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09.03.2009

Microsoft strengt Prozess gegen Linux an

Wolfgang Sommergut 
Tomtom, Hersteller von Navigationsgeräten, soll gegen acht Patente verstoßen haben. Anhänger freier Software sehen in der Klage einen Angriff auf Linux.

Microsoft wirft Tomtom vor, mit den Linux-basierenden Navigationssystemen sein geistiges Eigentum zu verletzen. Darunter finden sich zwei der berüchtigten Trivialpatente: Eines schützt ganz allgemein die Verwendung eines Allzweck-Computers in Autos, das andere die Nutzung eines solchen mit drahtlosem Internet-Zugang.

Streitpunkt Dateisystem

Aus Open-Source-Sicht sind drei weitere angebliche Patentverletzungen brisant, die den Zugriff auf Datenträger mit FAT-Dateisystem betreffen. Tomtom liefert sein Kartenmaterial auf SD-Speicherchips aus, die in der Regel mit FAT formatiert werden, um mit Windows-PCs kompatibel zu sein. Bruce Berens, ehemaliger Projektleiter von Debian und Mitautor der Open-Source-Definition, argumentiert deshalb, dass die veraltete Technik aus Redmond nur aufgrund von Microsofts Desktop-Monopol zum De-facto-Standard für Wechseldatenträger geworden sei.

Horacio Gutierrez, Vice President of Intellectual Property and Licensing bei Microsoft, bestreitet, dass sich der Rechtsstreit mit Tomtom gegen Linux insgesamt richte. Vielmehr gehe es um Patentverletzungen in der spezifischen Implementierung des Open-Source-Systems, die der holländische Anbieter von Navigationssystemen einsetze. Harald Welte, deutscher Mitentwickler des Linux-Kerns, kommt aber nach eingehender Prüfung des von Tomtom verwendeten Codes zum Ergebnis, dass es keine herstellerspezifischen Anpassungen für FAT gebe.

Das Vorgehen gegen Tomtom entspricht der zweigleisigen Strategie, die Microsoft gegen die Open-Source-Konkurrenz seit einigen Jahren fährt. Zwar hatte der Softwarekonzern den Linux-Entwicklern erst vor zwei Jahren vorgeworfen, dass der Kernel gegen mehr als 200 Microsoft-Patente verstoße. Das Unternehmen hat jedoch nie rechtliche Schritte gegen freie Projekte unternommen und übt sich neuerdings in Open-Source-freundlicher Rhetorik.

Unternehmen im Visier

Firmen, die freie Software in ihre Produkte integrieren, sind dagegen Zielscheibe von Microsofts Anwälten. Unter dem Druck der Regulierungsbehörden kündigte Microsoft 2003 an, anderen Unternehmen und Open-Source-Entwicklern geistiges Eigentum zugänglich zu machen. Im Rahmen der Initiative "Open for Business" schloss der Konzern bis Ende letzten Jahres mehr als 500 Abkommen zur Cross-Lizenzierung von Technologien.

Diese Unternehmen können nun auf die Analyse von undokumentierten Microsoft-Techniken verzichten und sind rechtlich abgesichert. Für Firmen im Open-Source-Umfeld hat dies aber einen Haken: Die GNU Public Licence, der auch Linux unterliegt, verbietet die Verwendung von Software, wenn diese aufgrund patentrechtlicher Auflagen nicht uneingeschränkt weitergegeben werden kann.

Deshalb werden die Abkommen zwischen Microsoft und Open-Source-Firmen geheim gehalten, um mögliche Verstöße gegen die GPL zu verbergen. Gutierrez räumte im Gespräch mit der "Computerworld" allerdings ein, dass bereits mehrere Linux-Firmen eine FAT-Lizenz von Microsoft erworben hätten.

Für Linux entstehen Kosten

Welte sieht in Microsofts Doppelstrategie den Versuch, den Vormarsch von Linux als eingebettetes System zu bremsen. Die Lizenzzahlungen der Hardwareanbieter sollten den Preisvorteil des freien Systems gegenüber Windows CE egalisieren. Gleichzeitig vermeidet der Konzern negative PR, indem er auf rechtliche Auseinandersetzung mit der Open-Source-Bewegung selbst verzichtet.

FAT, ein DOS-Relikt

Das FAT-Dateisystem ist nicht nur wegen seiner Acht-plus-drei-Namenskonvention technisch veraltet. Die mit Windows 95b eingeführte Version FAT32 lässt zwar lange Dateikennungen zu, beschränkt die Größe einer Datei aber auf maximal 4 GB. Beim Zugriffsschutz sowie bei der Datensicherheit entspricht sie heutigen Anforderungen nicht mehr und wurde deshalb von Microsoft durch NTFS als Standardsystem ersetzt. Da Windows nur wenige Dateisysteme unterstützt und NTFS nicht dokumentiert ist, hat sich FAT trotz seiner Mängel als Austauschformat etabliert. Besonders bei mobilen Datenträgern gilt es als De-facto-Standard, auch weil sich Organisationen wie die SD Association darauf festgelegt haben.