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CW-Gespräch mit Hyperion-CEO Jeffrey Rodek

"Microsoft raubt uns nicht den Schlaf"

31.10.2003
Software für die Analyse von Geschäftsinformationen und das Berichtswesen - neudeutsch: Business Intelligence (BI) - gilt immer mehr Anwendern als strategisches Instrument zur Unternehmenssteuerung. Doch der Markt ist im Umbruch, und Übernahmen häufen sich. Wie sich Hyperion Solutions nach dem Kauf von Brio Software als einer der führenden Anbieter künftig aufstellen will, schilderte Chief Executive Officer Jeffrey Rodek in einem Gespräch mit CW-Redakteur Sascha Alexander.

CW: Das Geschäft mit BI-Lösungen ist derzeit eines der wenigen Wachstumssegmente im Softwaremarkt. Dennoch reißt die Welle der Übernahmen nicht ab. So wechselten allein in den letzten 18 Monaten unter anderem Acta, Adaytum, Comshare, Crystal Decisions, Brio und die MIS AG ihren Besitzer. Wie erklären Sie sich das?

Rodek: Dem Markt für BI und Business-Perfomance-Management (BPM) geht es zwar besser als den meisten Softwaresegmenten, aber das Geschäft ist nicht einfach. Kleinere Anbieter kommen derzeit schwer an die Budgets der Kunden heran, zumal diese künftig die Zahl ihrer Lieferanten reduzieren wollen und solche Hersteller bevorzugen, die finanziell stabil sind und ihnen ein breites Portfolio anbieten können.

CW: Gilt dies auch für Brio Software, ein Unternehmen, das Hyperion im August gekauft hat?

Rodek: Brio als Anbieter von Berichtswerkzeugen hatte einen Umsatz von rund hundert Millionen Dollar und konnte - wenn man von Einmalzahlungen absieht - eine positive Bilanz vorweisen. Doch das Management musste einsehen, dass die Reichweite der Produkte und die finanzielle Zukunft begrenzt waren. Vielleicht hätten sie den Umsatz noch auf maximal 150 Millionen Dollar steigern können. Brios ärgster Wettbewerber Business Objects weist jedoch nach der Übernahme des Konkurrenten Crystal Decisions über 800 Millionen Dollar Umsatz aus.

CW: Geht es bei den Übernahmen derzeit vor allem darum, die eigene Kundenbasis zu verbreitern, oder auch um den Ausbau des Portfolios?

Rodek: Cognos wollte mit der Übernahme des Planungssoftware-Spezialisten Adaytum ein besseres Produkt für die Finanzkalkulation kaufen. Wir haben in diesem Jahr Alcar, einen Anbieter von Software zur Finanzmodellierung, und Brio wegen ihrer Technik und Branchenkenntnisse übernommen. Nur die Übernahme von Crystal Decisions durch Business Objects sehe ich als reinen Zukauf von Kunden.

CW: Welche Umsatzerwartungen verbinden Sie mit der Brio-Übernahme?

Rodek: Wir müssen uns jetzt vor allem darum bemühen, die Brio-Umsätze, die rein rechnerisch momentan 20 Prozent unserer Einnahmen ausmachen, in der nächsten Zeit zu halten.

CW: Wie weit ist die Integration der Produkte vorangeschritten?

Rodek: Die Transaktion wurde am 13. Oktober formell abgeschlossen. Teams beider Firmen arbeiten seit Juli an der Produktintegration und an Roadmaps sowie der künftigen Aufstellung in den Bereichen Marketing, Sales und Personal. Ich bin sehr zufrieden mit den Fortschrittten. Wir haben bereits ein Rebranding vorgenommen. Weitere Ankündigungen werden im Lauf der nächsten Monate folgen.

CW: Brio war seit 1996 Partner von Hyperion. Muss da eine Produktintegration nicht leichter fallen?

Rodek: Es lassen sich schon heute Brio-Berichte mit unserem Olap-Server "Essbase" erzeugen. Als nächstes werden wir die Berichtssoftware "Brio Intelligence" in unseren Finanzanwendungen einbinden. Im zweiten Schritt sollen die Brio-Produkte enger mit unserer Architektur "Hyperion Platform" integriert werden, um etwa gemeinsame Sicherheits-Features und eine zentrale Verwaltung zu ermöglichen. Langfristiges Ziel ist eine durchgängige Plattform für Query, Reporting und Analyse.

CW: Hyperion hat bereits eine Reihe von BI-Clients. Werden Sie auch Produkte aussortieren?

Rodek: Die heutigen Reporting-Funktionen werden mit der Zeit vereinheitlicht werden. Wir haben derzeit zu viele Berichtswerkzeuge und müssen das für unsere Kunden vereinfachen.

CW: Worin unterscheidet sich Ihr Ansatz von dem der Wettbewerber?

