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24.11.2005

Microsoft revidiert Portalstrategie

Die bisher auf Team-Collaboration beschränkten Sharepoint-Services sollen zukünftig das Fundament zahlreicher Portalanwendungen bilden.
Microsoft baut die Funktionen für Business Intelligence, Enterprise Search und Content-Management aus. IBM verfolgt mit "Workplace" ähnliche Ambitionen.
Microsoft baut die Funktionen für Business Intelligence, Enterprise Search und Content-Management aus. IBM verfolgt mit "Workplace" ähnliche Ambitionen.
Der auf der Technik der übernommenen Firma Ncompass basierende Content-Management-Server wird umgebaut und Teil der neuen Portalplattform.
Der auf der Technik der übernommenen Firma Ncompass basierende Content-Management-Server wird umgebaut und Teil der neuen Portalplattform.

Auf die steigende Nachfrage von Unternehmen nach Web-basierenden Anwendungen reagiert Microsoft, indem es seine Portalsoftware in der Version 3 gründlich überarbeitet. Der bisherige Bottom-up-Ansatz, bei dem Abteilungen oder Nie- derlassungen ihre eigenen Team-Sites erstellen, die dann ein Portal-Server unter einer Oberfläche zusammenführt, soll jedoch beibehalten werden. Allerdings mausern sich die "Windows Sharepoint Services" (WSS) zu einer funktionsrei- chen und mächtigen Grundlage für weitere Anwendungen, die im Portal verfügbar sind. Dazu zählen sowohl solche aus Redmond als auch von Drittanbietern.

Neu in Sharepoint Services 3

• Zweistufiger Papierkorb zur Wiederherstellung gelöschter Dokumente;

• erweiterte Versionierung von Einträgen ("minor Versions");

• stark erhöhte Speicher- kapazität;

• Integration der Windows Workflow Foundation;

• Sicherheitseinstellungen auf Dokumentenebene;

• Check-in und Check-out;

• Plug-in-Konzept für Authentifizierung;

• rechteabhängige Benutzeroberfläche;

• Topologien aus separaten Web-Frontends, Applikations-Servern und Datenbanken möglich;

• zentrale Administration von Sharepoint-Farmen;

• erweiterte E-Mail-Funktionen.

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www.computerwoche.de/go/

566361: Microsoft präsentiert Workflow-Engine;

567818: IBM Workplace erhält Strategiekom- ponente;

567674: EMC will Captiva für 275 Millionen US-Dollar kaufen;

553283: IBM bündelt sein Collaboration- Portfolio;

566791: Microsoft gibt bei Testversionen Gas.

Hier lesen Sie …

• wie Microsoft die Windows Sharepoint Services zur Plattform für Portalanwendungen erweitert;

• warum der Ansatz mit IBMs Workplace-Strategie in Wettbewerb steht;

• wie die Benutzerverwaltung von Sharepoint Web-Zugriffe unterstützt;

• welche Wege der Konzern beim Enterprise-Content-Management geht.

Wer einen Windows Server erwirbt, erhält nicht nur die Basistechnik, sondern auch eine Komponente aus der Anwendungsschicht. Es handelt sich wie bisher um Tools für die elektronische Teamarbeit. Dazu zählen Diskussionsforen, Kalender, Dokumentenablagen oder die Anzeige des Online-Status. In Zukunft sollen dort auch Weblogs und Wikis hinzukommen sowie eine erweiterte Mail-Unterstützung. Outlook wird in der Version 12 Diskussionen aus dem WSS als Mail-Ordner darstellen können.

Mit der Version 3 positioniert Microsoft seine Sharepoint-Services nicht nur für die interne Nutzung in Unternehmen, sondern auch als Basis für Internet-Sites. Um diesen Anforderungen zu genügen, entfallen in der kommenden Ausführung bisherige Beschränkungen bei der Topologie von WSS-Installationen. Zukünftig können die Aufgaben des Web-, Applikations- und Datenbank-Servers auf verschiedene Maschinen verteilt werden. Jede Schicht kann zur Verbesserung der Ausfallsicherheit auf Cluster-Systemen laufen.

Benutzerauthentifizierung

Neben erhöhter Leistung macht auch eine neue Architektur für Authentifizierungsmodule die WSS Internet-tauglich. In der aktuellen Ausführung muss jedes Benutzerkonto im Active Directory angelegt werden. Unternehmen möchten aber in der Regel externe Besucher einer Website, die sich etwa für reservierte Bereiche registrieren müssen, nicht in ihr internes Verzeichnis aufnehmen. Über so genannte Provider lassen sich Benutzer über beliebige andere Systeme authentifizieren, beispielsweise über LDAP oder eine einfache Benutzerdatenbank. Ironischerweise stellt Microsoft damit wieder einen Zustand her, den es bereits gab, als die WSS noch "Team Services" hießen. Diese Ausführung verfügte noch über ein eigenes Nutzerverzeichnis, das aber dann zugunsten des Active Directory aufgegeben wurde.

