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15.11.2004

Microsoft vor neuen Millionenforderungen

Novell reicht Klage ein. Realnetworks verhandelt. Die EU-Kommission bleibt hart.

Wie angekündigt hat Novell vor einem Gericht in Utah Klage gegen Microsoft eingereicht. Der Branchenriese habe Novell bestimmte technische Informationen zu Windows vorenthalten und damit die Entwicklung neuer Versionen der Textverarbeitung "Wordperfect" und der Tabellenkalkulation "Quattro Pro" erschwert, erklärte das Unternehmen. Microsoft habe außerdem Technik in Windows eingebaut, die Wordperfect schaden sollte, und seine Monopolstellung missbraucht, damit PC-Hersteller ihre Systeme nicht mit dem Produkt der Konkurrenten ausliefern sollten.

Das eigentlich auf Netz-Betriebssysteme spezialisierte Unternehmen hatte im Juni 1994 die Wordperfect Corp. und fast zeitgleich auch Quattro Pro von Borland übernommen. Beide Programme waren zum Kaufzeitpunkt zusammen rund eine Milliarde Dollar wert. Als Novell sie 1996 an Corel weiterverkaufte, erlöste der Anbieter angesichts der zugunsten von Microsoft Office veränderten Marktsituation nur noch 170 Millionen Dollar damit. Nun verlangt Novell Schadenersatz in nicht näher genannter Höhe.

Microsoft argumentiert, der Niedergang von Wordperfect sei eine Folge "schlechter Entscheidungen und Geschäftsfehler" gewesen. Ob Novell mit seiner neuen Klage Erfolg haben kann, ist aus Sicht von Experten ungewiss. Robert Lande etwa, Juraprofessor an der Baltimore Law School und Kartellrechtsexperte, erklärte, auch als Monopolist habe Microsoft Novell nicht mit technischen Informationen versorgen müssen. "Es gibt keine Verpflichtung, dem Wettbewerb das Leben leichter zu machen", sagte der Jurist.

Microsoft und Novell hatten über den aktuellen Fall bereits verhandelt, bis dato jedoch keine Einigung erzielt. Allerdings kassierten die Netzwerker vor zwei Wochen 536 Millionen Dollar von Microsoft dafür, dass sie ihre Antitrust-Klage vor der Europäischen Kommission zurückziehen. Nachdem zuvor schon AOL Time Warner, Sun und der Branchenverband CCIA ihre Beschwerden nach Microsoft-Zahlungen in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar zurückgenommen hatten, bleibt vor der EU als Kläger nur noch Realnetworks.

Doch offenbar verhandeln dieses Unternehmen und Microsoft hinter verschlossenen Türen ebenfalls über eine Beilegung der Antitrust-Klage des Multimedia-Unternehmens vor der EU-Kommission. Beide Kontrahenten lehnen derzeit Erklärungen zum Stand der Gespräche ab, haben allerdings nicht dementiert, dass es Verhandlungen gebe.

Die Kommission hatte den Redmonder Softwareriesen zu einer Strafe in Höhe von 497 Millionen Dollar, zur Loslösung des "Media Player" von Windows und zur Offenlegung von Schnittstellen des Betriebssystems verurteilt. In Kürze muss der Europäische Gerichtshof in erster Instanz auf Antrag von Microsoft darüber entscheiden, ob die Strafe bis zu einer endgültigen Gerichtsentscheidung ausgesetzt wird.

Bei einer Einigung mit Realnetworks und einer Rücknahme der Klage vor der EU wäre nach Ansicht von Microsoft das Kartellverfahren der Kommission hinfällig. Realnetworks hat bisher bekräftigt, die Kommission weiter unterstützen zu wollen. Amelia Torres, Sprecherin der EU-Kommission, erklärte, es bleibe bei dem Kartellprozess: "Das Antitrust-Verfahren der Kommission hängt nicht von Beschwerden einzelner Parteien ab." (tc/ls)