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01.06.1990 - 

Weil OS2 sich nicht wie erhofft etabliert hat

Microsoft setzt mit Windows 3.0 auf Vielfalt der Betriebssysteme

MÜNCHEN (zek) - Fünf Jahre führte Windows, die grafische PC-Benutzeroberfläche von Microsoft, eher ein Schattendasein. Der nur mäßige Erfolg von OS/2 veranlaßte Microsoft jetzt dazu, die verbesserte Version Windows 3.0 als drittes PC-Standard-Betriebssystem auf den Markt zu bringen.

Schon die Einordnung von Windows als "Betriebssystem" macht deutlich, wie Microsoft die strategische Position des neuen Paketes versteht. Man habe eingesehen, meinte Microsoft-Deutschland-Geschäftsführer Christian Wedell anläßlich der Präsentation von Windows 3.0, daß viele Anwender weiterhin an DOS festhalten und nicht auf OS/2 umsteigen wollen. Obwohl Windows nicht ohne DOS starten kann, wird es von Microsoft jetzt als eigenes Betriebssystem herausgestellt.

In den neunziger Jahren sollen nach dem Willen Microsofts drei Betriebssysteme die PC-Welt bestimmen: DOS, Windows und OS/2. Dabei dürfte DOS das Low-end-Betriebssystem für XTs sein, auf denen höchstens zwei zeichenorientierte Applikationen laufen. Windows arbeitet auf ATs und 386ern mit mindestens 2 MB. OS/2 eignet sich schließlich für Multitasking-Anwendungen auf ATs und 386- oder 486-Rechnern mit mindestens 4 MB Speicher.

In Sachen Bildschirmaufbau orientiert sich Windows 3.0 am OS/2-Presentation-Manager. Den Anwendern soll damit offensichtlich auch der spätere Einstieg in die OS/2-Welt schmackhaft gemacht werden. Ebenso könnten aber auch Softwareentwickler dazu bewegt werden, ihre Programme zunächst auf Windows und dann auf OS/2 zu portieren.

Grundlage für Windows 3.0 sind drei Fenster: Der "Programm-Manager" stellt die vorhandenen Applikationen und Systemfunktionen bildlich dar. Der "Datei-Manager" erlaubt das Auffinden, Manipulieren und Kopieren von Dateien. Mit der "Systemsteuerung" kann der Anwender den Bildschirm nach seinem Geschmack anpassen. Diese Aufteilung hat nichts mehr mit der Fenstereinteilung früherer Windows-Versionen gemeinsam, wo jeweils der Inhalt einzelner Datenträger auf gelistet wurde.

Nach Microsoft-Angaben verfügt Windows 3.0 auch über eine verbesserte Speicherverwaltung. Im Protected-Mode bei 286- und 386-Prozessoren wird sogar die 640-KB-Speichergrenze von DOS aufgehoben. Demnach können Windows-Programme jetzt bis zu 16 MB Hauptspeicher nutzen. Eine große Zahl an speziellen Windows-Programmen soll darüber hinaus PC-Anwender zum Umsteigen animieren. Viele dieser Programme bieten Features, die bisher nur Anwender des Apple Macintosh nutzen konnten. So wurden auf der Windows-Präsentation in München ein Hypercard-kompatibles Programmiersystem und ein Font-Manager gezeigt, der Postscript-ähnliche Ausdrucke auf jedem Drucker ermöglicht.

Branchenkenner sind sich klar darüber, daß Windows zum einen die weitere Verbreitung von OS/2 bremsen und auch aufgrund der verbesserten Grafik-Leistungen dem Apple Macintosh einige seiner Alleinstellungsmerkmale nehmen wird. Schließlich zieht Microsoft - selbst einer der führenden Anbieter von Mac-Software - mit Windows 3.0 nur die Konsequenzen aus dem Erfolg der Mac-Oberfläche, die seit rund sechs Jahren erfolgreich ist. Aus den USA war auch bereits zu hören, daß diverse Softwarehäuser, die mit Mac-Paketen Erfolge hatten, jetzt in den Window-Markt einsteigen werden. Dazu zählen unter anderem Pagemaker-Produzent Aldus und Wingz-Anbieter Informix.

Aggressiv geht Microsoft auch in Sachen Preispolitik vor, um dem neuen "Betriebssystem" zu großer Verbreitung zu verhelfen. Inklusive einiger Einstiegsprogramme kostet Windows 3.0 rund 520 Mark, ein Update von einer älteren Windows-Version rund 150 Mark. Anwender, die eine solche Version zwischen dem 1. 4. 1990 und dem 1. 6. erworben haben, können kostenlos auf die neue Version umsteigen. Bis jetzt haben bereits rund 30 PC-Hersteller erklärt, daß sie Windows 3.0 mit ihren Geräten anbieten werden. Bei der IBM hält man sich in dieser Hinsicht noch bedeckt, schließlich setzt der blaue Riese weiterhin auf OS/2. Immerhin hat er eine Empfehlung ausgesprochen, Windows 3.0 auf Low-end-PCs der AT-Klasse einzusetzen.