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02.11.2001 - 

Kolumne

"Microsoft sichert sich Märkte von morgen"

Christoph Witte Chefredakteur CW

Jetzt ist es also draußen. Spätestens nach Weihnachten wird Windows XP auf einigen 100 000 Rechnern laufen. Von Microsoft selbst wird es zu einem Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens stilisiert. In einer extrem aufwändigen Werbekampagne suggeriert der Anbieter, das Betriebssystem hieve den guten alten PC auf ein bisher unerreichtes Leistungsniveau. Angesichts der vielen mitgelieferten Hilfs- und Anwendungsprogramme mag das für den Privatanwender sogar zutreffen, die neuen Funktionen haben allerdings nur wenig mit dem Betriebssystem zu tun.

Für Unternehmenskunden stellt XP dagegen keine aufregende Neuerung da. Sie werden sich genau überlegen, wann und worauf sie ihre Clients umstellen. Die NT-User müssen ob der nur noch begrenzten Unterstützung durch Microsoft zwar umsteigen, aber viele haben sich längst für Windows 2000 entschieden.

Also warum die Aufregung? Weil XP Microsofts erstes Betriebssystem ist, bei dem "der Crash kein Feature ist", wie der "Economist" böse schrieb? Nein, die Redmonder dürften sich eher darüber freuen, dass sie endlich das DOS-Erbe hinter sich gelassen und mit XP nun ein Betriebssystem im Endverbrauchermarkt haben, das es ihnen ermöglicht, im Internet Geld zu verdienen - immer vorausgesetzt, es setzt sich so durch wie die anderen Windows-Versionen.

Die ständigen Aufforderungen des Betriebssystems an den Benutzer, sich doch schleunigst beim Authentifizierungsservice Passport anzumelden, zeigen, dass es Microsoft vor allem darum geht, sich in neuen Märkten rund um das Internet auszubreiten. Sind die Nutzer erst einmal registriert, ist es ein Leichtes, ihnen weitere kostenpflichtige Dienste anzubieten.

Darüber hinaus kann Microsoft nicht nur an seinen Endkunden verdienen, sondern auch an Unternehmen, die solche Services anbieten. Parallel zu XP ist bekanntlich .NET auf den Weg gebracht worden, und mit .NET Myservices (früher Hailstorm) schnürt Microsoft ein Servicepaket, das Endkunden ködern, aber auch zum Beispiel Softwareschmieden zeigen soll, wie sich außer mit Softwarelizenzen Geld verdienen lässt: mit auf .NET aufsetzenden Web-Services nämlich.

Microsoft schlägt so zwei Fliegen mit einer Klappe. Auf der einen Seite verdient das Unternehmen an den Services, auf der anderen Seite an der Infrastruktur, die die anderen Serviceanbieter nutzen müssen, um an ihre Kunden zu kommen. Mit den hier entrichteten Gebühren wird Gates viel mehr verdienen als mit dem bisherigen Lizenzmodell. Deshalb herrscht im Hause Microsoft so große Aufregung über das neue Betriebssystem, weil es die Unabhängigkeit vom Softwaregeschäft einläuten kann.