Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

26.07.1991 - 

Entwicklerwerkzeuge für Windows 3.0

Microsoft: Visual Basic muß sich der Konkurrenz erwehren

MÜNCHEN (CW) - Mit "Visual Basic" (VB), einem Entwicklerwerkzeug für Windows-Applikationen, schafft sich Microsoft zu seinem Windows Software Development Kit (SDK) Konkurrenz im eigenen Haus. Nicht genug damit, das neue Programmiersystem muß sich mit leistungsfähigen Mitbewerbern anderer Hersteller herumschlagen.

VB - Kodename war "Thunder" - soll gegenüber dem Windows SDK sehr viel niedrigere Anforderungen an Programmierkenntnisse und an die Dauer der Einarbeitungszeit von Entwicklern stellen.

Mit dem gleichen Argument werben jedoch auch die Within Technologies Inc. aus Mount Laurel, New Jersey, für ihre "Realizer"-Entwicklersoftware und die GFA Software Technologies Inc. aus Salem in Massachusetts für ihr "GFA-Basic for Windows" .

Bereits jetzt flankiert eine ganze Reihe von Third-Party-Herstellern VB mit eigenen Produkten und wertet Microsofts Entwickler-Tool auf. Dazu gehört auch die Attachmate Corp., deren neue Kommunikationssoftware "Extra for Windows" für Micro-Mainframe-Verbindungen VB unterstützt. Die Gates-Firma selbst bringt zudem "Visual Basic Library for SQL Server" heraus, womit Anwendern der Zugriff auf SQL Server ermöglicht wird.

VB, das in der englischen Version ab sofort und in der deutschen Version im August 1991 für etwa 600 Mark verfügbar sein soll, besteht aus drei Komponenten und einer integrierten Online-Hilfe: Wie der Name andeutet, muß der Programmierer sich bei seiner Arbeit nicht so sehr auf das Schreiben von Codezeilen konzentrieren. Vielmehr kann er sich aus einem "Werkzeugkasten" (Toolbox) entsprechend vorgegebene Steuerelemente auswählen, sie auf Arbeitsflächen (Formularen) anordnen und so die Oberfläche einer Windows-Applikation entwerfen.

Zu diesen Steuerelementen gehören Kommando- und Options-Buttons, Check-, List- und Combo-Boxen, Textfelder, Labels, Bildsymbole - in diesen wiederum können Icons, Bitmaps und Windows-Metadateien dargestellt werden - Timer, Rahmen, Rollbalken und Datei-Steuerelemente zur Darstellung von Laufwerken, Verzeichnissen und Dateiboxen.

Steht die Oberfläche fest, werden den Steuerelementen spezifische Eigenschaften zugeordnet. Hierzu gehören etwa Inhalte von Textfeldern, Farben eines Formulars sowie Größe und Position der Steuerelemente. Auf diese Weise lassen sich komplette Menüs entwerfen. Erst wenn ein Formular alle gewünschten Elemente enthält, beginnt die eigentliche Programmierarbeit von VB.

Hierbei kommt die zweite Komponente des Windows-SDK-Rivalen zum Tragen: Die sogenannte ereignisorientierte Programmiersprache greift auf ein Subset von "Quick Basic" zurück.

Ereignisse wie beispielsweise das Anklicken einer Maus oder das Betätigen einer Taste erkennt und verarbeitet die Entwicklungssoftware automatisch. Der Entwickler braucht sich deshalb nicht mit der Verarbeitung von Ereignissen auf Maschinenebene oder mit dem Weiterleiten von Nachrichten abzugeben. Er legt lediglich fest, wie ein Steuerelement in einer Applikation auf ein bestimmtes Ereignis reagieren soll.

Schließlich gehört zum Visual-Basic-Paket noch ein Compiler und Debugger. Erstmals 1987 bei Quick Basic, Version 4.0, eingeführt, kombiniert die auch in VB eingesetzte Threaded-P-Code-Technologie Eigenschaften eines Compilers mit denen eines Interpreters. Das heißt, jede eingegebene Programmzeile wird sofort in einem Zwischencode überprüft.

Konkurrenz von VB soll schneller sein ...

Der Programmierer wird hierbei gleich auf Syntaxfehler aufmerksam gemacht. Bei Auftreten eines Laufzeitfehlers oder bei vom Programmier gesetzten Haltepunkten läßt sich das Programm stoppen und mit Hilfe des Debuggers im Einzelschrittmodus ausführen.

