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24.02.2006

Microsoft trimmt ERP auf Dynamics-Kurs

Die Funktionen der Business-Software sollen in einer Web-Services-Plattform zusammenfließen.

Die Dynamics-Strategie von Microsoft Business Solutions hat zum Ziel, die vier unterschiedlichen ERP-Systeme zu harmonisieren. Im Gegensatz zu früheren Plänen ("Project Green"), die einen radikalen Schnitt bedeutet hätten, will der Hersteller die Lösungen Stück für Stück zusammenführen.

Hier lesen Sie …

• wie Microsoft die ERP-Linien mit Office integriert;

• was der Hersteller unter Benutzerrollen ("Personas") versteht;

• wie die künftige Softwareplattform "Dynamics" aussehen soll;

• erste Details zum Release 5.0 von Dynamics Nav (vormals "Navision").

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www.computerwoche.de/go/

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Der erste Schritt (Microsoft spricht von "Wave 1") der Harmonisierung betrifft die Benutzerschnittstelle. Der Fokus liegt hier auf der Integration von Office und "Sharepoint" sowie kontextuellen Business-Intelligence-Funktionen (BI).

Gemeinsames Interface

Mit der Office-Kopplung tritt das klassische ERP-Interface in den Hintergrund. Anwender, die ohnehin schon mit Programmen wie Outlook oder Word arbeiten, können künftig damit auch an betriebswirtschaftlichen Prozessen teilnehmen. "Um eine E-Mail zu schreiben, muss der ERP-Anwender heute noch in eine andere Anwendung wechseln. Gleiches gilt, wenn er seinen Kalender konsultiert. Dies wird künftig nicht mehr erforderlich sein", erläutert Jan Sillemann, Director Product Management für Dynamics Nav (vormals "Navision"). Die Version 5.0 von Dynamics Nav soll im vierten Quartal dieses Jahres erscheinen. Ein einheitliches Repository für Office-Files und Nav-Daten wird es zwar nicht geben. Gleichwohl werden sie dem Anwender so präsentiert werden, als wären die Informationen in einem einzigen System gespeichert. Das Frontend nutzt darüber hinaus die Merkmale der Benutzeroberfläche von "Vista", dem nächsten Release von Windows.

Gedacht sind diese Features nicht nur für die Fachleute in den Unternehmen, die bereits heute ERP-Frontends verwenden, sondern vor allem für Sachbearbeiter, die nur gelegentlich Buchungen abwickeln oder Geschäftsdaten abrufen. Somit hat die Office-Einbindung auch zum Ziel, dass Kunden mehr Lizenzen erwerben, damit auch diese Mitarbeiter auf das ERP-System zugreifen können.

Die Benutzerschnittstelle soll näher als bisher an den Aufgaben beziehungsweise Rollen der Mitarbeiter ausgerichtet sein. Während ERP-Frontends heutiger Prägung sich eher an den Funktionsgruppen Software orientieren, sollen künftige Benutzerschnittstellen auf Rollen basieren. Microsoft hat hierzu 50 "Personas" definiert, die die wichtigsten generischen Rollen von Anwendern in einer Firma beschreiben.

Einen kleinen Vorgeschmack auf eine enger an Bedürfnissen von Benutzern orientierte In- terface-Technik hatte der Softwarekonzern bereits mit Navi- sion 4.0 geliefert. Wenn ein Anwender einen Kundenauftrag in einer Maske betrachtet, kann er über Auswahlpunkte in andere Aufträge des Kunden verzweigen.

Vermehrt benötigen Anwender, die bislang keinen ERP-Zugriff hatten, Informationen aus Business-Systemen. Auch mit dieser Entwicklung hatte Microsoft grundsätzlich schon mit der Version 4.0 begonnen. "Wir adressieren in Version 5.0 eine neue Gruppe von Benutzern", so Sillemann. Business-Intelli- gence-Funktionen sollen dem Alltagsnutzer zur Verfügung stehen. Mit kontextuellem BI meint Microsoft eine Datenanalyse, die dem Anwender im jeweiligen Prozesskontext zur Verfügung steht. Wer einen Kundendatensatz betrachtet, soll in der Lage sein, Vertriebsstatistiken zu diesem Kunden abzurufen. Die Kaufhistorie kann der ERP-Nutzer zudem nach Excel exportieren. Eine direkte Kopplung erlaubt es, Drill-down-Funktionen zu nutzen beziehungsweise Daten im ERP-System via Excel zu verändern, sofern dazu die Berechtigung besteht.

Individuelle Data Cubes

Anwendern möchte Microsoft ein Werkzeug an die Hand geben, um eigene Analysefunktionen hinzuzufügen. Zwar liefert Microsoft mit dem "Business Analytics Viewer" ein Tool aus, doch das genügt Sillemann zufolge in seiner jetzigen Form nicht: "Der Viewer sieht in Demos gut aus, doch wir wollen dem Kunden helfen, Data Cubes zu bauen und zu verwalten." Für einige der Personas soll es vorkonfigurierte BI-Ansichten geben.

