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01.08.2003 - 

Bill Gates kündigt Milliardeninvestitionen und neue Stellen an

Microsoft stärkt Einzelsparten

MÜNCHEN (CW) - Microsoft will seine sieben Geschäftsbereiche mit eigenständiger Finanzverantwortung und mehr Geld für Forschung ausstatten. Offenbar versucht der Softwarehersteller damit, die Abhängigkeit vom Betriebssystem Windows und den Office-Produkten zu verringern.

"Wir stehen erst am Anfang dessen, was sich mit Software alles bewerkstelligen lässt." Anlässlich des jährlichen Finanzanalysten-Meetings Ende Juli in Redmond versuchte Microsoft-Gründer Bill Gates, mit dieser Prognose einer lahmenden Softwarebranche Mut zu machen. CEO Steve Ballmer stieß in das gleiche Horn. Berichte wie zum Beispiel im "Harvard Business Review", IT werde in den nächsten Jahren weniger wichtig sein, bezeichnete er als Blödsinn. Ballmer verglich die Aussichten der Branche mit denen eines Kindes in einem gut bestückten Süßigkeitenladen.

Anders als die meisten Softwareanbieter, die mit schrumpfenden Umsätzen und Gewinnen zu kämpfen haben, trotzt Microsoft mit soliden Einnahmen und Profiten der Branchenkrise. So nahmen die Redmonder im Ende Juni abgelaufenen Geschäftsjahr 2003 knapp 32, 2 Milliarden Dollar ein. Der Gewinn belief sich auf fast zehn Milliarden Dollar. Basis dieses Ergebnisses sind wie seit Jahren die Sparten Windows und Office, die zusammengenommen für fast zwei Drittel der Umsätze verantwortlich sind.

Dass sich diese Erfolgsgeschichte nicht endlos fortsetzen lässt, ahnen wohl auch die Microsoft-Verantwortlichen. Chief Financial Officer (CFO) John Conners warnt vor Euphorie. Zwar würden Kunden allmählich wieder mehr Geld für IT ausgeben. Das für Microsoft so wichtige PC-Geschäft verbessere sich dagegen nur partiell. Außerdem würden sich Conners zufolge die positiven Effekte des neuen Software-Bezahlmodells "Licence 6" im kommenden Jahr nicht fortsetzen. Auch ein Abflauen der Nachfrage nach dem Betriebssystem Windows XP sei zu erwarten.

Grund genug für die Redmonder, sich nach anderen Einnahmequellen umzusehen. Zwar weisen Sparten wie Server-Betriebssysteme, Business-Applikationen oder Entertainment wachsende Umsatzzahlen aus. Eine Gewinn-Verlust-Rechnung für diese Bereiche bleibt Microsoft allerdings nach wie vor schuldig - nicht ohne Grund: Experten attestieren beispielsweise dem Geschäft mit der Spielekonsole X-Box seit dem Start 2001 rote Zahlen. Das soll sich nun mit einer neuen Organisation und zusätzlichen Investitionen ändern.

Ein CFO für jede Division

Ballmer will die finanziellen Angelegenheiten des Tagesgeschäfts direkt an die sieben Microsoft-Divisions delegieren. Jede der Sparten Windows, Server-Software, Mobile Software, Office-Software, Business-Software, Games und die Online-Abteilung MSN (Microsoft Network) soll einen eigenen CFO bekommen. Für einige Positionen habe man Manager von Unternehmen wie Walt Disney, Hewlett-Packard und McKinsey gewinnen können, berichtet Microsoft. Andere Positionen würden intern vergeben.

Analysten bewerten diesen Schritt positiv. So könnten die Geschäftseinheiten in Zukunft unabhängiger und beweglicher agieren, lobt Gordon Haff, Analyst bei Illuminata. Damit werde die dezentrale Struktur, die es bereits bei der Produktentwicklung gibt, auch im Finanzsektor durchgesetzt. Die einzelnen Abteilungen wären nicht weiter an das unflexiblere zentrale Finanz-Management gebunden.

Um produktseitig neue Entwicklungen zu forcieren, will Microsoft seine Forschungsaufwendungen erhöhen. Im laufenden Geschäftsjahr 2004 soll der Etat um acht Prozent auf bis zu 6,9 Milliarden Dollar wachsen. Das bedeutet ein Plus von 500 Millionen Dollar im Vergleich zum letzten Geschäftsjahr. Auch in den folgenden Jahren sollen Ballmer zufolge die Ausgaben für den Bereich Research and Development (R&D) weiter steigen. Außerdem will der Softwarekonzern weltweit zwischen 4000 und 5000 neue Stellen schaffen. Allein in den USA sollen 3000 bis 3500 neue Mitarbeiter angeworben werden. In welchen Bereichen Microsoft die Zahl der Beschäftigten aufstocken will, ist bislang nicht bekannt.

Als Beispiel für die wachsenden Anforderungen im Bereich Forschung nannte Gates das für 2005 erwartete neue Windows-Release, Codename "Longhorn". Zeitgleich sollen verschiedene Produkte wie zum Beispiel eine überarbeitete Office-Version herauskommen. Die Microsoft-Verantwortlichen versprechen mit Longhorn eine verbesserte Integration verschiedener Applikationen über das Windows-Betriebssystem hinaus.

Trustworthy Computing als Basis

Zentraler Bestandteil der künftigen Produktentwicklung soll Gates zufolge "Trustworthy Computing" sein. Wenn es nicht gelinge, die Sicherheitsprobleme zu lösen, könne man auf die anderen Entwicklungen gleich verzichten, so sein Fazit. Auch sein Engagement im Bereich der Business-Applikationen will Microsoft verstärken. So soll bis Ende des Jahres die neue Version 1.2 der Customer-Relationship-Management-(CRM-) Lösung herauskommen. Das Produkt wird dann in neun Sprachen verfügbar sein.

Angesichts einer mit knapp 50 Milliarden Dollar prall gefüllten Kasse dürften die angekündigten Investitionen dem Softwareriesen kaum wehtun. Finanzchef Conners kündigte jedoch an, wegen der schwebenden Verfahren, die noch gegen Microsoft laufen, seine Rücklagen zusammenzuhalten. Zwar bescheinigte Richterin Colleen Kollar-Kotelly, unter deren Regie die Einigung im Kartellrechtsstreit mit dem US-amerikanischen Justizministerium zustande kam, Microsoft Entgegenkommen bei der Erfüllung der Auflagen. So hat das Unternehmen die Lizenzierung seiner Softwaretechnik vergünstigt. Hersteller, die diese in eigene Produkte integrieren wollen, zahlen künftig zwischen einem und fünf Prozent vom damit erzielten Umsatz. Die Vorauszahlungen senkten die Redmonder von 100000 auf 50000 Dollar.

Dennoch, so kündigte Kollar-Kotelly an, werde sie dem Softwaregiganten weiterhin genau auf die Finger sehen. Die bislang halbjährlich angesetzten Anhörungen würden künftig alle drei Monate stattfinden. Trotz allem sei das vergangene Jahr für Microsoft auch unter juristischer Perspektive ein Erfolg gewesen, zieht Ballmer Bilanz. Microsoft habe mehr Verfahren abschließen können als neue eröffnet wurden. (ba)