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IT-Leiter sind unzufrieden


19.01.2015 - 

Microsoft verspielt sein Vertrauen

Horst Ellermann ist Herausgeber des CIO-Magazins.
Der Software-Riese droht mit "friendly" Audits, stellt Kunden unter Generalverdacht und will sie an die Cloud binden. Drei IT-Verantwortliche von Unternehmen berichten, wie die Geschäftsbasis zu zerbrechen droht.

Die Liste ist lang: Microsoft überfordere Unternehmen mit seinen Lizenz- und Nutzungsmodellen, ver­tusche Lizenzinformationen und drohe mit Audits. "Micro­soft nutzt sein Monopol bei Office und Windows und untergräbt dabei das über Jahre aufgebaute Vertrauen in die Konstanz von Verträgen und Preisen", sagt Hans-Joachim Popp, CIO des "Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt" (DLR).

Zudem gehe Micro­softs neue Leitstrategie "Mobile First - Cloud First" an den Anforderungen vieler Unternehmenskunden vorbei, so Thomas Schott, CIO von Rehau. Er befürchtet wie sein Kollege Erich Ehbauer, CIO von Apollo-Optik, dass die neue Strategie seine Investitionen in Microsoft-Lösungen wertlos macht. Alle drei CIOs halten die Cloud sogar für eine Waffe in der Lizenzpolitik von Microsoft.

Grund genug für uns, ihnen dazu ein paar Fragen zu stellen.

Sie werfen Microsoft vor, seine Lizenzpolitik zu verschärfen. Woran machen Sie das fest?

Thomas Schott: Laut Microsoft will man Großkunden künftig alle drei Jahre einer weltweiten Lizenzüberprüfung unterziehen, so auch Rehau in diesem Jahr. 2014 waren bislang Argentinien und die Schweiz im Fokus.

Thomas Schott, CIO bei Rehau: "Wir werden Office 2007 rund acht Jahre lang einsetzen und damit mehrere Millionen Euro sparen."
Thomas Schott, CIO bei Rehau: "Wir werden Office 2007 rund acht Jahre lang einsetzen und damit mehrere Millionen Euro sparen."

Erich Ehbauer: Ich habe ein Audit bekommen. Auslöser waren die CALs in den Filialen für die zentralen Windows-Server. Microsoft hielt die Situation in unseren Filialen für undurchsichtig. Streitpunkt sind zum Beispiel die Mitarbeiter, die wenige Stunden pro Woche arbeiten. Für die kann ich keine volle Lizenz bezahlen. Auch die Anzahl der Geräte zu lizenzieren hilft uns nicht weiter, auch hier werden viele Clients sehr selten benutzt. Bei den Verhandlungen vor zwei Jahren für Office 365 waren wir auf einem guten Weg, ich bekam ein Angebot, das auf Kiosk-Lizenzen für Office 365 basierte und in der Filiale immer vom aktuell anwesenden Verantwortlichen benutzt werden durfte. Das hat Microsoft aber jetzt gekippt. Nun habe ich mein erstes Audit überhaupt. Microsoft nennt es ein "friendly Audit".

Hans-Joachim Popp: Witziger Ausdruck. Klingt in meinen Ohren wie: Wir können auch anders.

Ehbauer: Ja, so muss man das sehen. Friendly Audit heißt ja nur, man kann den Partner wählen, mit dem man dann zusammen die Lizenzsituation prüft. Dafür werden wir etwa 50 Manntage aufwenden und rund 40.000 Euro für den Partner bezahlen müssen.

Microsoft traut Ihnen offenbar nicht mehr zu, die Lizenzierung sauber handzuhaben. Ist die Situation in Ihren Unternehmen so schwer nachzuvollziehen?

Ehbauer: Unsere Zahlen sind valide. Wir haben 798 Filialen in Deutschland und lizenzieren immer pro Filiale. Das mache ich mit anderen Lieferanten ebenso.

Popp: Microsoft verkompliziert die Lizenzierung gerade enorm. Das Enterprise Agreement war bislang eine sichere Angelegenheit, weil es auf Unternehmensgröße und -ausstattung basierte. Es reichte, die Anzahl der Mitarbeiter zu nennen. Das möchte Microsoft jetzt zurückdrehen, ohne sich der enormen Auswirkungen für den Geschäftsbetrieb bewusst zu sein.

Der Nachweis von gezählten Lizenzen würde sich drastisch ändern. Nun sollen wir die Programme auf jedem Rechner und deren Lizenzen genau erfassen. Das ist ein Riesenproblem. Bei mir haben die meisten Wissenschaftler mehrere Rechner. Und jetzt sollen wir jede einzelne Lizenz zählen? Das wirft große administrative Probleme auf, die richtig Geld kosten.

Schott: Zudem bleiben die Regularien, um die Compliance zu erhalten, ziemlich komplex. Microsoft rühmt sich zwar, den EA-Rahmenvertrag von 30 Seiten auf acht reduziert zu haben, allerdings bleiben die komplexen Regeln für alle Einzelprodukte bestehen. Etwa wenn ich Hardware außer Betrieb nehme, muss ich auch die OEM-Windows-Lizenzen neu kaufen - sogar wenn ich sie im Enterprise Agreement habe.