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22.04.1994

Microsoft setzt Standards wie einst die IBM

Harte Kritik an den Open- Systems-Gremien uebte Jonathan Lazarus, Vice-President Systems Strategy der Microsoft Corp., kuerzlich im Gespraech mit der COMPUTERWOCHE (vgl. Nr. 8 vom 25. Februar 1994, Seite 12). Das veranlasste Hartmut Streppel, Vorstandssprecher der German Unix User Group (GUUG), zu einer Erwiderung, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. Tenor: Ein Marktmonopol und Systemoffenheit sind zweierlei Paar Schuhe.

Microsoft versteht augenscheinlich nicht, was offene Systeme sind. Marktmacht allein definiert keine Standards. Diese - falsche - Ansicht hatte schon IBM in den 80er Jahren vertreten.

Wenn Microsoft zudem die Offenheit von Unix bestreitet, dann wohl nur deshalb, weil das Unternehmen auf diese Weise die mangelnde Kompatibilitaet der eigenen Software mit anderen am Markt erhaeltlichen Systemen ueberspielen will.

Die Offenheit eines Systems ist ein wichtiges Verkaufsargument und nimmt im Zuge der immer dichteren Vernetzung weiter an Bedeutung zu. Allerdings muessen wirklich offene Systeme drei Kriterien erfuellen: Herstellerunabhaengigkeit, Portabilitaet und Interoperabilitaet auf der Basis von Standards, also von Normen, die nicht nur von einem einzigen Unternehmen kontrolliert werden.

Microsoft hingegen versteht unter Offenheit etwas anderes: die Freiheit des Anwenders, aus einer Vielzahl von Applikationen zu waehlen. Das hat aber mit Offenheit und Standards herzlich wenig zu tun. Marktmacht kann nicht mit der Offenheit von Systemen gleichgesetzt werden.

Darueber hinaus bestreitet Microsoft generell die Offenheit von Unix - und das, obwohl es seit mehr als zehn Jahren moeglich ist, Anwendungen zwischen den Unix-Varianten unterschiedlicher Hersteller zu portieren.

Microsoft selbst hingegen bietet zum Beispiel mit seiner DCE/RPC-Implementierung keine Sourcecode-Kompatibilitaet zu OSF/DCE. Damit stellt sich das Unternehmen gegen etablierte De- facto-Standards. Zudem ist offen, ob und inwieweit Microsoft unter Windows NT neben 1003.1 auch andere Posix-Standards unterstuetzen wird. Hier ist uns der Anbieter die Beweise bislang schuldig geblieben.