Richterin Colleen Kollar-Kotelly allerdings noch prüft. Sie muss entscheiden, ob der Vergleich im öffentlichen Interesse ist, und dazu rund 30000 öffentliche Kommentare auswerten, zu denen das Gericht die Bevölkerung aufgefordert hatte.

Keine Einigung ist hingegen weiterhin mit den verbleibenden neun US-Bundesstaaten in Sicht, denen der Handel nicht ausreichte. Sie verlangen unter anderem, dass Microsoft eine zweite Windows-Version auf den Markt bringt, die völlig frei von Zusatzprogrammen ist.

Analysten reagierten überwiegend skeptisch auf den Vorstoß des Angeklagten. Es handele sich um PR-Maßnahmen ohne rechtliche Relevanz, mit denen Microsoft versuche, die Entscheidung des Gerichts zu beeinflussen. Die meisten Zugeständnisse seien schon vorher mehr oder weniger bekannt gewesen. (hv/tc)