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25.10.2002 - 

Kunden reagieren auf neues Lizenzmodell

Microsoft verdoppelt Nettogewinn

MÜNCHEN (CW) - Von seinem umstrittenen Lizenzmodell profitiert Microsoft in unerwarteter Weise. Viele Kunden erneuerten im abgelaufenen ersten Quartal noch die vorteilhaften alten Softwareverträge. Der Nettogewinn verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahr, die Umsätze stiegen um 26 Prozent.

Das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres beendet Microsoft mit einem Paukenschlag. Während etliche große Softwareanbieter mit Umsatz- und Gewinneinbrüchen kämpfen, verbucht der Konzern aus Redmond einen Nettogewinn von 2,73 Milliarden Dollar (50 Cent pro Aktie), mehr als doppelt so viel wie vor Jahresfrist, als ein Profit von 1,28 Milliarden Dollar oder 23 Cent je Aktie zu Buche stand. Analysten hatten mit höchstens 43 Cent Gewinn gerechnet.

In der zum 30. September beendeten Abrechnungsperiode steigerte der Softwareriese auch den Umsatz um 26 Prozent auf 7,75 Milliarden Dollar. Finanzchef John Connors sprach allerdings von einem "einzigartigen" Ergebnis. "Die Kunden haben unser Lizenzprogramm stärker als erwartet angenommen", so der CFO, viele hätten die Vorteile langfristiger Lizenzvereinbarungen erkannt. Diese Aussage dürfte einige Abnehmer überraschen, denn Microsoft-Chef Steve Ballmer hatte erst kürzlich eingeräumt, dass die neuen Verträge in einigen Fällen zu Mehrkosten führen können.

Bei genauerem Hinsehen hat sich das "Licensing 6.0" genannte Modell denn auch eher indirekt auf die Ergebnisse ausgewirkt. Mit sanftem Druck versucht Microsoft damit, seine Kunden zum Abschluss eines Softwareabonnements ("Software Assurance") zu bewegen. Unternehmen erhalten dabei gegen regelmäßige Zahlungen jeweils aktuelle Softwareversionen, unabhängig davon, wie häufig sie tatsächlich upgraden wollen. Wer den vorgegebenen Zyklus nicht mitmacht, muss mit deutlich höheren Gebühren rechnen. Bis zum 31. Juli konnten sich Anwender allerdings noch über die Vertragsvariante "Upgrade Advantage" die alten Konditio-nen sichern. Diese Option haben unerwartet viele Kunden wahrgenommen, wie Connors erläuterte.

Die finanziellen Auswirkungen solcher längerfristigen Verträge sind abzulesen an der starken Zunahme bereits verbuchter Verkäufe, für die noch keine Zahlungen eingegangen sind. Microsoft führt diese noch nicht realisierten Umsätze unter der Bezeichnung "deferred revenue". Der Wert dieser Posten stieg im Vergleich zum ersten Quartal 2001 von 5,85 auf 9,13 Milliarden Dollar. Wie viel davon noch auf alte Verträge entfällt oder wie viele Kunden tatsächlich auf die seit 1. August gültige Software Assurance umgestiegen sind, schlüsselt das Unternehmen nicht auf.

Laut Connors ist jedenfalls nach der abgelaufenen Frist für Upgrade Advantage nicht mehr mit einem ähnlichen Schub zu rechnen. Er warnte zudem vor einer weiter ungewissen wirtschaftlichen Entwicklung. Auch Ballmer bezeichnete die Zuwächse in einem Fernsehinterview als einmalig, die Geschäftsbedingungen blieben weltweit schwierig.

Verhaltener Ausblick

Im Zusammenhang mit dem überraschenden Wachstum sind zudem auch die hohen Abschreibungen auf Investitionen zu berücksichtigen, die Microsofts Gewinn im ersten Quartal 2001 gedrückt haben. Sie beliefen sich vor einem Jahr noch auf 1,22 Milliarden Dollar, während in der abgelaufenen Periode lediglich 291 Millionen veranschlagt wurden. Profitiert hat der Hersteller in den vergangenen drei Monaten auch von Währungseffekten, die sich ändern können.

Im laufenden zweiten Quartal geht Microsoft von einem Umsatz zwischen 8,5 und 8,6 Milliarden Dollar aus. Der Gewinn pro Aktie könne 45 oder 46 Cent betragen und würde damit unter den Analystenerwartungen von 50 Cent liegen. Für das zum 30. Juni 2003 endende Geschäftsjahr rechnet Ballmer mit einem Umsatz von 32,2 bis 32,6 Milliarden Dollar und einem operativen Gewinn zwischen 14,1 und 14,4 Milliarden Dollar. (wh)

Abb: Quartalsgewinne

Das überaschende Gewinnwachstum im ersten Quartal wird sich laut Microsoft voraussichtlich nicht fortsetzen. Quelle: Microsoft