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29.11.1991 - 

Version 2.1 vorerst als Plattform für OS2 und Unix

Microsoft sucht über Windows den Erfolg des LAN Managers

MÜNCHEN (gh) - Was Branchen-Insider vermuteten, scheint sich nun zu bestätigen: Microsoft vollzieht mit dem LAN Manager 2.1 einen Kurswechsel im LAN-Business. Das Upgrade des LAN-Betriebssystems korrespondiert besser mit Windows 3.0, gleichzeitig wird es voraussichtlich 1992 eine zusätzliche Server-Plattform für Windows NT geben. Zudem wollen Gerüchte nicht verstummen, daß die Gates-Company den LAN Manager völlig in die Windows-Produktlinie integrieren wird.

US-amerikanische Marktbeobachter mutmaßten schon im Vorfeld der diesjährigen Networld, wo die neue Version des LAN Managers erstmals - laut Microsoft mit großem Erfolg vorgestellt wurde, daß man seitens Microsoft offensichtlich dazu übergehe, eine neue Netzwerkstrategie auf der Basis des Erfolges von Windows zu verfolgen (vgl. CW Nr. 43 vom 25. Oktober 1991, Seite 34). Die neue Konstellation im LAN-Markt könnte demnach, so wird spekuliert, nicht mehr "LAN Manager kontra Netware" lauten, sondern vielmehr Netz-Services auf dem Server oder Desktop. Anders formuliert: Wer kann mit wem in einer "Distributed Client-Server-Computing"-Umgebung?

Unter dieses Motto jeden stellte die Microsoft Deutschland GmbH die Ankündigung des LAN Managers 2.1 für den deutschen Markt. Dabei wurde deutlich, daß das Unternehmen nun vollends auf die Unterstützung unternehmensweiter Client-Server-Architekturen setzt und auf diese Weise versucht, zum Trendsetter einer neuen Philosophie im Networking zu werden. Grundlage dieses Unterfangens bildet eine wesentlich verbesserte, strategische Integrationsfähigkeit LAN Managers: So unterstützt die Version 2.1 nach Angaben von Microsoft neben OS/2 dem Macintosh-Betriebssystem auch Windows 3.0 und DOS (durch Laden in das Upper-Memory). Wenn die für Ende nächsten Jahres in Aussicht gestellte 32-Bit-Windows-Version NT auf den Markt kommt, soll der LAN Manager auch für das Windows-Upgrade als Server-Plattform (siehe Grafik) zur Verfügung stehen.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird, so Frank Lauer, LAN Product Manager der Microsoft Deutschland GmbH, läßlich der Präsentation, die neue Microsoft-Client-Server-Plattform endgültig Gestalt annehmen. Deren herausragendes Merkmal sei dann - mit de LAN Manager als Serverplattform - die Möglichkeit, Windows-NT-, OS/2- sowie Unix-/ VMS-Server "innerhalb ein Domäne zu verwalten". Was jedoch die weitere Zukunft des LAN Managers als eigenständiges Produkt sowohl in der Windows- als auch in der OS/2-Umgebung angeht, gab sich Lauer gegenüber der COMPUTERWOCHE äußerst bedeckt.

Nicht bestreiten wollt Microsoft-Verantwortliche die Tatsache, daß sein Unternehmen mit der seit einiger praktizierten und nun noch verstärkten Vermarktungsstrategie der Integration beziehungsweise Koexistenz des LAN Managers mit Novell-Netzen beachtlichen Erfolg bei Großanwendern erzielen Nicht bestätigen, auch nicht dementieren konnte Lauer aus den USA kommende Gerüchte, daß Microsoft den LAN Manager in absehbarer Zeit vollends in Windows NT integrieren wolle. Microsofts Chef-Entwickler Steve Ballmer hatte auf der Networld in diese Richtung gehende Spekulationen durch sein klares Bekennntnis zum "Windows-Networking" in Gang gesetzt. Was das Thema OS/2 betrifft, begnügte sich Lauer mit dem knappen Statement: "Der LAN Manager wird 0S/2 weiterhin als Server-Plattform unterstützen."

