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24.09.2004 - 

Flugzeugbauer Airbus und Boeing könnten als Zeugen im europäischen Kartellstreit auftreten

Microsoft schmiedet Allianzen für Prozess

MÜNCHEN (CW) - Der europäische Kartellprozeß gegen Microsoft zieht weite Kreise. Offenbar befürchten Großkonzerne wie Airbus und Boeing, dass die EU-Kommission nach einer Entscheidung gegen Microsoft auch ihre Branche ins Visier nehmen könnte. Der Softwarekonzern bemüht sich indes, die Reihen seiner Verbündeten für das anstehende Verfahren zu schließen.

Der europäische Flugzeugbauer Airbus will im Rahmen des Verfahrens der EU-Kommission gegen den weltgrößten Softwarehersteller zugunsten von Microsoft aussagen. Dies haben Vertreter des Unternehmens in einer entsprechenden Petition an die EU-Behörden in Brüssel gefordert. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" befürchten die Airbus-Verantwortlichen offenbar, ein Urteil der europäischen Kartellbehörden gegen Microsoft könnte in absehbarer Zukunft auch die Geschäfte der Flugzeugbranche beeinträchtigen. Demnach sei denkbar, dass die Hersteller gezwungen werden, anderen Firmen als den bisherigen Vertragspartnern zu gestatten, beispielsweise Küchenausrüstungen oder Sitze für die Maschinen zu fertigen.

Auch Airbus-Konkurrent Boeing könnte für Microsoft in den Zeugenstand treten. Firmen-Sprecher Tim Neale bestätigte, dass der US-amerikanische Konzern eine Anfrage des weltweit größten Softwareherstellers erhalten habe, in der es um eine mögliche Unterstützung im Kartellverfahren gehe. Das Unternehmen prüfe derzeit das Ersuchen aus Redmond.

Microsoft war im März dieses Jahres von der EU-Kommission wegen Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht zu einem Bußgeld in Höhe von knapp 500 Millionen Euro verurteilt worden. Außerdem soll der Softwarehersteller die Kopplung des Media Players mit den Windows-Betriebssystemen lösen sowie Schnittstelleninformationen seiner Client- und Server-Betriebssysteme für konkurrierende Softwareanbieter freigeben. Die Microsoft Verantwortlichen haben gegen dieses Urteil Berufung eingelegt.

Angesichts der anstehenden Prozesseröffnung vor dem Europäischen Gerichtshof erster Instanz unter Richter Bo Vesterdorf ordnet der Softwarehersteller nun seine Reihen und sucht Verbündete. Bislang ist noch unklar, welche Unternehmen Microsoft in den Zeugenstand bringen wird. Allerdings hat Horacio Gutierrez, Chefanwalt des Softwareherstellers in Europa, bereits angekündigt, eine möglichst breite Front verschiedener Firmen aus unterschiedlichen Branchen aufbieten zu wollen.

Vertreter der EU-Kommission wollten sich bislang nicht zu Microsofts Prozessstrategie äußern. Man habe bislang keine Petition von Airbus erhalten, erklärte EU-Sprecherin Amelia Torres. Auch könne die Behörde keinen Zusammenhang zwischen dem Fall Microsoft und der Flugzeugindustrie erkennen. Kartellrechtsexperten bezweifeln denn auch, dass Microsofts Strategie erfolgreich ist. Wer in einem derartigen Prozess intervenieren möchte, muss einen Zusammenhang mit seinem eigenen Geschäft belegen, erläutert der britische Anwalt Frank Fine. Der Nachweis einer Verbindung zwischen den Maschinen von Airbus und dem Media Player in Windows dürfte jedoch schwer fallen. (ba)