Rodek: Unserer größter Konkurrent im Markt für BPM-Software ist Cognos. Ich halte aber unsere Produkte für Konsolidierung und Planung für technisch ausgereifter, da wir länger Erfahrungen auf dem Markt sammeln konnten und mehr Kunden haben. Rund 50 Prozent unserer Umsätze stammen von dort. Cognos war hingegen bisher führend bei BI-Werkzeugen und macht auf diesem Feld heute noch rund 90 Prozent seines Geschäfts. Wir konnten für BI nur unsere Produkte "Hyperion Analyzer" und Essbase im Paket anbieten, die im Preis aber nicht mit denen von gängigen BI-Tools mitzuhalten vermochten. Deshalb haben wir letztlich Brio gekauft.

CW: Meinen Sie nicht, dass Cognos spätestens mit der Übernahme von Adaytum auch zum Konkurrenten im Finanzmarkt geworden ist?

Rodek: Der Markt für BPM-Software ist groß genug, um mehr als einem Anbieter über eine Milliarde Dollar im Jahr Umsatz zu bescheren. Langfristig werden unsere größten Wettbewerber Hersteller von Transaktionssystemen wie SAP sein. Die ERP-Anbieter werden aber den Markt nicht dominieren.

CW: Sie sagten kürzlich, dass SAP das Thema BPM nicht ernst nehme.

Rodek: Laut IDC ist die SAP weiterhin ein Anbieter von Transaktionssoftware. Sie beschäftigt sich zwar mit BPM, es ist aber nicht ihr Hauptaugenmerk. Zudem hat das "SAP Business Warehouse" nicht die Flexibilität, die es für dynamische BPM-Lösungen benötigen würde. Die SAP-Produkte arbeiten am besten mit den eigenen Daten.

CW: Marktbeobachter werfen Hyperion immer vor, sein Portfolio noch nicht integriert zu haben. Vielmehr ständen die Finanzanwendungen unverbunden neben der Essbase-Technik.

Rodek: Unsere Kritiker sollten sich genauer anschauen, was wir bis heute erreicht haben, auch wenn wir selbstverständlich unsere Produkte weiter verbessern müssen. Sicher wäre es leichter für uns, wenn die Produkte vor Jahren von Grund auf für eine gemeinsame Technikplattform entworfen worden wären. Aber wir arbeiten schon lange an einer besseren Integration und nicht nur an neuen Features. Cognos muss hingegen vier verschiedene Produktarchitekturen zusammenführen. Selbst deren neues "Reportnet" läuft nicht auf allen Bestandteilen der hauseigenen BI-Plattform.

CW: Anderes Thema: Hyperion gilt in seiner Lizenzpolitik als teuer.

Rodek: Mag sein, aber wir können die umfassende Technik und die Funktionen von Essbase sowie unserer analytischen Berichtssoftware nicht zum Preis gängiger BI-Produkte verkaufen. Die Brio-Tools geben uns jetzt die Möglichkeit, auch in anderen Preissegmenten mitzubieten.

CW: Manche Marktbeobachter glauben, dass Ihnen mit Microsoft und seiner kostenlosen Analysetechnik für den SQL Server große Konkurrenz entstehen wird.

Rodek: Der Verkauf reiner Essbase-Lizenzen an Neukunden ist in der letzten Zeit erheblich zurückgegangen. Doch es wird keinen Kampf mit Microsoft um den Olap-Markt geben, da dieses Geschäft schon heute nur noch einen kleinen Teil unserer Umsätze ausmacht. Stattdessen bieten wir mit Erfolg Lösungen für BPM an. Größere Sorgen sollten sich vielmehr die BI-Anbieter machen, die ihre Berichtssoftware ins Lowend-Segment verkaufen, da Microsoft jetzt vor allem diesen Markt im Visier hat. Uns raubt Microsoft nicht den Schlaf.

Gemischte Gefühle

Das auf Software für Business-Performance-Management (BPM) spezialisierte Unternehmen Hyperion erzielte in seinem Ende September abgeschlossenen ersten Fiskalquartal einen Nettogewinn von 9,7 Millionen Dollar. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum hatte der Profit 9,1 Millionen Dollar betragen. Damit konnten die Erwartungen der Analysten übertroffen werden. Den Quartalsumsatz steigerte die im kalifornischen Sunnyvale ansässige Firma im Jahresvergleich von 119,9 Millionen Dollar um drei Prozent auf 123,6 Millionen Dollar. Das Lizenzgeschäft ging von 44,6 Millionen auf 43 Millionen Dollar zurück. Im Gegenzug konnte Hyperion ein Wachstum bei Wartung und Dienstleistungen von 75,3 auf 80,5 Millionen Dollar erzielen.

Die Investoren zeigten sich enttäuscht von der Umsatzentwicklung. Vor allem das Nordamerika-Geschäft der Softwerker mit Lizenzen verlief schleppend. Der Aktienkurs von Hyperion büßte in einem schwachen Marktumfeld rund sieben Prozent ein. Die Zahlen des im Juli übernommenen Wettbewerbers Brio sind in der aktuellen Bilanz noch nicht berücksichtigt. Die Company konnte ihre Lizenzeinnahmen im dritten Quartal um 13 Prozent auf 10,9 Millionen Dollar und den Gesamtumsatz auf 27,4 Millionen Dollar steigern. Die liquiden Mittel bezifferte Hyperion auf 408,5 Millionen Dollar nach 416,6 Millionen Dollar Ende Juni.