Als weitere Neuerungen, die Sites unter den WSS 3 für das Internet befähigen, nennt Microsoft eine stark erhöhte Zahl von möglichen Einträgen in Dokumentenbibliotheken, die Unterstützung für eine fein abgestufte Versionierung sowie das Check-in und Check-out. Sie sind Voraussetzung für reich bestückte Websites, die von mehreren Redakteuren betreut werden. Schließlich kommt noch ein neues Synchronisierungsverfahren hinzu, mit dessen Hilfe die WSS ihren Content auf mehrere Server verteilen können. Dieses Verfahren funktioniert als Push nur in eine Richtung, erlaubt aber die Einrichtung von separaten Staging- und Entwickler-Maschinen. Dies zählt zu den wesentlichen Anforderungen im Enterprise-Einsatz.

Mehrere Portalanwendungen

Auf der Grundlage der WSS plant Microsoft eine Reihe von Anwendungen. Dieses Vorhaben ist in weiten Teilen vergleichbar mit IBMs "Workplace Collabo- ration Services". Die zwei Firmen setzen zwar auf unterschiedliche Plattformen (Java versus .NET) und verpacken ihre Funktionen auf je eigene Weise zu Produkten. In Bezug auf die Features und ihre Präsentation gegenüber dem Anwender überwiegen jedoch die Gemeinsamkeiten.

Microsoft möchte neben den Collaboration-Tools, die zum Lieferumfang von Windows gehören, solche für Business Intelligence und Enterprise-Content-Management (ECM) sowie eine Suchmaschine anbieten. Eine Zwischenposition nimmt derzeit noch der MS-Project-Server ein. Er beruht bisher noch auf einer eigenen Architektur und soll in der nächsten Version auf die Sharepoint Services aufsetzen.

Fahrplan steht noch nicht

Wie die geplanten Funktionen letztendlich auf bestimmte Produkte verteilt werden, hält sich Microsoft laut Mike Fitzmaurice, Senior Product Manager für WSS, noch offen. Im Gespräch mit der computerwoche deutete er an, dass die Zukunft des Sharepoint Portal Server in seiner jetzigen Form noch keineswegs gesichert sei. Es bestehe etwa die Möglichkeit, seine zwei Hauptaufgaben - die Aggregierung von WSS- Sites und die Suchmaschine - zu trennen.

Aufgrund der Konkurrenz mit Google und IBM misst Microsoft der Enterprise-Suche einen besonderen Stellenwert zu. Die auf den Entwicklungen von MSN beruhende Technik soll in verschiedene Produkte integriert werden. So müssen sich die WSS zukünftig nicht mehr mit dem Index-Server der relationalen Datenbank begnügen, sondern erhalten die gleiche Suchmaschine wie jene, die auch auf Anwendungsebene oder in Exchange E12 ihren Dienst verrichten wird. Allerdings beschränkt sie sich in den WSS auf die Recherche in einer einzigen Site. Die Enterprise-Suche soll in der nächsten Ausführung erheblich mehr Datenquellen indizieren können als bisher. Darunter fallen dann etwa auch kaufmännische Applikationen.

Basis für Office-Server

Neben den Funktionen, die Teil der WSS sind (Team-Collaboration) oder bisher vom SPS erbracht wurden, kommen solche hinzu, die von "Office-Servern" stammen. Bereits seit längerer Zeit gab es Gerüchte über derartige Software, unter anderem war in diversen Online-Diensten von einem "Excel-Server" die Rede. Obwohl Microsoft die geplanten Portalanwendungen noch nicht bestimmten Produkten zuordnen will, zeichnet sich ab, dass die Kalkulations-Engine von Excel Teil einer größeren Business-Intelligence-Komponente wird. Sie soll auch die analytischen Funktionen und Reporting-Möglichkeiten integrieren, die der SQL Server 2005 bereitstellt. Sie könnte als Gegenstück zu IBMs "Workplace Business Strategy Execution" gesehen werden, die erst kürzlich auf den Markt kam.

Enterprise-Content-Management

Ein Schwerpunkt des kommenden Portalportfolios liegt auf dem Enterprise-Content-Management (ECM). Microsoft verwendet diesen Begriff ähnlich unscharf wie viele andere Hersteller in diesem Segment. Auf Basis der Sharepoint-Services soll ein leichtgewichtiges Dokumenten-, Records- und Web-Content-Management entstehen. Business-Process-Management, das die großen ECM-Anbieter als Bestandteil ihres Portfolios betrachten, weist Microsoft als separates Feature aus.

Im Fall des Dokumenten-Managements lässt sich derzeit noch nicht absehen, wie weit Microsofts Ambitionen reichen und ob sie den vielen mittelständischen Anbietern gefährlich werden. Deren Domänen, nämlich die Erfassung von papierenen Dokumenten, Eingangspostverarbeitung und Archivierung, stehen vorerst nicht auf der Feature-Liste von Microsoft. Sanjay Manchanda, Director of Portals, erklärte auf dem IT-Forum gegenüber der computerwoche, dass Partner das Input-Management abdecken würden. So verhandle das Unternehmen etwa mit Kofax oder Captiva, das kürzlich von EMC übernommen wurde.

