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Die Apple-Klage sorgt für Aufregung unter Softwareentwicklern:

Microsoft und IBM beruhigen die Branche

08.04.1988

FRAMINGHAM (IDG) - Trotz des Rechtsstreits, den Apple wegen Urheberrechtsverletzungen gegen Microsoft und Hewlett-Packard angeregt hat (COMPUTERWOCHE Nr. 14 vom 1. April 1988, Seite 6), werden die meisten Softwarehersteller weiter an Programmen für den Presentation Manager von IBM arbeiten. IBM und Microsoft haben bereits erklärt, daß das Verfahren weder die weitere Entwicklung des Presentation Managers noch die von Microsoft Windows beeinträchtigen werde.

Microsoft-Chairman William Gates meinte, der Prozeß werde auf Windows keine Auswirkungen haben. Seine Firma werde nichts an ihren Programmen ändern. Außerdem könne er die Vorgehensweise von Apple nicht verstehen. Ähnlich reagierte William P. Lyons, bei IBM General Manager für die Vermarktung der Personal Systems: "Wir setzen unsere Arbeit am Presentation Manager unverändert fort." Nach seinen Worten will IBM den Presentation Manager auf jeden Fall wie geplant im Oktober ausliefern. Lyons lehnte es jedoch ab, Näheres über IBMs Position zur Apple-Klage zu sagen.

Microsoft räumte unterdessen die Bedenken von Drittentwicklern durch die Aussendung von hunderten E-Mail-Memos und Briefen aus, in denen sie versicherte, daß die Entwicklung von Windows weitergehen werde.

Auf einem Treffen der Boston Computer Society betonte William C. Lowe, President von IBMs Entry Division, daß alle Details am Presentation Manager allein von IBM und Microsoft entwickelt worden seien. Deshalb sei er überzeugt, daß alle Urheberrechtsklagen zum Scheitern verurteilt sind.

Der einzige größere Softwareentwickler, der wegen der Apple-Klage seine Pläne geändert hat, ist Borland International. Die Weiterentwicklung einer Windows-Version der Paradox-Datenbank von Borland wurde eingestellt, obwohl die Arbeiten daran bereits zu 80 Prozent vollendet waren. Borland-President Philippe Kahn sieht im möglichen Ausgang des Verfahrens zu viele Unsicherheiten. Sein Unternehmen könne nur für Systemumgebungen Programme entwickeln, die mit Sicherheit über Jahre hinweg ausgeliefert werden. Er meint aber, daß die Zukunft von Windows durch den aktuellen Rechtsstreit gefährdet ist. An der Paradox-Version für den Presentation Manager werde Borland jedoch weiterarbeiten.

Als eine der wenigen rechtlichen Handhaben für Apple sehen Branchenkenner die Urheberrechte an bewegten Icons. Während die Icons bei Windows Version 1.04 am unteren Bildschirmrand waren und nicht bewegt werden konnten, bot Version 2.03 diese Möglichkeit und machte die Benutzerführung damit Macintosh-ähnlich. Hewlett-Packards Systemumgebung New Wave benutzt ebenfalls viele bewegliche Icons und gleicht damit noch mehr dem Macintosh-Erscheinungsbild. Apple wirft HP vor, urheberrechtlich geschützte Windows-2.03-Routinen in New Wave verwendet zu haben. Diese Routinen seien von Apple entwickelt worden und per Lizenz an Microsoft weitergegeben worden. Diese Lizenz dürfe nach Apple-Ansicht von Microsoft jedoch nicht an Dritte - in diesem Fall HP - weitergegeben werden.

Paul Grayson, Chairman von Micrografix Inc. im texanischen Richardson, meint, Apple könne sich mit der Klage ins eigene Fleisch schneiden. Er erinnerte an einen Fall aus dem Jahr 1984. Damals geriet ein Kopfschmerzmittel durch Giftattentate ins Gerede. Zunächst ging der Verkauf des Mittels stark zurück. Doch durch die verstärkte Berichterstattung über das Medikament wurde sein Name zu einem Markennamen, den bald jeder kannte. Das Mittel verkauft sich heute besser denn je. Apple mache nach Graysons Ansicht den Fehler, in seiner Klageschrift ständig zu betonen, wie ähnlich Windows und New Wave dem Macintosh-Bildschirm seien. Damit könnte schließlich die Nachfrage nach den beiden Programmen steigen.