"Fertige" Applikationen können in eine EXE-Datei umgewandelt und auch außerhalb der Visual-Basic-Umgebung zur Ausführung gebracht werden. Mit dem Programmiersystem sind sowohl Zugriffe auf dynamische Link Libraries (DLL) möglich als auch der Datenaustausch über die Dynamic-Data-Exchange-Funktion (DDE).

Nicht unterstützt wird hingegen die OLE-Technologie (Object Linking and Embedding). Microsoft arbeitet aber an Bibliotheken, die diese Funktion unterstützen. Auch die Multimedia-Erweiterungen für Windows sollen erst in einer zukünftigen Programmversion unterstützt werden.

Überdies kann der Entwickler mittels des von Microsoft gelieferten "VB Control Development Kits" (CDK) die von Haus aus mitgelieferten Steuerelemente durch eigene erweitern. Allerdings benötigt man hierzu außerdem noch das Windows-SDK und einen C-Compiler. Zum Lieferumfang von VB gehören eine Clip-Art-Library mit über 400 Windows-Icons und drei Beispielapplikationen.

VB, dem Fachleute bei seiner Vorstellung einen durchaus wohlwollenden Empfang bereiteten, muß sich allerdings mit leistungsstarken Konkurrenzprodukten herumschlagen. Die Entwickler von Within Technologies und von GFA beanspruchen beide, daß ihre Entwicklungsumgebung schneller sei als die von Microsoft. Mit dem Realizer-Produkt von Within müsse der Programmierer auch nicht auf objektorientierte Techniken umdenken. Bob Orbach, President der gleichnamigen New Yorker Consulting-Firma, bezweifelt allerdings, daß diese und andere Vorteile ausreichen, um der mächtigen Microsoft Corp. und VB wirklich Konkurrenz zu machen.

Realizer besteht aus einem strukturierten Superset von Basic. Im Gegensatz zu VB (mindestens 1 MB) benötigt das Within-Entwicklerwerkzeug nur 640 KB Arbeitsspeicher.

Within reklamiert ferner, das effizientere Entwickler-Tool anbieten zu können. So genüge heim Realizer-Tool ein Einzeilen-Befehl, um beispielsweise ein Fenster zu kreieren. Für das vergleichbare Programmierergebnis müsse der Entwickler mit dem Microsoft-Produkt hingegen 50 Zeilen schreiben.

.. . und greift auf

Know-how von Microsoft zu

Das Realizer-Paket schnürt Within unter anderem auch mit diversen mathematischen und Statistik-Funktionen, einem kompletten Satz von String-Befehlen und - wie bei VB - mit vorfabrizierten Windows-Objekten (Microsoft nennt sie Steuerelemente).

Die ereignisorientierte Programmierung läuft in ähnlich automatisierter Weise ab wie bei dem Microsoft-Konkurrenz-produkt. Auch die Art, mit dem "Visual Form Designer" eine Oberfläche zusammenzustellen, erinnert stark an die Vorgehensweise in VB.

Online-Hilfen, viele Beispielapplikationen, ein Debugger sowie DLL gehören ebenfalls zum Standardlieferumfang von Realizer.

Die Ähnlichkeiten beider Entwicklerwerkzeuge könnten übrigens damit zusammenhängen, daß an Bord der Within-Mannschaft hochkarätige Ex-Mitarbeiter von Microsoft sind: Steven A. Cohn gehörte zur Quick-C-Presentation-Manager-Mannschaft von William H. Gates III. Michael Hyman entwickelte in der OS/2-Abteilung von Redmond und schrieb fünf Bücher, unter anderem eines für Basic-Programmierer von Windows3.0-Applikationen.

GFA Basic for Windows soll die intuitive Syntax von Basic mit der strukturierten Programmierung von Pascal und C kombinieren, dabei allerdings ein Tempo an den Tag legen, das vergleichbar sei mit der Ausführungsgeschwindigkeit von Assembler und kompilierten C-Programmen .

Neben 400 speziell auf Windows-Operationen gemünzten Befehlen offeriert die Software aus Salem 500 weitere Commands.

Sie würden den Programmieraufwand in C drastisch reduzieren und Microsofts SDK überflüssig machen. GFA Basic for Windows soll etwa 295 Dollar kosten.