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16.03.2001 - 

Für das Auktionshaus ein Deal zur rechten Zeit?

Microsoft und Ebay kooperieren bei E-Commerce

MÜNCHEN (CW) - Das Online-Auktionshaus Ebay Inc. und Microsoft haben eine Allianz geschlossen. Ziel der Kooperation ist, E-Commerce-Applikationen zu entwickeln und die Web-Präsenz der Unternehmen zu stärken. Für Ebay kommt diese Nachricht möglicherweise zur rechten Zeit: Eine Finanzanalystin äußerte Bedenken bezüglich des Aktienkurses des Online-Auktionators.

Die beiden Unternehmen wollen im Zuge der Zusammenarbeit verschiedene Auktionsangebote von Ebay auf Internet-Seiten von Microsoft installieren - gedacht ist etwa an das Portal MSN oder an den Online-Autohandel "Car Point". Auch Microsofts Geschäftsportal für Kleinunternehmen, "Bcentral", soll mit Softwarewerkzeugen von Ebay für Versteigerungsverfahren ausgestattet werden. Über Bcentral können Unternehmen dann direkt bei Ebay Angebote platzieren und versteigern lassen.

Ebay öffnet seine APIsDer Online-Versteigerer wird künftig Microsofts Entwicklungsplattform "Visualstudio.Net" sowie den "Passport"-Service nutzen. Bei Letzterem handelt es sich um ein Zugangskontrollverfahren, das die Gates-Company entwickelte, um den Eintritt und das Agieren auf verschiedenen E-Commerce-Seiten sowie die Online-Bezahlung dort zu erleichtern. Mit Passport soll auch der Zugang auf Auktionsseiten via Handy erleichtert werden.

Ebay wird zudem seine proprietären Schnittstellen "Ebay API", für die es seit vergangenem November Lizenzrechte an Entwickler vergibt, als Web-Service verfügbar machen. Hierzu nutzt das Unternehmen Microsofts Simple Object Access Protocol (Soap). Soap ist eine Mixtur aus HTTP und XML, die es verschiedenen Applikationen möglich machen soll, über das Internet Daten untereinander auszutauschen.

Indem es seine Transaktionsprozess-Technologie via Soap für Entwickler verfügbar macht, verspricht sich Ebay einen sprunghaften Anstieg eben der Transaktionen, die über sein System laufen. Die jetzt beschlossene Kooperation sei, sagten beide Unternehmen, weiter ausbaufähig. So ließen sich etwa Ebay-Services künftig fester mit "Windows XP" verknüpfen, Microsofts kommender Betriebssystem-Version. Erklärte Microsofts Vorstandsvorsitzender Steve Ballmer: "Wenn Sie sich in Windows XP einloggen, werden Sie auch in Ebay eingeloggt sein."

Schließlich hat sich Ebay im Zuge der Kooperation bereit erklärt, seine Web-Server von NT auf Windows 2000 zu portieren. Allerdings wird der Auktionator auch weiterhin "Solaris", das Unix-Betriebssystem von Sun Microsystems, für seine Backend-Datenbank- und Applikations-Server nutzen. Der jetzt mit Microsoft geschlossene Pakt steht auch Vereinbarungen, die Ebay mit AOL getroffen hat, nicht im Wege, hieß es. Außerdem habe Ebay auch weiterhin die Möglichkeit, seine Technologie für andere Applikationsumgebungen offen zu halten.

Ebay dürfte sich über die Zusammenarbeit mit Microsoft auch insofern freuen, als sie möglicherweise die Warnsignale übertönt, die von Holly Becker stammen. Becker ist Analystin bei Lehman Brothers. Sie veröffentlichte gerade einen pessimistisch gehaltenen Report über die Aussichten der Ebay-Aktie. In der mit "The good, the bad, and the ugly" getitelten Analyse schreibt Becker, "das Unternehmen (Ebay, Anm. d. Red.) muss die Einschätzungen für das Jahr 2001 schon erheblich revidieren, um den momentanen Kurswert zu übertreffen".

Ebay ist auf Akquisitionen angewiesenSolch eine positive Entwicklung sei aber nicht zu erwarten. Das Kerngeschäft verlangsame sich. Ebay sei, um wachsen zu können, zudem auf Akquisitionen angewiesen. Außerdem gebe es im Zusammenhang mit neuen Initiativen von Ebay noch einige Risiken bezüglich deren Verwirklichung.

Becker zeigt insbesondere wegen der Bewertung von Ebay große Besorgnis: Das Unternehmen werde 119-mal höher bewertet als die Einkommensprognosen von Lehman Brothers für 2001 prognostizieren. Bei einem Kurswert von 39 Dollar, bei dem die Ebay-Aktie vor Bekanntgabe der Becker-Analyse pendelte, entspreche dies einer Kapitalisierung von elf Milliarden Dollar: "Das ist ein unvorteilhaftes Risiko-Rendite-Verhältnis." Nach Bekanntwerden der Becker-Einschätzung sank der Kurs der Ebay-Aktie um 5,13 auf 34 Dollar. Im vergangenen Jahr hatte der Titel eine Berg- und Talfahrt zwischen 127,50 und 26,75 Dollar erlebt.