Neben einer verbesserten Client-Server-Architektur verfügt das LAN Manager Upgrade laut Microsoft mittels eines Dateimanagers über eine funktionale Netware-Anbindung. Desktop-Benutzer können auf diese Weise sowohl von DOS als auch von Windows gleichzeitig eine Verbindung zu LAN-Manager- Server und Netware-Server aufbauen. Zusätzliche Management-Tools und ein implementierter SNMP-Agent gewährleisten darüber hinaus die Bereitstellung von LAN-Manager-Services im unternehmensweiten Netz. Eine weitere Wide-Area-Connectivity-Komponente des LAN Managers 2.1 ist, wie es bei Microsoft heißt, TCP/IP. Das Transportprotokoll wurde voll Hewlett-Packard implementiert und ermöglicht die Vernetzung von Windows-, DOS-, Unix- und OS/2-Clients mit LAN-Manager-Server in LANs und WANs.

Mit der Version 2.1 sind nach Angaben von Microsoft auch vier neue Zusatzprodukte verfügbar. Im einzelnen sind dies die "MS-LAN-Manager-Remote-Access-Services" für die asynchrone Verbindung zum LAN-Manager-Server via Telefon und Modem sowie die "MS-LAN-Manager-Services für den Macintosh" zur Macintosh-Integration in LAN-Manager-Netzen. Für die Entwicklung weiterer LAN Manager-Applikationen unter Windows liefert das Unternehmen ein spezielles "MS-LAN-Manager-Toolkit für Visual Basic" aus, hinzu kommen weitere TCP/IP-Hilfsprogramme als Emulationen für den Zugriff auf Unix-Hosts.

Ein Upgrade-Paket bieten die Unterschleißheimer sowohl den 2-0- als auch dem 3+ Open-Anwendern an. Ehemalige 2.0-Benutzer erhalten einen Preisnachlaß für Installation der neuen Version. Ein "Global Upgrade LAN Produkt" (Gulp) beinhaltet die LAN Manager Software und Upgrade-Werkzeuge für 3Coms 3 + und 3 + Open sowie für HPs LAN Manager für OS/2 und DOS, um den Umstieg auf den LAN Manager 2.1 zu realisieren.

Das für den LAN Manager 2.0 einzeln verfügbare 3Com-Toolkit, mit dem weiterhin die 3Com Value Added Services genutzt werden können, ist Bestandteil des Gulp-Paketes. In der englischen Version soll der neue LAN Manager noch heuer über die Distributoren Adcomp, Microware und Schneider & Koch in den bundesweiten Vertrieb gehen.

Windows: Letzter Trumpf im Ärmel

Oft genug war an dieser Stelle die Rede von den nicht gerade von Erfolg gekrönten Bemühungen der Mannen um Bill Gates, mit dem LAN Manager nachhaltig in die Bastion von Novells Netware einzubrechen. Fehlende Features und falsches Marketing trugen bisher wohl entscheidend dazu bei, daß Microsoft nicht im Entferntesten die eigenen, (zu) hochgesteckten Ziele im LAN-Business erreichte.

Angesichts dieser Konstellation wäre die Präsentation eines LAN-Manager- Upgrades an und für sich keine Kommentarzeile wert - wäre da nicht das Phänomen "Windows". Die Windows-Erfolgsstory erfährt - Unkenrufen zum Trotz - Fortsetzung um Fortsetzung. Was lag da für die Verantwortlichen in Redmond näher, als den ursprünglich in der OS/2-Umgebung angesiedelten LAN Manager neben Unix auch für Windows-Desktops zu öffnen - IBM beziehungsweise OS/2 lassen grüßen!

Den Finanzchefs bei Microsoft ist es sicherlich egal, mit welcher Strategie Umsatzzuwächse erzielt werden. Wenn die Anwender den LAN Manager schon nicht statt Novells Netware installieren, dann wenigstens, so ein weiterer Aspekt Verkaufsdoktrin, in Koexistenz mit dem System des Netzwerkprimus aus Provo.

Dem Redmonder Softwaregiganten steht allerdings nicht nur in puncto OS/2 kontra Windows unter Umständen schlechtes Wetter ins Haus. Auch Novell nimmt mit Hilfe von Digital Researchs DR DOS verstärkt die PC-Betriebssystemseite ins Visier. Mit Windows jedenfalls, so scheint es, setzt Microsoft im LAN-Business auf seinen letzten Trumpf. Sticht dieser (Windows NT), könnten vorschnelle Propheten doch noch recht behalten: Der LAN Manager wird vom Markt verschwinden - allerdings nur als eigenständiges Produkt.