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07.04.2000 - 

Interview / Mit Novell-Chef Eric Schmidt sprach Dominique Deckmyn, Redakteurin der CW-Schwesterpublikation "Computerworld"

"Microsoft war schon immer gut im Nachahmen"

MÜNCHEN (CW) - Auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz "Brainshare" in Salt Lake City präsentierte Novell letzte Woche das neue Netzwerkkonzept "One Net", demzufolge die Grenzen zwischen klassischen Netztypen wie LANs und WANs verschwinden und Unternehmen einen universalen, plattformunabhängigen Zugang zum Internet sowie zu Softwarediensten erhalten sollen (siehe auch Seite 37). Novell-Chef Eric Schmidt plauderte über die neue Netzwerkarchitektur "Denim" (Directory Enabled Net Infrastructure Model), Bill Gates, Linux und Netware.

CW: Denim erinnert an die Internet-basierten Dienste "Next Generation Windows Services", über die Microsoft seit neuestem redet. Wie unterscheidet sich Ihr Konzept davon?

SCHMIDT: Microsoft war schon immer gut im Nachahmen von anderen. Seit 1994 spreche ich von einer Welt, in der Dienste über das Internet zur Verfügung gestellt werden und auf die man von unterschiedlichsten Clients via HTML (Hypertext Markup Language) und XML (Extensible Markup Language) zugreifen kann. Das ist einer der zentralen Punkte, über die Bill Gates redet. Meine Antwort dazu lautet: "Willkommen im Club". Der Unterschied liegt darin, dass er einen sehr Windows-zentrierten Blickwinkel hat, den ich nicht für richtig halte.

CW: Eine der großen Herausforderungen für Novell liegt darin, unabhängige Software-Entwickler dazu zu bringen, Novell Directory Services (NDS) und die Denim-Architektur zu entwickeln. Auch bei Netware hatten Sie Schwierigkeiten, Entwickler zu gewinnen. Wird das bei Denim leichter werden?

SCHMIDT: Die meisten Leute werden diese Plattform mittels XML oder Javabeans nutzen, um Zugang zu den Novell-Diensten zu bekommen. Novells Kernkompetenz liegt nicht darin, derartige Schnittstellen zu schaffen, wie der missglückte Versuch, die NLM-Interfaces (Netware Loadable Module) als allgemeine Schnittstelle zu etablieren, beweist. Ich vermute, wir werden keine Probleme mit Denim haben, weil XML und Javabeans hier gut funktionieren werden.

CW: Glauben Sie, dass die ursprünglichen Kerndienste von Netware, die File- und Print-Services, inzwischen Allerweltsdienste geworden sind?

SCHMIDT: Nein, ich bin ganz anderer Meinung. Wenn dem so wäre, warum sollte EMC mit seinen Speichern dann so erfolgreich sein? Storage ist ein enormer Wettbewerbsvorteil.

CW: Linux mausert sich zunehmend zum File- und Print-Server. Sehen Sie darin eine Gefahr für den Lowend-Netware-Bereich?

SCHMIDT: Im Moment sehe ich die Gefahr nicht. Die Anwender bevorzugen ein Produkt, das viele Probleme auf skalierbare Art lösen kann, statt einer Menge von Linux-Maschinen, die sie nicht bedienen können - auch wenn Linux billiger ist.

CW: Viele Hersteller binden Linux oder die Open-Source-Bewegung in irgendeiner Weise ein. Novell hat zwar einen Directory-Port angekündigt, aber beständen nicht noch mehr Möglichkeiten?

SCHMIDT: Für den Umgang mit dem Phänomen Linux existiert kein Patentrezept. Es gibt keine allgemein gültigen Begrifflichkeiten oder Verträge, und die Modelle sind fast immer reine Theorie. Wir haben uns daher entschieden, NDS auf Linux aufzusetzen, um damit Management- und Interoperabilitätsfunktionen zu erlangen. Meine Einstellung ist: Wir versuchen das erst einmal so, warten die Reaktion der Kunden ab und machen dann weiter.

CW: Was halten Sie von dem Modell des Application-Service-Providing (ASP)?

SCHMIDT: Keiner hat den Erfolg des ASP-Modells bisher bewiesen. Für einige Dinge wird es gut funktionieren, für andere nicht. Die generelle Frage ist: ASP wird stattfinden, wie wird Novell mitspielen? Die Antwort liegt im Directory. Das heißt, wenn wir Verzeichnisdienste in verschiedenen Formen für ASP-Anbieter bereitstellen, können wir eine Menge Geld verdienen.

CW: Novell hat eigene Professional Services aufgebaut. Wird Ihr Unternehmen irgendwann zum Integrator?

SCHMIDT: Nein. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir ein hoch spezialisierter Integrator von Netzwerkdiensten für Directory-basierte Lösungen sein wollen. In dieser Funktion werden wir mit kommerziellen Systemintegratoren zusammenarbeiten. Außerdem sind wir keine besonders guten Allzweck-Integratoren.