Formulare verarbeiten

Microsoft konzentriert sich ähnlich wie die IBM mit "Workplace Documents" auf das Management elektronischer Inhalte. Dies gilt auch für die Formularverarbeitung. Zu diesem Zweck wandern die Funktionen von "Infopath" auf den Server, wo sie mit dem Workflow- und Content-Management-System verbunden werden. Infopath enthält in der aktuellen Version sowohl die Entwickler- als auch Endnutzerkomponenten, so dass für das bloße Ausfüllen von Formularen eine volle Lizenz auf jedem Arbeitsplatz fällig wird. Für den Einsatz im Internet ist dieses Modell nicht geeignet, noch dazu, wo es einen Fat Client voraussetzt. In Office 12 wird die Anwendung daher in ihre zwei wesentlichen Bestandteile aufgespaltet. Der Infopath-Server wird dann Formulare entweder in einer Browser-Oberfläche oder gegenüber dem verschlankten Fat Client präsentieren können. Die IBM kündigte erst in dieser Woche ihr Pendant namens "IBM Workplace Forms" an.

Auch bei Records-Management und Archivierung bleibt Microsoft vorerst hinter den spezialisierten Lösungen zurück. So lassen sich Aufbewahrungsregeln nur auf der Ebene von Content-Typen oder Dokumentenbibliotheken festlegen. Ausgewachsenes Records-Management bietet in dieser Hinsicht fein abgestufte Möglichkeiten und ist bei Highend-Produkten in der Lage, Dokumente automatisch zu klassifizieren und Policies abhängig von ihrem Inhalt anzuwenden.

Für die Archivierung sieht Microsoft ein zentrales Repository auf Basis des SQL Server vor. Dort sollen Dokumente dem Schreibzugriff der Benutzer entzogen sein. Für die revisionssichere Langzeitarchivierung sollen ebenfalls Partner einspringen. In der ersten Version der Software wird es zudem keine enge Anbindung an Exchange geben. Die Aufbewahrung von Mails im Sharepoint-Repository bedarf daher ebenfalls ergänzender Funktionen. Um den Vorgaben der diversen Compliance-Anforderungen besser zu genügen, werden die WSS in der Lage sein, alle Benutzeraktivitäten detailliert zu protokollieren.

Umbau des Web-CMS

Einer grundlegenden Überarbeitung muss sich der "Content Management Server" unterziehen. Er kam ursprünglich über den Kauf der kanadischen Firma Ncompass zu Microsoft und liegt zurzeit noch in der Version 2002 vor. Das Web-CMS überschneidet sich in vielen Punkten mit den Sharepoint Services, etwa bei Workflow, Storage, Suche oder Template-Systemen. Deshalb wandert es ebenfalls auf die Portalplattform ab. Das Ergebnis wird eine weitgehend neue Software sein, die man nicht einfach per setup.exe über die alte spielen kann. Vielmehr müssen bestehende Installationen migriert werden, Microsoft wird dafür entsprechende Tools anbieten. Das Unternehmen verspricht einen einfachen Umzug der Inhalte, Layouts und bestehende Scripts müssen jedoch neu entwickelt werden.

Biztalk-Integration

Die Ansprüche des nächsten CMS aus Redmond gehen aufgrund der wesentlich aufgewerteten Portal-Plattform über jene hinaus, die IBM mit seinem "Workplace Web Content Management" erhebt. Es soll nicht nur die Arbeitslast stark frequentierter Internet-Sites bewältigen, sondern auch mehrsprachige Inhalte, Staging, komplexe Workflows und Integration mit dem Biztalk Server bieten.

Fazit

Die Revision von Microsofts Portalstrategie geht einher mit dem ehrgeizigen Vorhaben, ein umfangreiches Portfolio von Server-Anwendungen zu entwickeln. Dessen Funktionsumfang ähnelt weitgehend jenem, den die IBM mit ihren Workplace-Produkten abdeckt. Microsoft scheut jetzt auch nicht davor zurück, für viele Anwendungen dem Goldesel Office eine Browser-basierende Alternative zur Seite zu stellen. Das Unternehmen möchte dem dicken Büropaket damit natürlich keine Konkurrenz machen. Nach der veränderten Strategie übernehmen die Fat-Client-Anwendungen im Rahmen ihrer jeweiligen Fähigkeiten die Offline-Funktionen des Portals: beispielsweise Word als Dokumenteneditor, Excel für die BI-Komponente und Outlook für die lokale Zwischenlagerung ganzer Ordnerstrukturen. Ein neuer Synchronisierungsmechanismus wird den Abgleich der Daten zwischen beiden Systemen übernehmen.