Voraussetzung für die neuen BI-Funktionen ist die Datenbank SQL Server nebst den "Reporting Services". Anwender, die auf der nativen C/Side-Datenbank arbeiten, werden diese Features nicht nutzen können, da nur die Microsoft-Datenbank Data Cubes zur Verfügung stellt.

Zwei Datenbanken

Firmen nutzen zum Teil C/Side für den operativen Betrieb und haben parallel dazu eine SQL-Server-Datenbank für die Geschäftsdatenanalyse im Einsatz. Andere installieren ihre ERP-Umgebung gleich auf der SQL-Datenbank. Nach Angaben von Sillemann realisieren neue Softwarepartner des Konzerns Projekte vorwiegend mit dem SQL Server. Trotz ihrer Limitierungen will der Hersteller jedoch auch weiterhin an C/Side festhalten. "Wir werden die native Datenbank niemals einstellen. Sie wird mit .NET kombiniert werden", stellt Mogens Elsberg fest. Er ost als General Manager für Dynamics NAV verantwortlich.

Doch die Version 5.0 soll mehr liefern als nur eine schöne Office-Integration. Mit dem Release soll die bisherige Zwei-Schichten-Architektur einer moderneren Drei-Schichten-Architektur weichen. Bisher stützt sich Dynamics Nav auf einen "fetten" Client sowie einen Server mit integrierter Datenbank. Künftig soll es eine klare Trennung geben zwischen Client, Applikations-Server und Datenbank. Wie aufwändig für die Anwender aktueller Navision-Releases die Migration sein wird, da unter Umständen alle Clients im Unternehmen angefasst werden müssen, vermag Sillemann noch nicht abzuschätzen.

Microsofts "Dynamics AX" folgt schon lange dem Dreischichtenkonzept. Die vormals als "Axapta" bekannte Business-Software trennt schon immer klar zwischen Client, Applikations-Server und Datenbank.

Dynamics AX basiert auf einer objektorientierten Softwarearchitektur. Die Geschäftslogik liegt in über 5000 Klassen vor. Diese Modularisierung kommt nach den Worten von Mark Jensen, als General Manager verantwortlich für das Produkt, dem Konzept der Dynamics-Plattform schon recht nah.

Dynamics ist eine auf .NET basierende Softwareplattform, auf der langfristig alle Business-Lösungen laufen sollen. Noch verfügen die vier ERP-Produkte - neben Dynamics AX und Nav noch SL (vormals Solomons) und Great Plains - über unterschiedliche Applikations-Server und Datenmodelle. In den nächsten Jahren, die Pläne reichen über 2008 hinaus, sollen diese Programme dann auf Dynamics aufsetzen. Trotz dieser Harmonisierung der technischen Infrastruktur sollen die Applikationsfunktionen erhalten bleiben.

Microsoft nennt diesen Entwicklungsabschnitt, der auf die Harmonisierung der Benutzerschnittstelle folgt, "Wave 2". Dann sollen die Lösungen die gleiche Datenbankplattform, den gleichen Applikations-Server und mit Visual Studio .NET ein einheitliches Werkzeug für kundenspezifische Anpassungen erhalten. Verbindungen zu Drittsystemen werden über den "Biztalk Server" hergestellt.

Repository für Prozesse

Im Endausbau wird Dynamics eine "Process Library" enthalten. Dort lagert Microsoft als Web-Services gekapselte Funktionen der vier ERP-Lösungen ein. Auf diese Weise sollen Anwender die heute noch tief in den einzelnen Applikationen versteckten Features über eine Business-Process-Management-Engine in neuen Funktionszusammenhängen verwenden können. Der Anwender bedient dann ein auf seine Aufgaben zugeschnittenes Frontend, das sich der unterschiedlichen Bausteine der Process Library bedient.

Durch das Einspielen neuer Releases sollen Anwender heutige ERP-Installationen schrittweise in Richtung Dynamics führen. Nach Angaben von Microsoft müssten sich Kunden von Dynamics Nav keine Sorgen machen, denn der Funktionsumfang bleibe erhalten, es ändere sich lediglich die zugrunde liegende Architektur.

Vergleichbare Architekturen

Microsofts Dynamics-Strategie erinnert stark an die Konzepte, die SAP mit der "Business Process Platform" (BPP) verfolgt. Dieses Applikations-Framework stützt sich auf Netweaver und das Enterprise Services Repository, das wie Microsofts Process Library Funktionen unterschiedlicher Softwarelösungen der Walldorfer sowie der von Partnerprodukten enthält.

Oracle hat mit den "Fusion Applications" und der "Fusion Middleware" Ähnliches vor. Die Funktionen der Applikationen von J.D. Edwards, Peoplesoft, Retek und der eigenen "E-Business-Suite" sollen als Web-Services in einer Geschäftsprozessplattform zur Verfügung gestellt werden.